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Heimspiel in der Hauptstadt

Freitag, 07. Dezember 2018, 16:26

Fragt man Eintracht-Fans nach ihrer persönlichen Geschichte, so fällt sie immer anders aus. Im Gespräch mit unserem Mitglied Lutz Markwirth hat man das Gefühl, selbst seine Eintracht-Geschichte erlebt zu haben. Mit vielen Details und Humor sprach er mit uns über seine ganz persönliche Geschichte.

Eintracht Frankfurt Mitglied Lutz Markwirth

Dass es in Berlin viele Exil-Adler gibt, ist ein offenes Geheimnis. Einer von insgesamt 327 Mitgliedern, die es dorthin verschlagen hat, ist Lutz Markwirth. Der 46-Jährige hat viel zu erzählen, hat viel mit der Eintracht erlebt. In der Grundschule habe ihn der tückische, aber längst nicht gesundheitsgefährdende, SGE-Virus infiziert. Neben seinen Eltern gab es auch diverse äußere Einflüsse – wie das in Frankfurt eben ist. „Wir hatten in der Grundschule einen Direktor, der Fan war und die Schüler infiziert hat. Also zumindest die, die es nicht sowieso schon waren“, witzelt Markwirth. Er selbst hat als kleiner Bub bei der TSG Frankfurter Berg gekickt, nicht sonderlich talentiert, daher war der anschließende Stadionbesuch mit den Eltern eine gern gesehene Abwechslung.

Seitdem hat er viele Höhen und Tiefen erlebt. Aufstieg, Abstieg, Europapokal oder eben auch 2. Bundesliga: „Ich habe die ganze ‚Scheiße‘ gefressen als wir noch in Frankfurt gewohnt haben – aber egal, wir waren immer da“, berichtet der Vater zweier Söhne. Aber natürlich waren auch viele Highlights dabei. In der neueren Zeit gehören für ihn logischerweise die DFB-Pokalfinal-Teilnahmen 2006 und 2017 und – krönend – der Pokalsieg 2018 oder auch das Europapokal-Auswärtsspiel in Porto dazu. Aber auch legendäre Momente hat er im Stadion erleben dürfen: Den Aufstieg gegen Reutlingen beispielsweise, oder Okocha, wie er Oliver Kahn austänzelte. „Es sind einfach unzählbar viele Erinnerungen, die ich mit der Eintracht verbinde. Viele tolle Erlebnisse, viel Leid, aber auch viel Freude. Einfach geil!“, schwärmt der Wahl-Berliner. Zwei seiner prägendsten Spiele: Das 5:1 gegen Kaiserslautern und, wie soll es anders sein, die verlorene Meisterschaft. Letzteres verfolgte er damals mit Freunden in Frankfurt. „Wir hatten keine Karten bekommen, aber wir hatten einen Premiere-Decoder. Dann kommt der nicht gegebene Elfmeter, wir dachten vorher alle wir werden Meister. Danach sind wir ans Stadion gefahren haben auf dem Vorfeld drei Stunden lang gekickt, um den Frust wegzubolzen.“ Das war das wohl traurigste Erlebnis seines Fan-Daseins.

Ganz anders in Erinnerung geblieben ist ihm dagegen das genannte 5:1. „Das war der Wahnsinn“, erzählt Markwirth und man hat das Gefühl, er ist um einige Jahre zurückgesprungen und sitzt wieder auf seinem Stammplatz auf der Tribüne des alten Waldstadions. Block 2, Reihe 16, Platz 50. Wir beamen uns gemeinsam zurück: „Es gab damals noch keine Smartphones, aber wir hatten Radios dabei. Dann sitzt Du da und du weißt: es fehlt noch ein Tor. Auf einmal schießt er das Ding. Und ist bis heute unsterblich dafür. Eigentlich hätten wir ihn am liebsten geohrfeigt, weil er noch den Übersteiger gemacht hat und wir alle dachten ‚Mach auf Nummer sicher und schieb das Ding jetzt rein!‘“ Wie es ausgegangen ist, wissen wir alle.

So wurde die Eintracht zum festen Bestandteil seines Lebens. 2003 entschloss er sich Mitglied zu werden. Damals, als es die Fanabteilung noch nicht gab, meldete er sich als passives Mitglied für die Fußballabteilung an. An der Verbundenheit zur Eintracht konnte auch der Umzug nach Berlin nichts ändern. Die Liebe – ja, die soll es außerhalb der Eintracht auch geben – zog ihn in die Hauptstadt. Anfangs, erzählt er, war das gar nicht so einfach. Wochenende für Wochenende ist er wieder nach Frankfurt gefahren, teilte sich weiterhin die Dauerkarte mit seinem Vater. „Ich habe immer gesagt ‚Berlin ist das größte Offenbach Deutschlands‘, weil ich mich nicht wohl gefühlt und die Heimat vermisst habe“, berichtet er und muss dabei herzhaft lachen. Auch heute wird er noch von Freunden und Bekannten mit diesem Satz aufgezogen. Die Wochenenden in Frankfurt wurden weniger, die Verbundenheit zu Berlin dafür immer größer. Zwar komme er gerne nach Frankfurt, um alte Freunde und die Familie wiederzusehen, aber die Stadt und er haben sich verändert und passen heute nicht mehr so zusammen wie früher. Doch was geblieben ist, ist das besondere Gefühl bei Heimspielen, die er natürlich vermisse. „Die Eintracht ist wie ein Jour Fixe: Man trifft sich, es ist ein feststehender Termin. Man hat immer gleiche Anlaufpunkte und man trifft Freunde. Ein tolles Ritual.“

Dieses Ritual oder auch „Eintracht-Virus“, wie man ihn gerne bezeichnet, gibt er gerne an seine Kinder weiter, die gleich mit Geburt bei den Junior Adlern angemeldet wurden. Für ihn spielt es keine Rolle, ob er ihn Frankfurt oder Berlin wohnt. Die Eintracht war und ist ein fester Bestandteil seines Lebens. Da können noch so viele Kilometer dazwischen liegen. Und klar, auf das anstehende „Heimspiel“ in Berlin freuen sich Lutz und sein Sohn natürlich schon, denn dann kommt mit der Eintracht ein Stückchen Heimat in die Hauptstadt.

Von: Ann-Kathrin Ernst


 

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