Historie

125 Jahre Vereinsgeschichte

Geschrieben von Karin Kling anlässlich der Jubiläumsfeier im Jahr 1986 (1861-1986)


Den Anstoß zur Gründung der meisten Frankfurter Turnvereine, also auch unseres Vereins, gab August Ravenstein. Seine großen Verdienste um die Entwicklung der Turnsache in Frankfurt und im Mittelrheinkreis haben ihm zu Recht den Beinamen „Turnvater Frankfurts und des Mittelrheinkreises“ eingetragen. Daneben war er auch Gründer des „Taunusklubs“. Er versuchte, selbst ein eifriger Turner und Wanderer, eine Verbindung zwischen beiden herzustellen. Dies ist ihm aus heutiger Sicht wohl auch gelungen, siehe zum Beispiel unsere aktive Wanderabteilung. August Ravenstein war es auch, der 1844 das Feldbergfest ins Leben rief, an dem sich noch heute Hunderte von Turnern erfreuen.
1860 trennte sich, hauptsächlich aus politischen Gründen, eine größere Anzahl Mitglieder vom Frankfurter Turnverein und gründete am 22.01.1861 die Frankfurter Turngemeinde. Sie legten damit den Grundstein für unseren jetzigen verein. Es ist sehr schwierig für uns, heute die 125 Jahre alte Vereinsgeschichte nachzuvollziehen; liegen doch zwei Weltkriege dazwischen und damit auch der Verlust von wertvollen Unterlagen. Wir stützen uns hauptsächlich auf Erinnerungen unserer älteren Mitglieder, denen wir an dieser Stelle herzlichen Dank sagen für ihre Mitarbeit.
Die Frankfurter Turngemeinde von 1861 war ein rühriger Verein. Dank des turnerischen Geistes und der Opferbereitschaft vieler Mitglieder wuchs der Verein zu einer richtigen Turnerfamilie zusammen. Die Turngemeinde hat auch mit ihrer Zeit gelebt und nahm Anteil an der politischen und gesellschaftlichen Entwicklung. Bis 1914 blieb das Winterfest der Turngemeinde im Zoo ein gesellschaftliches Ereignis in Frankfurt. Bereits 1884 konnte die Turngemeinde ein Vereinshaus und eine Turnhalle (Oeder Weg 37) ihr eigen nennen. Die Mitgliederzahl des Vereins war beachtlich. So konnte man am 01.01.1908 bereits 750 Mitglieder zählen, davon 100 Frauen und 95 Mädchen, für die damalige Zeit besonders bemerkenswert. Seit 1890 „turnte“ eine Damenriege in der Vereinsturnhalle. Die stetige Entwicklung des Vereins wurde durch den 1. Weltkrieg 1914 bis 1918 jäh unterbrochen.
Als man sich 1920 mit dem Frankfurter Fussballverein vereinigte, geschah dies sicherlich mit den Besten Vorsätzen. Die Mitgliederzahl stieg bis auf 5000 und man etablierte sich mit den Fussballern besonders nach außen. Doch die grundverschiedene Einstellung zum Turnbetrieb, die Verschiedenheit der turnerischen und sportlichen Gesinnung ließen das an sich gute Werk scheitern. Nach der „reinlichen Scheidung“ 1926 gingen die beiden Vereine wieder getrennte Wege. Es war dies aber eine Erfahrung für die Turngemeinde, die sicherlich den Weg bereitete für die spätere Fusion mit den Fussballern im Jahre 1968.
Die Jahn-Riege, von Georg Pfeiffer 1925 gegründet, begann ihren Siegeszug mit den Höhepunkten bei den Turnfesten 1923 in München und 1928 in Köln, der Weltmeisterschaft von Ernst Winter 1934 in Budapest und bei den Olympischen Spielen 1936 Berlin. Auch die Fechtabteilung erlebte in diesen Jahren eine Blütezeit. Besonders hervorzuheben sind hier die Meisterschaftserfolge von Dr. Wilhelm Schöndube.
Dann kam der 2. Weltkrieg und machte viel der mühsam aufgebauten Vereinsarbeit zunichte. Otto Scheuerle, der damalige Vorsitzende, hatte kein leichtes Amt. Auch finanzielle Sorgen drückten den Verein. Von den 100 eingeschriebenen Mitgliedern konnte kaum die Hälfte ihre Beiträge entrichten. Trotzdem wurden bis 1943 noch Wettkämpfe ausgetragen. Im Oktober 1943 ging die Geschäftsstelle in Flammen auf; wertvolles Material verbrannte. Im Dezember 1944 wurde die Turnhalle durch Luftminen vernichtet.
1945 bot sich ein trostloser Anblick. Zunächst glaubte man, das gesamte Vereinsleben sei unter den Trümmern begraben. Aber es ging weiter! Auf dem Trümmerhaufen unserer Turnhalle fanden sich Mitglieder zusammen, die sofort mit dem Wiederaufbau der Halle und des Vereinslebens begannen. Die gemeinsame Aufbauarbeit schweißte die Schar Unermüdlicher fest zusammen. Die Eintracht-Riege war dann auch die erste, die trotz Verbot unter der Flagge der Arbeiterwohlfahrt 1945 öffentlich auftrat. Die erste konstituierende Sitzung wählte Albert Zellekens zum Vorsitzenden dessen Bemühen es war, einen Großverein in der Frankfurter Innenstadt zu schaffen.
Nach wiederholten Verhandlungen gelang es dann 1946, eine Gemeinschaft aus Frankfurter Turn- und Fechtclub und Turngemeinde Eintracht zu gründen , die sich von da an „Turn- und Fechtgemeinde Eintracht von 1861“ nannte. Es war eine gute Ehe, die man eingegangen war. Hier zeigte sich wieder: Gemeinsamkeit macht stark! Der Turn- und Fechtclub brachte viel Gemeinschaftssinn und kameradschaftliche Geselligkeit in die Verbindung ein, deren Grundstein der Turnlehrer Robert Braun legte und festigte. Die Eintracht war mit der Ernst-Winter-Riege turnerisch stark und zu dieser Zeit wohl der aktivste deutsche Turnverein. Ein Deutsches Turnfest, das 1948 stattfinden sollte, wurde durch die Währungsreform zunichte gemacht. Man führte stattdessen ein bundesoffenes Turnen durch und nannte es das „Frankfurter Turnfest“.
1952 war die Turnhalle am Oeder Weg wieder soweit instandgesetzt, dass der Übungsbetrieb, der vorübergehend in die Musterschule verlegt worden war, wieder aufgenommen werden konnte. Man verband die Feier von Jahns 100. Geburtstag mit einer „öffentlichen Turnstunde“ anlässlich der Wiedereröffnung der Turnhalle. Die offizielle Turnhallenweihe fand am 8. Januar 1956 statt. In den Jahren 1951 bis 1959 war die Turn- und Fechtgemeinde Eintracht Ausrichter aller internationalen Kunstturnbegegnungen des Deutschen Turnerbundes in der Frankfurter Festhalle. In den 60er Jahren erlebte der Verein einen Aufschwung, sowohl auf turnerischem als auch auf gesellschaftlichem Gebiet. Die sogenannte 1. Riege (Wettkampfriege) mit Turnern wie Karl Michel, Werner Becker und Horst Müller bei den Männern und Karin Gall, Doris Rügner, Karin Lehner und Lilo Palm bei den Frauen konnte viele Erfolge erzielen. Einer der besten Turner dieser Zeit war Karl Michel. Er wurde zum Vereinsturnlehrer ausgebildet und war ab 1963 der erste hauptamtliche Vereinsturnlehrer nach dem Krieg.
Im Jahre 1968 kam es auf eifriges Bestreben von Albert Zellekens zur Fusion von Turn- und Fechtgemeinde Eintracht und Sportgemeinde Eintracht (Fussball). Beide Teile mussten hier Zugeständnisse machen. So wurde z.B. die Leichtathletik-Abteilung der Turn- und Fechtgemeinde unter der erfolgreichen Leitung von Ferdinand Jung aufgelöst, da der Großverein eine selbstständige Abteilung für diesen Sport hatte. Aber die Zeit war reif für eine solche „große Koalition“, wie wir heute mit Bestimmtheit sagen können. Der Wunsch nach einem Frankfurter Großverein war damit in Erfüllung gegangen. Heute vereinigt die Eintracht Frankfurt 12 Sportarten mit über 5000 Mitgliedern in ihrem Verein, nämlich Fußball, Handball, Volleyball, Basketball, Eishockey, Tennis, Rugby, Hockey, Boxen, Leichtathletik, Tischtennis und Turnen. Die Turnabteilung, frühere Turn- und Fechtgemeinde, stellt heute mit über 1200 Mitgliedern die größte Abteilung.
Die recht erfolgreiche Fechtabteilung musste leider Anfang der 70er Jahre geschlossen werden. Die Fechter konnten in anderen Sportstätten unter günstigeren Bedingungen trainieren und somit zu größeren Erfolgen gelangen.
1975 wurde zum Andenken an unseren großen Turner Ernst Winter im 2. Stock des Vereinshauses Oeder Weg das Ernst-Winter-Kolleg eingeweiht. Im Zeichen der Frauen stand das Jahr 1979; Die Frauengymnastik der Turnabteilung feierte ihr 50jähriges Bestehen. Es war ein Fest, das die Frauenwartin Hilde Wachter mit viel Liebe und Mühe initiiert hatte. Die Frauen können damit zwar nicht mit der Turnchronik der Männer konkurrieren, aber sie waren im Kommen.
Zwei Feiern gab es 1981: Im Frühjahr feierten wir ein Dankeschön-Fest für Hermann Trimbur, der seit 1946 im Vorstand unseres Vereins arbeitete und von 1970 bis 1981 die Geschicke der Turnabteilung mit sicherer und fester Hand leitete. Darüber hinaus engagierte er sich 30 Jahre lang mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen bei der Einstudierung der Kinder-Weihnachtsmärchen. Im Herbst wurde die Turnhalle nach gründlicher Renovierung eingeweiht. Sie hatte nun endgültig ihr Nachkriegsgewand abgelegt. Einen Höhepunkt der 80er Jahre bildete das Deutsche Turnfest 1983 in Frankfurt, bei dem viele Mitglieder mobilisiert wurden. Die Turnabteilung stellet eine stattliche Zahl ehrenamtlicher Helfer und auch aktive Turnfestteilnehmer.
Wenn wir nun 1986 unser 125jähriges Jubiläum feiern, blicken wir voller Achtung und Ehrfurcht zurück auf die Vereinsgeschichte, auf die Männer und Frauen, die durch ihr verdienstvolles Wirken den Verein zu dem gemacht haben, was er heute ist. Wir wünschen unserer Turnabteilung, dass sie diese ehrenvolle Tradition im Sinne unserer Zeit und unseres Denkens weiterführt.
(Stand: 1986)


 

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Magazin Artikel

Lesen Sie hier den Artikel zum 150 Jährigen Vereinsjubiläum, der im Eintracht-Mitglieder Magazin erschienen ist

 

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