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Mit der Straßenbahn zum Auswärtsspiel

Freitag, 08. Februar 2019, 09:18

Dieses Wochenende wartet in Leipzig auf unsere Fußballprofis eine schwere Aufgabe. Exil-Adler Jürgen Mende lässt sich dieses Spiel natürlich nicht entgehen. Seit 1993 wohnt er im Osten der Republik und verfolgt nahezu jedes Spiel unserer Eintracht.

Eintracht Frankfurt Mitglied Leipzig Jürgen Mende

Der gebürtige Sauerländer kam im Alter von drei Jahren nach Frankfurt und verbrachte die meiste Zeit seiner Jugend hier. „Es war ja eigentlich klar, dass man Eintracht-Fan wird“, so der lachende Mende. Als er sieben Jahre alt war, ging er das erste Mal mit seinem Vater ins Waldstadion. Er sah einen 1:0-Sieg gegen den Hamburger SV – einen besseren Start hätte sich Jürgen Mende nicht vorstellen können. Sein Vater war auch derjenige der ihn mit dem Eintracht-Virus infizierte. „Er hat mich manchmal mit zum Frühschoppen genommen, wenn der Vereinswimpel schief hing, wusste man sofort was Sache ist. Die Mannschaft hatte verloren“, fügt der Wahl-Leipziger hinzu. Auch in der Schule war das Thema Eintracht natürlich nicht zu umgehen, daher blieb für ihn eigentlich keine andere Wahl und das Herz an den Traditionsverein verloren.

Seinen persönlich schönsten Fußball-Moment erlebt Jürgen Mende 1980 mit dem Gewinn des Europa-Pokals. „Während des Hinspiels war ich damals auf Klassenfahrt. Meine Freunde und ich haben die 3:2-Niederlage gegen Gladbach live im Fernsehen verfolgt“, erinnert sich der 54-Jährige, als ob es gestern gewesen wäre. Das Rückspiel verfolgt er live im G-Block und konnte sein Glück damals gar nicht richtig fassen. Auch die anderen Europa-Pokal-Spiele behält er in guter  Erinnerung, wie zum Beispiel die Wasserschlacht in der zweiten Runde gegen Dinamo Bukarest. „Weil es so geschüttet hat durften wird damals vom G-Block auf die Gegengerade und als dann Hölzenbein das Tor im Sitzen gemacht hat, war für uns kein Halten mehr“, erzählt Mende. Aber auch an die drei Pokalsiege, die er miterleben durfte, erinnert sich Mende gerne. Natürlich war er auch letztes Jahr gegen den FC Bayern München mit seinem 14-jährigen Sohn in Berlin. Ein tolles Erlebnis.

Zu seinen schmerzhaftesten Momenten zählt Jürgen Mende den ersten Abstieg 1995/96 und die gewonnen geglaubte Meisterschaft. Das Trauma von Rostock. „Ich bin damals einmal nicht mit auswärts gefahren, sondern hatte mich mit zwei Freunden auf dem Römer zum Feiern verabredet. Als dann die Nachricht kam das nicht wir Meister geworden sind, sondern Stuttgart, war die Enttäuschung natürlich riesig“, berichtet er. Wie für viele andere auch war das eines der prägendsten Ereignisse in seiner persönlichen Fangeschichte.

Weit entfernt von einer solchen Dramatik ist sein Lieblingsverein in dieser Saison, von deren bisherigem Verlauf er sich sehr begeistert zeigt. Nach den vielen Abgängen und dem neuen Trainer, hatte er seine Bedenken, ob das Jahr so erfolgreich verlaufen wird. Aber die launische Diva überzeugte ihn abermals mit einer überragenden Hinrunde. Mende hofft daher, dass die Eintracht am Saisonende auf Platz fünf oder sechs landet. Doch auch den kommenden Aufgaben im europäischen Wettbewerb schaut er gespannt entgegen. In der UEFA Europa League schätzt er Shakhtar Donetsk als schwieriges Los ein. „Mit ihren vielen Brasilianern haben sie eine erfahrene Truppe, vor der sich unsere Mannschaft in Acht nehmen muss“, so Jürgen Mende.

Doch bevor die Mannschaft in die Ukraine reist, wartet am Wochenende noch ein schwieriges Auswärtsspiel. Die Karten für „sein Heimspiel“ hat Mende schon seit fünf Wochen und tippt auf einen 3:1-Sieg für unsere Eintracht. „Ich wollte schon immer einmal mit der Straßenbahn zu einem Auswärtsspiel fahren“, fügt er lachend hinzu. Mit seinem Sohn fährt er zu den meisten Auswärtsspielen vor allem im Norden der Republik, da sie es dann von Leipzig nicht ganz so weit haben. Auch zu zwei bis drei Heimspielen in der Saison nimmt er den Weg bis nach Frankfurt auf sich. Wenn mal nicht die Eintracht spielt besucht er gerne die Spiele von BSG Chemie Leipzig. „Da die Fans der Eintracht ja eine Fanfreundschaft mit Chemie pflegen, bin ich als Eintrachtler in meinem Trikot natürlich herzlich willkommen“, erzählt Jürgen Mende. Die Heimspiele im Alfred-Kunze-Stadion sind für ihn eine schöne Abwechslung.

Zu fast allen Spielen nimmt Jürgen Mende auch seinen Sohn mit. Nur einen Tag nach der Geburt stellte er einen Mitgliedsantrag für seinen Nachwuchs, der natürlich auch den Eintracht-Virus vererbt bekommen hat und stolzer Junior Adler ist. „Ich habe meinen Sohn, wie mein Vater mich damals, genauso infiziert und er beschwert sich manchmal sogar, wenn wir ein Eintracht-Spiel verpassen“, so Mende. Das Spiel am Samstag werden sie definitiv nicht verpassen und werden gemeinsam unsere Profis lautstark unterstützen. Mit einem weiteren Sieg könnte sein Tipp für die Platzierung am Ende dieser Saison immer realistischer werden. Auf jeden Fall kann er seinen Wunsch erfüllen und einmal in seinem Leben mit der Straßenbahn zum Auswärtsspiel von Eintracht Frankfurt fahren. 

Von: Moritz Steinmann


 

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