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IRONMAN Weltmeisterschaft Hawaii - Rennbericht von Dirk

Montag, 04. November 2019, 15:47

Es regnet. Sehr. Meine Frau und ich gehen schlafen. Am 11. Oktober 2019 auf Big Island, Hawaii. Wir sind glücklich nach 2017 wieder hier sein zu können. Ich bin mehr als glücklich, mich nochmal qualifiziert zu haben. Im wunderschönen Wales. Meine Gedanken reisen kurz ins malerische Tenby mit den pastellfarbenen Häusern und der Qualifikation für Hawaii. „Meinste das hört nochmal auf?“ Meine Frau. Sie meint den Regen. Ja. Bestimmt. Und wenn nicht dann läuft die Sache eben im Regen.“ „ Hmm…“

Ich schlafe ein.

Und wache wieder auf. Es ist 2 Uhr, Mitten in der Nacht und es schüttet weiterhin. Ich bleibe ruhig. Warum, weiß ich gar nicht so genau. Denn der prasselnde Regen kann einen schon etwas unruhig machen. Jedenfalls schlafe ich ziemlich bald wieder ein. Der Wecker klingelt um 3:45 Uhr.

Raceday.

Und der Regen… hat fast aufgehört. Wahnsinn! Jetzt geht er also los, der Tag der Tage! Ich erledige alles ganz sicher und ein bisschen wie in Trance, packe meine Verpflegung ein, die ich gestern schon in den Kühlschrank gestellt habe, außerdem die Gels, die Startnummer und die ganzen Sachen.

Wir laufen los. Meine Frau Tina sagt immer, dass sie diesen Gang immer ganz besonders mag, er hat eine ganz eigene Stimmung für sie. Alle sind angespannt und sie findet, es liege was „heldenhaftes“ in der Luft. Ich bemerke davon auch diesmal wieder nichts, denn ich bin einfach fokussiert und konzentriere mich auf meine nächsten Schritte. Ich lasse mir die Startnummer beim Bodypainting aufkleben, esse eine Banane, mache mich ein bißchen warm. Und dann gehe ich los zur neuen Schwimmaufstellung der Altersklassen.

Das neue Startprocedere nimmt etwas Flair von den tollen Bildern eines Massenstarts. Aber das Rennen wurde dadurch definitiv fairer. Gruppenbildungen habe ich im Gegensatz zu 2017 nicht mehr so wahrgenommen.

Den Start der Profis schaue ich mir sogar noch auf der großen Leinwand an. Dann reihe ich mich ein in meinen Startblock. Gemeinsam geht es zum Dig Me Beach und man schwimmt zur Startlinie. Schon ertönt der Startschuss!

Ich schwimme los. Die Wellen sind diesmal recht ordentlich. Aber dieser Gedanke bringt einem jetzt hier nix, also versuche ich sie zu nehmen, wie sie sind, die Wellen und ich schwimme einfach weiter. Den Ho‘ala Swim vor einer Woche habe ich mit 1:11 Std. abgeschlossen und war eher unzufrieden. Es. Muss. Jetzt. Schneller. Gehen. Ich schwimme. Und bin irgendwann damit fertig. 1:09 Std. Okay für mich.

Ab aufs Rad.

Die ersten Kilometer durch Kona sind einfach schön. Viele Leute da. Das macht Spaß. Aber, verdammt… was ist da mit dem linken Radschuh los?

Er lässt sich nicht schließen…Immer wieder versuche ich den Verschluss zu zudrehen bis ich merkte, dass der Seilverschluss gerissen ist.

180 km mit offenem Schuh?

Ich bin resigniert und fühle eine Unlust auf die ganze Sache aufkommen. Und dann denke ich: Nein, dieser Schuh versaut mir nicht DIESES Rennen und ich fahre einfach weiter. Auf dem Highway dann: der Wind, also eigentlich gute Bedingungen für gute Radfahrer. Stopp. Meine Beine fühlen sich leider nicht richtig gut an. Offener Radschuh, schlechtes Gefühl in den Beinen. Und: ich musste mal. Verdammt. Büsche gibts keine. Dixies so gut wie nicht vorhanden. Ein Geröllabhang kurz vor Kona gibt mir schließlich etwas Privatsphäre, bevor das Radfahren endlich geschafft ist. Ich will hier nicht alles auf den Radschuh schieben, aber ich weiss, ich kann es besser. Ich ärgere mich nicht. Ich laufe. Und wünsche mir ein bißchen was vom Regen der Nacht zurück. Denn: es ist sehr heiß und ich habe das Gefühl, mir hält jemand dauerhaft einen heißen Fön ins Gesicht.

Nach den ersten Kilometern sehe ich meine Frau vor dem Lava Java und kann ihr erst mal mein Herz ausschütten ;)) Radschuh kaputt, ich musste mal… Sowas halt. :)

Ansonsten: Konstantes Tempo, Verpflegungsstellen gut genutzt und immer mit viel Eis gekühlt! Profis gesehen, mich für Jan Frodeno und Anne Haug gefreut und Stefan Kirchemajer, meinen Vereinskollegen von Eintracht Frankfurt Triathlon gesehen. Das sind so Momente, die tun gut, weil sie Dich etwas aus der Lethargie holen. Ich laufe das erste Mal mit Kappe, um das Eis reinzupacken. Und stelle fest: eine gute Entscheidung! Zwischendurch habe ich mich auf der Laufstrecke aber schon sehr quälen müssen. Die letzen Kilometer führen dann auch noch leider von der Palani Road nicht direkt ins Ziel, obwohl man schon den Zielsprecher hört. Nein, man muss noch mal mit einem Umweg durch Kona laufen. Wer hat sich das nur ausgedacht ;)

Vielleicht der, der weiß, dass Du dafür das Ziel noch mehr genießen kannst.

Wenn Du endlich angekommen bist. Ich klatsche meine Frau ab und genieße einfach. In meinem Kopf wuseln die Gedanken und das ganze ist einfach eine emotionale Kiste. So viel trainiert und so viel gedacht und gemacht - für diesen Moment! Und der ist einfach…… schön! Die nackten Zahlen: Gesamtzeit: 10:33:22 Std.; Schwimmen 1:09 Std., Radfahren 5:27 Std. und Laufen 3:48 Std.

Stefan hat in seinem Bericht richtig gute Worte gefunden zum Thema Doping in unserem Sport. Dem möchte ich mich gerne anschließen. Doper stinken. Immer. Und auch ich kann nicht verstehen, wie ehemalige Radprofis, die des Dopings überführt werden nun ihr Auffangbecken bei Ironman-Rennen finden. Damit kann ich mich nur schwer abfinden. Und das einzige, was da wohl bleibt, wäre einfach nicht mitzumachen. Dennoch überwiegt für mich noch mein eigenes Gefühl zu meinen ganz persönlichen Momenten und Grenzerfahrungen. Ja. Ich würde doch noch mal starten wollen auf Hawaii. Kommerz hin, oder (Ex-) Doper her. Aber bitte, bitte: ohne gerissenen Radschuh.

Mahalo, Dirk

Fotos: Frank Hau, Tina Löwer (Check-In Bike)

Von: Dirk Löwer

 

 

 


 

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