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Schwarz-weiß-rot statt „Le Bleu“

Dienstag, 18. September 2018, 11:12

19 Eintracht-Mitglieder leben aktuell in Frankreich. Einer von ihnen ist Julius Friedrich, der seit einigen Jahren in Bordeaux lebt und 2013 ein echtes Heimspiel in der Europa League erleben durfte. Nun reist die SGE wieder nach Frankreich. Der gebürtige Oberurseler erzählt uns, wie es als Exil-Adler im Land des Weltmeisters ist.

Eintracht Frankfurt Mitglied Julius Friedrich Bordeaux

Wie kam es dazu, dass Du heute als „Exil-Adler“ in Frankreich lebst?

Ich bin 2011 für mein Master-Studium nach Bordeaux gezogen und anschließend hier hängen geblieben. 

Wie bist Du überhaupt Eintracht-Fan geworden?

Ich glaube, es gibt einen Schlüsselmoment, ab dem ich sagen kann, dass ich Eintracht-Fan bin. In der Grundschule hatte ich einen sehr guten Freund mit dem ich auch immer auf dem Bolzplatz gekickt habe. Seinen Geburtstag hat er damals im Stadion gefeiert. Das war meine Premiere im Waldstadion und das gleich gegen Bayern. Die SGE gewann 4:1 und hat die Bayern aus dem Stadion geschossen. Von da an war ich Eintrachtler! 

Du warst 2013 schon in Bordeaux dabei, hast damals auch schon dort gelebt. Wie war das Heimspiel für dich?

Das Spiel gegen Bordeaux war der Hammer, unbeschreiblich! Das fing schon mit der Auslosung an. Als klar war, dass Bordeaux und Frankfurt in einer Gruppe spielen, ist mein Handy fast explodiert und ich hatte mehr Nachrichten als Geburtstag und Silvester zusammen. Am Spieltag musste ich dann noch verhandeln, dass ich früher Feierabend bekomme und schon auf dem Heimweg in der Straßenbahn war alles voll mit Eintracht-Fans. Bei mir zuhause wurde dann ein Matratzenlager eingerichtet, da viele Freunde und Bekannte gar kein Hotel mehr bekommen haben. Mit den Tickets war es auch nicht so einfach. Als Bordeaux als gastgebender Verein gemerkt hat, dass tausende Frankfurter überall im Stadion Tickets kaufen, konnten nur noch an Kunden mit französischer Adresse Tickets kaufen. Ich habe dann noch teils völlig unbekannten zu Tickets verholfen, in dem sie meine französische Adresse angegeben haben.

Und der Spieltag selbst?

Der Marsch vom Zentrum von der Place de la Victoire zum Stadion war episch. Da, wo ich sonst immer im Berufsverkehr im Stau stehe, war alles abgesperrt und eine orangene Menge strömte zum Stadion. Ich hatte noch einen Kumpel, der direkt an der Strecke wohnt, so konnten wir uns das Spektakel vom Balkon aus ansehen, bevor wir uns mit eingereiht haben. Im Stadion war es dann ein echtes Heimspiel und die Bordelaiser waren so beeindruckt, dass die vor dem Anpfiff alle Fotos von unserer Kurve gemacht haben. Dass wir dann auch noch gewonnen haben, hat das Ganze perfekt abgerundet. Vorher kannte hier niemand die Eintracht, mittlerweile erinnert sich nahezu jeder in Bordeaux an die Frankfurter, ob Fußballfan oder nicht. Nach dem Spiel habe ich dann noch Bekannte aus Oberursel vor dem Stadion zufällig auf einer Verkehrsinsel getroffen. Es war als wär ich wirklich bei einem Heimspiel am Gleisdreieck...

Das Auswärtsspiel in Marseille findet leider ohne Fans statt. Wie groß war deine Enttäuschung, dass das nächste „Heimspiel“ – auch wenn es einige hundert Kilometer entfernt gewesen wäre – auch ohne dich stattfinden muss?

Extrem groß! Ich hatte eigentlich schon alles geplant. Im Endeffekt sind die Eintracht-Fans die Leidtragenden von einer Kollektivstrafe, die im aus meiner Sicht das Problem überhaupt nicht bekämpft. Die Strafe trifft die Eintracht fast mehr als Marseille...

Wie wird die Eintracht in Frankreich wahrgenommen? Mit Haller, N’Dicka und Fallette spielen ja auch gleich drei Franzosen für uns…

In Frankreich ist die Eintracht schon recht unbekannt, trotz der Franzosen die bei uns spielen. Hier kennen eigentlich nur Fußballexperten andere Klubs außer Bayern und Dortmund. Obwohl ich mich erinnere, dass Haller Ende der letzten Hinrunde nach seinen spektakulären Toren im „Canal Football Club“, sowas wie die französische Sportschau, zu Gast war.

Kannst Du die Spiele verfolgen?

Ja das geht in der Regel ganz gut über Streaming. Manchmal höre ich auch Samstagnachmittag die Radio-Konferenz über Webradio. Und übers Internet schaue ich in der Regel Samstagabend die Sportschau.

Du warst ja bereits im Ausland als Du dich für eine Mitgliedschaft entschieden hast. Warum?

Gerade weil ich nicht so oft vor Ort bin, ist die Mitgliedschaft praktisch, zum Beispiel wegen den Vorteilen beim Ticketkauf. Außerdem ist es ein gutes Mittel den Klub zu unterstützen, auf dem Laufenden zu bleiben und seine Zugehörigkeit zu zeigen.  

Vielen Dank für die vielen spannenden Einblicke. Au revoir!

 

 

Von: Ann-Kathrin Ernst


 

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