Vereinskooperationen

Was auf menschlicher Ebene mit an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit zu ernsthaften persönlichen Problemen führen würde, wird im Vereinsfußball gefordert und gefördert: Eine mehrfache Partnerschaft. Das Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) von Eintracht Frankfurt hat zurzeit drei Partner an seiner Seite, doch von Komplikationen keine Spur.

                                                  

Am längsten hält diesbezüglich die TSG Wieseck dem NLZ die Treue. Vor über einem halben Jahrzehnt kam angesichts ohnehin regelmäßiger Aufeinandertreffen in den Jugend-Hessenligen der Gedanke einer organisierten Kooperation auf. Seitdem intensivierten die Verantwortlichen den gegenseitigen Austausch immer tiefer, als Paradebeispiel gelten hierbei die Entwicklungen der einstigen TSGler Luca Waldschmidt und Nico Rinderknecht zu Bundesligaprofis – auch wenn sie inzwischen die Fußballschuhe nicht mehr für die Eintracht schnüren. Nachahmer sind nicht auszuschließen, tummeln sich in den Leistungsteams doch zahlreiche weitere Gießener Freunde. „Wir sehen das als Auszeichnung unserer Arbeit“, erklärt Stefan Frels, stellvertretender Leiter des Jugendförderzentrums, mit einem lachenden Auge und zeigt weitere Vorzüge der Zusammenarbeit auf: „Unsere Trainer erhalten die Möglichkeit, im NLZ zu hospitieren, sich fortzubilden.“ Die damit einhergehende steigende eigene Ausbildungsqualität komme wiederum dem eigenen Image zugute, „was uns für andere Nachwuchsakteure interessant macht.“ 

„Idealerweise findet ein Wechsel in der C-Jugend statt. Spätestens bei den A- und B-Junioren ist das Niveau inzwischen beinahe zu hoch“, erklärt der aktuelle Wiesecker U15-Trainer Stefan Frels. Einerseits möchte man versuchen, den Nachwuchs möglichst lange bei ihren Heimatvereinen trainieren zu lassen, andererseits kennt er auch den Unterschied zwischen Hessen- und Bundesliga. Nichtsdestotrotz weiß die Eintracht um die hochwertige Nachwuchsarbeit an den jeweiligen Standorten, weshalb „wir schon ein ums andere Mal von der Empfehlung des NLZ profitiert haben“, erinnert sich Dreifürst an gebürtige Fuldaer Talente, die den Sprung nach ganz oben nicht geschafft haben. Im Gegenzug dürfen sich die Frankfurter Verantwortlichen seriöser Tipps ihrer Partner sicher sein, falls bei weiteren Teams der Staffel ein potenzielles Juwel auf sich aufmerksam machen sollte. 

Mit Wieseck ist der „Austausch schon seit Langem sehr offen und kommunikativ“, so Scout Habil Misimi zufrieden. Besonders das monatliche Toptalente-Training für ausgewählte Hochbegabte aller Standorte im Altersbereich von U12 bis U17 habe sich zuletzt bewährt. 

Außer dem Transfer von Kickern und Konzepten beinhalten die Zusammenarbeiten zahlreiche weitere Vorzüge. So finden regelmäßige Testspiele  gegen die Nachwuchsmannschaften der Kooperationsvereine und gemeinsame Trainingstage mit den jüngsten Jahrgängen statt. Zudem erhält der Wiesecker und Fuldaer Nachwuchs einmal jährlich eine Einladung zu einem Bundesligaauftritt der Profis. Und nicht zu vergessen die regelmäßig stattfindenden Adlertage. Abwechselnd in Fulda, Frankfurt und Wieseck dürfen die Jüngsten ihre fußballerischen Künste unter Beweis stellen und die Chance suchen, in einem der drei Vereine unterzukommen und ganz vielleicht eine glorreiche Zukunft zu gestalten. 

Seit Dezember 2016 kooperiert das Nachwuchsleistungszentrum von Eintracht Frankfurt und die Spielvereinigung 05 Frankfurt-Oberrad unter dem Motto „Fußball spielen fördern“ – speziell im Grundlagen- und Aufbaubereich – miteinander.

Mit 600 aktiven Kindern und Jugendlichen in 31 Mannschaften gehört Oberrad inzwischen zu einem der größten Fußballvereine in der Region und hat sich in den vergangenen Jahren zu einem anerkannten und anspruchsvollen Ausbildungszentrum für Jugendfußballer entwickelt. Das Nachwuchsleistungszentrum von Eintracht Frankfurt ist die Kaderschmiede für talentierte Nachwuchsfußballer in Hessen. Beide Vereine haben erkannt, dass durch das gemeinsame Beschreiten innovativer Wege die jeweiligen Stärken weiter ausgebaut werden können. Die Leitidee dabei ist die gemeinsame organisierte Förderung des Jugendfußballs in Frankfurt. So sollen in naher Zukunft talentierte Jugendspieler in ihrer gewohnten Umgebung gefördert und ausgebildet werden, um sie dann in das Nachwuchsleistungszentrum der Eintracht zu integrieren. Auf der anderen Seite unterstützt Eintracht Frankfurt die Spielvereinigung 05 Oberrad beispielsweise durch die Austragung gemeinsamer Freundschaftsspiele.

„Wir nehmen in unserem Nachwuchsleistungszentrum erst Spieler ab dem Alter von 10 Jahren auf, Oberrad dagegen bildet bereits noch jüngere Nachwuchsfußballer aus. Die Spielvereinigung betreibt seit Jahren eine hervorragende Nachwuchsförderung und wir sind sicher, dass motivierte, talentierte Spieler sich in diesem Verein in guten Händen befinden. Wir sind davon überzeugt, dass die Zusammenarbeit für beide Vereine einen großen Nutzen bringen wird“, so Armin Kraaz, Leiter des Leistungszentrums.

 

Noch in den Kinderschuhen steckt die Zusammenarbeit mit dem 1. FC 1906 Erlensee. Was sich schon seit Längerem über enger werdende Kontakte der handelnden Personen angebahnt hatte, mündete am 1. Juli 2018 offiziell in einem Kooperationsmodell. Ausschlaggebend war zunächst die Standortfrage, wodurch das NLZ sein Netzwerk um den Main-Kinzig-Kreis erweitert.

Verbunden mit den vergleichsweise hohen Spielklassen der 21 Mannschaften sowie den guten infrastrukturellen Bedingungen sehen beide Seiten ein solides Fundament für eine fruchtbare Partnerschaft gelegt, die zunächst auf zwei Jahre angelegt ist. Entsprechend freut sich Tobias Gebhardt, 1. Vorsitzender des 1. FC 1906 Erlensee, darüber, „von den professionellen Strukturen zu lernen und uns weiterzuentwickeln.“ Armin Kraaz, Leiter des Leistungszentrums, ist in dieser Hinsicht guter Dinge: „Wir haben in Erlensee mit topmotivierten, äußerst freundlichen und offenen Kollegen zu tun, die wir bei der weiteren Entwicklung nach Kräften unterstützen werden.“ Dies soll etwa über die Durchführung des bewährten Adlertags geschehen, was dem FCE einen zusätzlichen Zulauf an Talenten bescheren soll.

Die Rohdiamanten aus dem Hanauer Raum, speziell des Grundlagen- und Aufbaubereiches, sollen wiederum mittelfristig den Weg an den Riederwald finden – entweder unmittelbar zwischen den Vereinen oder auf Empfehlung des neuen Partners.

Grundsätzlich gleichen die Aktivitäten denen der bisherigen Kooperationspartnern – wie etwa regelmäßige Trainerschulungen und Freundschaftsspiele. Wohin der gemeinsame Weg führen wird, muss sich zeigen. „Idealerweise entwickeln sich alle Jugendmannschaften zu gestandenen Hessen- beziehungsweise Regionalligisten, um eine Förderung und Forderung auf möglichst hohem Niveau zu gewährleisten“, führt Kraaz aus.


Weitere Informationen zur TSG Wieseck
Weitere Informationen zur Spvgg. 05 Frankfurt-Oberrad
Weitere Informationen zum 1. FC 1906 Erlensee


 

Kontakt

Armin Kraaz
Leiter Leistungszentrum

Eintracht Frankfurt e. V.
Alfred-Pfaff-Straße 1
60386 Frankfurt/Main

Tel: +49 69 42 09 70 0
Fax: +49 69 42 09 70 322
kraaz(at)eintracht-frankfurt.de

 

Fussball Leistungszentrum

Zu den Mannschaften