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Zimmer holt WM-Bronze

Donnerstag, 21. September 2017, 12:44

Bei den Altersklassen-Weltmeisterschaften in Rotterdam am 17. September durfte auch Birgit Zimmer an den Start gehen und holte überraschend die Bronze-Medaille auf der Sprintdistanz.

Schon seit Wochen war ich nervös und habe mich sehr auf diesen Termin gefreut. Nach dem Vize-Europameistertitel in Düsseldorf im Juni lag die WM in Rotterdam für mich genial nah. Noch nicht mal eine Flugreise musste gebucht werden und ein Zimmer hatten wir schon Anfang des Jahres auf gut Glück reserviert.

Der Donnerstag vor der Abreise wurde dann noch ein richtig schwarzer Tag mit viel Stress und endete bei der letzten Schrauberei am Vorbau meines Triathlonrades mit einem kaputtgeschraubten Lenkkopflager. Super Gau! Ich war am Ende mit meinen Nerven.

Doch wozu hat man ein zweites Rennrad und einen Mann, der einem überzeugend einreden kann, wieviel besser das wendigere Rennrad für den kurvenreichen Drafting-Radkurs in Rotterdam geeignet ist. Und dass ich mich erinnern sollte, wie gut ich mich doch beim Radrennen am 1. Mai auf diesem Rad gefühlt habe! Recht hatte er!

So bin ich dann beruhigt am Freitag in das regnerische und kalte Rotterdam gestartet.

Danach habe ich dann wirklich zwei Tage gebraucht, um mich bei strömendem Regen und Kälte mit der Radstrecke vertraut zu machen und überhaupt die teilweise sehr enge Streckenführung insgesamt zu verstehen. Der Schwimmstart war an einer Seite des Rijnhavens, der Ausstieg gegenüber und Wechselzone zwei, Laufstrecke und Ziel noch mal woanders.

Da ich nicht einfach nur teilnehmen, sondern so weit wie möglich vorne mit dabei sein wollte, habe ich mich im Vorfeld mit den anderen 56 Teilnehmerinnen meiner Altersklasse vertraut gemacht. Google sei Dank. Realistischerweise habe ich mich auf Platz 5 bis 7 eingeordnet, aber da gerade bei einem Sprint so viel schiefgehen kann, habe ich das nur bei guten Freunden heraustrompetet. Ganz tief drinnen war dennoch der Traum vom Podium!

Meine Chance als gute Läuferin in meiner Altersklasse waren die sehr langen Laufwege der Wechselzonen. Da musste ich schnell sein! Also habe ich mir alle Laufwege und Handgriffe diesmal extrem gut eingeprägt, da musste einfach alles sitzen! Die zweite Chance war das erlaubte Drafting auf dem Rad. Da ich nicht zu den stärksten ‚Drückerinnen‘ gehöre, könnte ich eventuell mit etwas Glück aus der Startgruppe vorher die eine oder andere Radgruppe erwischen. Denn die schnellsten Schwimmerinnen aus meiner Gruppe, darunter zwei Weltmeisterinnen und eine Schwimmtrainerin, würden schon weg sein, wenn ich aufs Rad steige.

Meine Vereinskollegen Tim Adolphs und Uwe Hauke starteten schon am Sonntag morgen auf der olympischen Distanz. Extrem schade, dass ich da nicht zuschauen konnte, da ich in T1 und T2 einchecken musste. Und das hat gedauert! Mein Start sollte um 15.20 sein - was für ein langer Tag. Ich wollte nur noch, dass es endlich vorbei ist, die Nervosität war kaum noch auszuhalten!

Dennoch habe ich die besondere internationale Atmosphäre in der Stadt genossen. Weltmeisterschaften, geil!!! Ganz Rotterdam voll mit Sportlern, auf der Straße, in der U-Bahn, im Hotel und in den Restaurants. Alle möglichen Sprachen um einen herum und dennoch häufig kurzer Smalltalk und anerkennendes Nicken: Wir sind dabei! Was mir wieder besonders gefallen hat, waren der Teamgeist und der Spaß, den die Britinnen vor allem der älteren Jahrgänge verströmt haben. Ein paar Gesichter kannte ich schon aus Düsseldorf von der EM. Die machen daraus ein großes Happening und eine schöne Urlaubsreise mit fun. Und füllen dann mit ihren insgesamt etwa 670 Startern in allen Rennen gefühlt die Hälfte der Podiumsplätze. Very special!

Ja, und dann wurde es ernst. Ab meiner Altersklasse W55 mit 57 Athletinnen waren noch alle älteren Jahrgänge mit uns am Start, also insgesamt ungefähr 160 Frauen. Rein ins 16 Grad kalte Wasser, eine Hand an den Ponton, Startsirene, ab in die Waschmaschine. Prügelei war aber nicht zu befürchten, denn relativ weit vorne würde ich schon schwimmen. Und so kam ich gut weg und habe nach ca. 100 Metern ein bißchen im Wasserschatten schwimmen können. Das klappte leider nur bis knapp zur Hälfte, da musste ich abreißen lassen und habe dummerweise wegen der Wellen und meines Linksdralls noch einen Schlenker geschwommen…

Aus dem Wasser bin ich als siebte und dann ging die Aufholjagd los. Mit der drittschnellsten Wechselzeit bin ich auf’s Rad und habe Joyce, die Europameisterin, kurz vor mir gesehen. Puh, das war schon mal positiv. Beim Rausfahren kam mir in entgegengesetzter Richtung Rebecca aus den USA entgegen, die ich definitiv als Favoritin gesehen habe. Da muss wohl was schiefgelaufen sein. Egal, good for me, da waren’s nur noch fünf… Auf’s Rad gehüpft, schnell in die Schuhe gekommen und an Jochen vorbei: ‚Super Birgit, du hast nach hinten Luft!‘

Schon auf der ersten Brücke bin ich an zwei Mexikanerinnen aus der vorherigen Startgruppe in ihren wunderschönen geblümten Wettkampfanzügen herangefahren, denen ich gar nicht genug danken kann! Ich bin ein paar Kilometer zum ‚Ausruhen‘ in ihrem Windschatten geblieben, bevor ich nach 8k auch übernehmen konnte und wir dann schön kreiselnd auf Maxi aus den Niederlanden aufgefahren sind. Da waren wir zu viert und haben nur überholt. Ich war dann schon erstaunt, wie langsam einige aus der jüngeren Startgruppe unterwegs waren… Zwischendurch war sogar noch Zeit, den Kurs auf meinem wendigen Rad und in der Sonne zu genießen. Kein Regen, kein Platten, kein Sturz, keine überfüllte Strecke! Läuft!!

Und dann war da plötzlich Megan aus den USA, huch, die hatte ich ja gar nicht auf dem Schirm, kurze Panik! Hinterher habe ich gesehen, dass sie die schnellste Schwimmzeit gehabt hatte!  Wir haben dann schön zu fünft gekreiselt ‚Good job, Zimmer‘, hat sie mir noch zugerufen und schon waren wir wieder an der Erasmusbrücke. Sauber aus den Radschuhen raus  beim Wechsel und losgewetzt mit Megans ‚Go, Zimmer’ und Jochens ‚Du bist Vierte, die kriegst du!‘ im Ohr. Wow, das konnte ich zwar nicht ganz glauben, aber jetzt war ich so nah dran an meinem Traum, dass ich hier die schnellste Wechselzeit hingelegt habe. Zum ersten Mal in diesem Jahr gut in die Laufschuhe gekommen, yeah!

Wo dann die dritte Läuferin sein sollte, habe ich erst nicht gesehen. Doch nach knapp zwei Kilometern bin ich auf Joyce aufgelaufen und konnte es kaum fassen! Schwer keuchend bin ich dann erstmal einen guten Kilometer direkt hinter ihr geblieben, um mich zu sammeln. Doch ich hatte ja keine Ahnung, wer von hinten noch herangerollt kam. Also weiter und vorbei und schon Sternchen gesehen, als nach Kilometer 4 noch mal ein Schreckmoment kam. Ich wurde überholt und habe mich schon mit der legendären Holzmedaille angefreundet, als ich zu meiner übergroßen Erleichterung die Läuferin als jüngere AK identifizierte. Das hat mir noch mal Schwung gegeben! Bis zum Zieleinlauf wusste ich nicht, dass mir die zwei schnellsten Läuferinnen auf den Fersen waren. Anne aus Irland und Rebecca mit ihrem verpatzten Wechsel kamen nur einige Sekunden nach mir in’s Ziel, wo ich gerade den Sprecher gehört hatte "Third place Birgit Zimmer from Germany"!

Im Ziel standen Barbara und Penny aus Great Britain, die mit gemeinsamer schnellster Radzeit die verdienten Siegerinnen sind. Penny hatte ich unterschätzt, da sie schon am Ende der Altersklasse angekommen ist. Ebenso wie Weltmeisterin Barbara. Sie war für mich dennoch neben Rebecca die Favoritin. Da bin ich einfach nur beeindruckt!!! Sehr nette Glückwünsche bekam ich von Megan, die mich im nächsten Jahr zur WM nach Gold Coast in Australien erwartet… Nice try ;-)

Das Fazit: Mein wohl schnellster Triathlon-Laufsplit ever hat mich gerettet! Ich kann mein großes Glücksgefühl kaum beschreiben, die Bronzemedaille gewonnen zu haben. Bei der WM! Im Rahmen meiner Möglichkeiten habe ich auf den Punkt fast alles richtig gemacht und auch das nötige Quentchen Glück gehabt. Ich bin extrem glücklich und stolz, meine Chance auf das Podium umgesetzt zu haben. Denn schon 2018 rücken allein in Deutschland einige starke Triathletinnen in meine Altersklasse nach, da wäre dann wirklich eher Top 10 anzuvisieren.

Wenn ich gesund bleibe und das Feuer für diesen schönen Sport weiter brennt, werde ich ganz sicher in 5 Jahren noch mal dabei sein. Als begeisterte Sprinterin, die zwischen den ganzen Ironmännern und -frauen im Verein manchmal etwas alleine da steht, war Rotterdam eine unvergessliche  Erfahrung. Es gibt auf der Welt mehr als man denkt, die genauso ticken wie ich. Triathlon kurz, knackig, genial!

Die vollständigen Ergebnisse gibt es hier.

Von: Birgit Zimmer

 

 

 


 

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