Ernst Winter

Ernst Winter - Der größte Turner, den Frankfurt je gehabt hat

Ernst Winter wurde geboren am 30. Oktober 1907 und im Jahre 1929 über den Rahmen seiner Vaterstadt hinaus bekannt, als er in einem Mannschaftskampf seiner „Frankfurter Turn- und Fechtgemeinde Eintracht“ gegen Göggingen bester Turner wurde und mit einer 20 am Reck den Sieg seiner Mannschaft krönte. Nun begann sein turnerischer Aufstieg.
Im Jahre 1930 wurde er als 23jähriger 1. Sieger bei dem Mittelrhein-Kreisturnfest in Hanau und im gleichen Jahr 1. Sieger bei den Deutschen Kampfspielen in Breslau. Er wurde dann in den Jahren 1931 bis 1935 viermal 2. Sieger bei den Deutschen Gerätemeisterschaften, dazwischen 2. Sieger beim Deutschen Turnfest in Stuttgart, was ihm den Namen „der ewige Zweite“ einbrachte aber gleichzeitig bestätigt, dass er der Beständigste unserer damaligen Kunstturner-Auslese war. Bei den Weltmeisterschaften in Budapest im Jahre 1934 war er als 10. Sieger der beste deutsche Vertreter und errang am Reck die Weltmeisterschaft.
Die Olympischen Spiele 1936 sollten die Krönung seiner turnerischen Laufbahn werden. Er hatte sich für diesen Wettkampf vorbereitet, wirklich hart trainiert. In den fünf Endausscheidungen für die Olympia-Mannschaft belegt Ernst fünfmal den 2. Platz, so dass man in ihm einen der aussichtsreichsten Wettkämpfer der deutschen Mannschaft sah. Bei einer letzten Vorbereitung in Lanz bei Lenzen zog er sich dann eine Verletzung im Schultergelenk zu und wusste schon vor dem Wettkampf, dass er sich nicht in die Spitze hineinturnen konnte. Es sei aber erwähnt, dass er trotzdem am Seitpferd die beste deutsche Kürübung mit 9,6 Punkten turnte.
Ernst Winter hatte neben einer überdurchschnittlichen Veranlagung das Glück, in seinem Verein hervorragende Turnlehrer und Vorbilder zu haben. Als Schüler unter Josef Lindner, als junger Zögling unter Martin Gebhardt und in seiner weiteren turnerischen Entwicklung mit Georg Pfeiffer hatte er Lehrer, die ihm die Grundlagen und die Begeisterung für das Geräteturnen vermittelten.
Mit ihm wuchs in der Frankfurter Turngemeinde Eintracht eine Schar junger Turner heran, die eine tüchtige Kampfmannschaft bildeten und sich zu einem Freundschaftsbund, der bekannten Jahnriege, vereinte.
Ernst Winter, ein Mensch mit allen liebenswerten Eigenschaften, war ein Turner mit einem persönlichen Mut der ihn befähigte, größte Schwierigkeiten zu wagen. Gleichzeitig hatte er künstlerisches Empfinden und ein feines, ästhetisches Gefühl, was ihn zum Typ des wirklichen Kunstturners machte. In uneigennütziger Weise vermittelte er auf dem Turnboden sein Können den Jüngeren und die Anhänglichkeit seiner Nachwuchsturner galt ihm mehr als ein persönlicher turnerischer Erfolg.
Kurz nach dem Krieg starb seine junge Frau Friedel noch in der Hoffnung , dass Ernst aus Russland heimkehren würde. Doch ein tückisches Fieber hatte ihn 1942 in einem Lager bei Stalingrad dahingerafft. Die zwei Kinder, ein Junge und ein Mädchen, befinden sich vorerst in der Obhut seiner hochbetagten Eltern.
Die Ernst-Winter-Riege der „Frankfurter Turn- und Fechtgemeinde Eintracht“ hat die Aufgabe übernommen, in seinem Sinne weiter zu arbeiten.
 
 
 

Ernst Winter

von Adolf Schiebener aus dem Jahre 1977
  
Irgendwann habe ich einmal in einer Erinnerung an Ernst Winter geschrieben, dass wir, insbesondere seine Freunde, ihn nie vergessen wollen. Jüngere Leute mögen  vielleicht noch nie von ihm gehört haben aber sie sollen wissen, was seine Freunde und unser Verein an Ernst Winter und seiner Familie verloren haben.
 
Ich will hier vorwiegend etwas über den Menschen Ernst Winter sagen, komme aber nicht daran vorbei, seine turnerischen Erfolge wenigstens aufzuzählen:
- er war der beste Kunstturner, den Frankfurt je gehabt hat
- war Sieger bei den Deutschen Kampfspielen 1930 in Breslau
- von 1931 bis 1935 viermal 2. Sieger bei den Deutschen Kunstturnmeisterschaften
- Weltmeister im Reck bei den Meisterschaften 1934 in Budapest, wo er als erster Turner eine Reck-Kürübung mit dem Doppelsalto abschloss
- Olympiasieger mit der Mannschaft bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin
Wegen einer kurz vor dem Wettkampf erlittenen Verletzung am Schultergelenk war er zwar nicht voll einsatzfähig, wurde aber am Seitpferd noch bester deutscher Turner mit 9,6 Punkten.
 
Ernst Winter war ein in jeder Beziehung liebenswerter Mensch. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass irgend jemand ihm nicht wohlgesonnen gewesen wäre. Viele Turnerinnen, nicht nur aus dem eigenen Verein, konnten ihn sogar sehr gut leiden, aber er heiratete seine Jugendliebe Friedel Burlein. Im Kriege hat sie sich um ihren Ernst sehr gesorgt. Die letzten Monate des Krieges verbracht sie mit den beiden Kindern in Lanzenhain im Vogelsberg, kehrte im Mai 1945 nach Frankfurt zurück und starb an einem Herzleiden in einem Frankfurter Krankenhaus. Das Schicksal von Ernst, der in der Hölle von Stalingrad starb, hat sie nicht mehr erfahren. Die beiden Kinder wurden von Ernst’ Schwester Gretel, die mit ihrem Mann Walter Jung in Amerika lebte, adoptiert.
Ernst Winter war nicht nur „der Kunstturner“, er kümmerte sich mit seinem Bruder Willi auch schon als junger Turner um die Belange des Vereins, war Vorturner und wurde schon frühzeitig in den Vorstand berufen. Als Mitglied der damaligen National- und Olympia-Riege war er deren Sprecher: Seine Meinung galt etwas, auch bei ihrem Leiter, dem Männerturnwart der deutschen Turnerschaft, Martin Schneider.
Ernst Winter war auch der erste aktive Turner in Deutschland, der sich mit einer Verbesserung und Entwicklung der Turngeräte, speziell für das Kunstturnen, befasste. Nach seinen Ideen wurde ein Reck und ein Barren entwickelt, die von der Turngerätefabrik Benz gebaut wurden. Der Krieg hat die Weiterentwicklung leider unterbrochen.
Zwei Gegebenheiten sollen hier noch erwähnt werden, die mir in besonderer Erinnerung geblieben sind. Ernst war ein großer Bewunderer und Freund der Artisten und er hatte stets viel Sympathie für Leute vom Zirkus. Gastierte ein solcher in Frankfurt, ging Ernst vormittags bestimmt einmal dorthin und beobachtete die Artisten bei ihren Proben. So kam es auch, dass eines Tages ein Artist, dessen Partner sich von ihm getrennt hatte, Ernst einen Vertrag anbot. Das war etwa im Jahre 1930. Ernst wollte aber ohne die Einwilligung seines Vaters den Vertrag nicht unterschreiben. So setzte er den alten Herrn Winter ins Benehmen. Es wurde natürlich nichts aus dem beabsichtigten Berufswechsel und Ernst musste weiter in der Spedition Wilhelm Winter arbeiten und konnte nur in seiner Freizeit turnen.
Eine andere Sache ereignete sich bei dem großen Empfang, der Ernst Winter nach seiner in Budapest errungenen Weltmeisterschaft im Frankfurter Palmengarten bereitet wurde. Im Verlauf der Veranstaltung kam Ernst, der an diesem Abend allen möglichen Prominenten vorgestellt wurde, zu uns an den Tisch und sagte: „Hört emal, der Ludwig Deckert  (das war der damalige Vorsitzende der Frankfurter Turngemeinde) hat mir ewe das ‚Du’ angebote. Menschenskind, ich kann doch net aafach ‚Du’ zu unserm Vorsitzende saache!“.
So war der bescheidene Ernst, 24 Jahre alt, Weltmeister und mit Hemmungen, seinen Vereinsvorsitzenden, den er seit Kindheit kannte, mit ‚Du’ anzureden. Es dauerte einige Zeit, bis er es doch getan hat.


 

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