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Putzen und Schmücken für eine lebendige Erinnerung

Montag, 09. März 2020, 10:58

Schüler der Pestalozzischule haben die Stolpersteine am Riederwald wieder zum Glänzen gebracht und wollen so die Erinnerung an die Schicksale Frankfurter Juden am Leben erhalten.

Mit jede Menge Tüchern, Schwämmen, Zahnbürsten und Putzmittel ausgestattet haben sich die Viertklässler der Pestalozzischule auf den Weg gemacht. Ihr Ziel waren die fünf Stolperstein-Stationen, die es am Riederwald gibt und die mittlerweile etwas von ihrem Glanz verloren haben. So auch die beiden Steine, die sich direkt vor dem Eingang der Geschäftsstelle von Eintracht Frankfurt befinden und die den Eintracht-Mitgliedern Julius und Max Lehmann gewidmet sind. „Julius war hier Fußballspieler und sein älterer Bruder Max war Trainer“, weiß Johanna, die sich zusammen mit drei Mitschülern und Lehrerin Senora Alem vor der Geschäftsstelle sofort an die Arbeit machte. In der Schule hätten sie sich mit allen auf den Stolpersteinen am Riederwald verewigten Personen beschäftigt – und mit deren schlimmen Schicksalen. So wurde Julius Lehmann 1942 in ein Konzentrationslager nach Polen verschleppt und dort ermordet. Max hingegen überlebte den Krieg im Konzentrationslager in Theresienstadt und lebte bis zu seinem Tod 1976 in Sachsenhausen.

„Die Geschichten sind so schlimm, dass man sich das heute gar nicht mehr vorstellen kann“, findet Mitschüler Ramon. Umso wichtiger ist es, dass sie nicht in Vergessenheit geraten. Das hat den Schülern Zeitzeuge Helmut „Sonny“ Sonneberg erzählt, der die Kooperationsschule der Eintracht Frankfurt Pausenliga besucht und einen bleibenden Eindruck hinterlassen zu haben scheint. „Er hat uns gesagt, dass wir aufpassen müssen, dass so etwas nicht noch mal passiert“, erklärt Johanna. Deshalb wollten sie als Schüler selbst etwas tun. „Für mich ist es eine Ehre, die Steine sauber zu machen“, meint Ramon, vor allem, weil beide Spieler bei der Eintracht waren und quasi direkt nebenan trainiert und gespielt haben.

Dank dieser fleißigen Hände glänzen die Stolpersteine am Riederwald wieder gold. Vielen Dank!

„Bei dem Thema Stolpersteine sind die Kinder sofort hängengeblieben“, erinnert sich Lehrerin Senora Alem. Im Rahmen der Teilnahme am Frankfurter Schulpreis zum Motto „Was ist gerecht“ habe man sich mit den Kindern der Klasse 4b mit Cäcilie-Breckheimer und Marie Juchacz, nach denen im Stadtteil Riederwald öffentliche Plätze benannt wurden, und anschließend mit den Weltreligionen beschäftigt, da Breckmeier Jüdin war. Dabei seien sie auch auf die Stolpersteine zu sprechen gekommen. Einige der Schüler hätten sich daraufhin nach Schulschluss direkt aufgemacht, um die Steine zu suchen – und dabei bemerkt, dass die gar nicht mehr so schön aussehen. So sei die Idee entstanden, die Steine wieder zum Glänzen zu bringen und ihnen zu mehr Aufsehen zu verhelfen.

Aber das war gar nicht so leicht wie gedacht. Über eine halbe Stunde schrubbten und putzten die Schüler an den beiden Steinen, bis diese nicht mehr grau, sondern wieder strahlend golden waren. Zum Abschluss schmückten sie die Steine mit Blumen, Ramon legte auch noch einen kleinen Stein dazu. „Statt Blumen legt man auf jüdische Gräber kleine Steine“, erklärt er. Und obwohl die Hände und Knie am Ende schon etwas wehtaten, waren sich die Kinder beim Anblick der glänzenden Stolpersteine einig: „Es hat sich gelohnt!“

Von: Marie Huhn


 

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