Aktuelles vom Triathlon

2018 - was ein Jahr ...

Montag, 22. Oktober 2018, 15:44

Hawaii - kurz vor Kailua-Kona

Mein erstes Jahr in der Masterliga (AK 50) gipfelt bei der Ironman Weltmeisterschaft auf Hawaii.

Jetzt sitze ich im Flieger nach Kona und habe mal Zeit meinen Bericht über meinen Weg hin zum IM-Frankfurt zu schreiben, bis jetzt gab es einfach keine Atempause nach dem Zieleinlauf - bis auf kleinste Posts auf Facebook.

Das Jahr beginnt mit dem Jubiläum - 10 Jahre Triathlon bei der Eintracht Frankfurt e.V.  - ja es ist tatsächlich 10 Jahre her, dass wir die Abteilung bei der Eintracht am 1. Januar 2008 mit gut 160 Mitgliedern gegründet haben. Aber von vorne - Anfang 2004 lese ich, dass sich Gelenke und Sehnen viel langsamer entwickeln als Muskeln und Herz-Kreislaufsystem, so dass ich nach erfolglosen 20 Jahren Laufen lernen einen neuen Ansatz versuche: 6 Monate jeden zweiten Tag 30 Minuten mit 60% vom HF/Max. Bis dahin hatte ich seitdem ich 16 war immer wieder nach drei bis vier Monaten Lauftraining starke Knieschmerzen. Und wie sich zeigte, war der neue Ansatz zwar schwer - immer nur 30 Minuten quasi ohne wirkliche Belastung - aber erfolgreich.

So dass mir, bei meiner ersten Leistungsdiagnostik im Sommer 2004, ein Frankfurt Marathon von unter 4h Stunden prognostiziert wurde. Also trainierte ich ab da an fleißig nach Manfred Steffnys Plänen - natürlich ohne Verein, da ich seit dem Kinderturnen, zwei Trainings beim Schwimmen (die wollten mich nicht) und einer ganz kurzen Episode beim Volleyball, nichts mehr mit Vereinen am Hut hatte. Und siehe da - auf der Grundlage der Leistungsdiagnostik und den Steffny Plänen konnte ich meinen ersten Marathon (auch mein erster Wettkampf überhaupt) mit knapp unter 4 Stunden finishen. Eigentlich wollte ich ja nur dieses eine Ziel: „einmal im Leben einen Marathon zu Laufens - wenn’s geht unter 4h“ erreichen. Aber nachdem das so gut lief dachte ich mir, das geht auch schnelle. Eigentlich wären ja 3:30 auch drin gewesen und ein Jahr bis Frankfurt warten war auch zu lang - also habe ich mich für den Freiburg Marathon im Frühjahr angemeldet. Zur Vorbereitung ging ich - als Perfektionist - natürlich wieder zur Laktat-Leistungsdiagnostik, da Effizient bei mir an oberster Stelle steht. Vor Ort bei der Diagnostik frage ich dann eher beiläufig und auch noch ohne feste Absichten nach wieviel man eigentlich für einen Ironman trainieren müsse, da ja der Marathon geschafft war und ich seit 1978, als ich als 10jähriger in Fernsehen was über den Ironman auf Hawaii gesehen hatte. Die Antwort: zwei Jahre 10 Stunden die Woche - was ich ja in Hochtrainingsphasen vor dem Marathon schon kannte - entfachte in mir den Wunsch: das willst du auch mal schaffen.

Also den nächsten Marathon in Freiburg dann schon in irgendwas um 3:40 gelaufen und der Empfehlung vom Diagnostiker gefolgt und zu Zweirad Böttgen gegangen und mir ein Rennrad mit Auflieger gekauft. Beim Abholen habe ich dann noch gefragt wie ich jetzt am besten trainieren könne - ob sie vielleicht so ein Buch wie von Steffny empfehlen könnten - doch Ihr Rat war eindeutig: „geh in einen Verein“ und der in nächster Nähe war der PSV-Blau Gelb, bei dem ich dann im Frühjahr 2005 das ca. 100. Mitglied wurde und mit 36 Jahren auch fast das jüngste. Es folgten 2005 meine ersten Triathlons: Darmstadt Bürgerpark - Sprintdistanz; Waldeck - Olympisch und Hückeswagen - Mitteldistanz und jedes Mal ging ich mit der realen Angst an den Start „hoffentlich schaffe ich dass“.

Aber es ging immer gut, so dass ich mich im Sommer 2005 für meinen ersten Ironman in Frankfurt 2006 angemeldet habe. Penibel wie ich bei allen Dingen bin die mir wichtig sind, trainierte ich also dann, dass Jahr vor dem Ironman im Schnitt 10 Stunden - damals noch mit deutlich stärkerer Betonung meiner damaligen Angst-Disziplin - dem Schwimmen: Und so wurde vom Nichtschwimmer ein ganz passabler Schwimmer. Ich weiß noch, wie ich im Frühjahr 2005 die 25 Meter im Hausener Freibad nicht durchkraulen konnte und mich nach der Hälfte am Beckenrand festkrallte - oder ich in Waldeck im selben Jahr nach zweihundert Metern fast wieder zurückgeschwommen wäre. Aber ich war standhaft und bin zwei Jahr dreimal die Woche ins PSV-Schwimmtraining gegangen.

Das war also mein Einstieg in den Triathlon und in einen Verein, und wie ging’s weiter: 2006-IM-Frankfurt überglücklich mit 11:15 gefinisht - und wieder ein Lebensziel abgehakt - eigentlich das letzte - dachte ich.

2007 trat dann der PSV-Triathlon-Abteilungsleiter zurück und es gab Neuwahlen - bei ich mich - von einigen Mitglieder gedrängt - auch zur Wahl stellte.  Es seien ja nur 5 Stunden im Monat Ehrenamt. Und da mein Wahlversprechen: „die Abteilungsressourcen nach dem Verhältnis der Mitglieder zu verteilen“ anscheinend den Mitgliedern besser gefiel als der bisherige „Leistungsorientierte Ansatz“ wurde ich im April 2007 zum Abteilungsleiter gewählt. Da der PSV zu dem Zeitpunkt sehr stürmische Zeiten durchlief und der Fortbestand nicht sicher war, schauten wir uns nach einem sicheren Hafen für unser Abteilung um. Für uns zum großen Erstaunen hatte die Eintracht Frankfurt e.V. großes Interesse, so dass wir zum 1. Januar 2008 mit gut 160 Mitgliedern, den PSV-Schwimmbahnen und Liga-Mannschaftsrechten zur Eintracht Frankfurt e.V. wechselten und die 16. Abteilung - damals 2. Kleinste Abteilung - bei der Eintracht wurden. Von da an wuchsen wir pro Jahr - es kamen ca. 160 Neue dazu und kündigten 10% - so dass wir heute mit über 1.150 Mitgliedern die drittgrößte Abteilung der Eintracht (nach Turnen und Fußball) und der größte Triathlon-Verein Deutschlands sind.

Zurück zum eigentlichen Bericht: nach meinem ersten IM stellte ich fest, dass ich auch ohne Langstrecke genauso viel trainiere wie mit - dann konnte ich mich doch auch für 2008 anmelden. Aufgrund des höheren Trainingsalters und der mittlerweile auf 12h die Woche angestiegenen Trainings finishte ich mit 9:57 zum ersten Mal unter 10:00 - wieder ein Haken auf der Liste. Jetzt ging es auf die Suche neuer Herausforderungen - und die kamen schneller als gedacht - als José und Maike auf die coole Idee kamen im nächsten Jahr beim Embrunman zu starten (Schwimmen 3,8km, Rad 185km mit 5.000hm und 42km Laufen mit 400hm) und zur Vorbereitung könnte man ja noch das Trans-Alp-MTB-Rennen machen. Das stand damals auf der Liste der härtesten MTB-Rennen der Welt zu sein. Da ich ja lieber das Leben in der Komfort-Zone genieße startete ich mit Maike im Mixed-Team unter dem Motto „No Risk more fun“ :-) und wir landeten im Mittelfeld. Beide Rennen verliefen also erfolgreich - jedoch mit unterschiedlichen Schlussfolgerungen: Embrun auf jeden Fall wieder - tolle Landschaft - tolle Athleten - sehr günstig. Dazu im Gegensatz: Nie wieder MTB-Trans-Alp - zu gefährlich!

Es folgen 2010 ein Ironman Frankfurt - mit verletzungsbedingtem schlechten Laufen 10:29 AK-Platz 81 - den ich dann 2011 natürlich wieder ausgleichen musste - dummerweise bei unter 10 Grad und Dauerregen - jedoch mit meiner Bestzeit von 9:50. Das reichte eigentlich mit Langdistanz - dachte ich.

Dann kam Peter auf die super coole Idee 2013 das RAAM (Race Across America) als 4er Staffel zu fahren - gesagt - geplant - und ein Jahr lang 16 Stunden Rad die Woche trainiert - und mit Peter, Frank und José das Rennen gewonnen. Die 16 Stunden Rad-Training blieben nicht ohne private Folgen - Claudias dringender Wunsch an mich, als Sie mich in Amerika abholte: So das war jetzt gut - aber nächstes Mal machst Du wieder was Normales - einen Ironman.

Verletzungsbedingt (Innenmeniskusanriss) musste ich ab Herbst 2013 mit dem Laufen aussetzen. Ich hatte mich schon damit abgefunden keine Marathons mehr zu laufen - dachte mir ja auch - eigentlich hast Du ja auch wirklich alles gemacht was so auf der Liste stand. Nach einem Jahr Laufpause waren jedoch sämtliche Beschwerden verschwunden, so dass ich in Absprache mit Sebastian von iQ-Athletik wieder mit kurzen 5 km Läufen im Winter 2014 startete und diese bis zum März auf 21km steigern konnte, sodass ich mich doch wieder für 2015 IM-Frankfurt anmeldete. Diesmal wurde es jedoch kein Kälte-Rennen wie 2011, sondern eine echte Hitzeschlacht bei gut 40 Grad im Schatten. Aufgrund falscher Kühltaktik ging ich dann auch gnadenlos beim Laufen ein. Den Anderen meiner Altersklasse erging es jedoch noch schlechter, sodass ich trotz mit fast einer Stunde (10:43:18 AK Platz 45) längerer Wettkampfzeit 7 Plätze nach vorne auf Platz 45 landete.

Diesen Fehler konnte ich nicht so stehen lassen, so dass ich im Sommer 2016 den Entschluss fasste beim Ironman Frankfurt 2018 zu starten und wenn möglich die Quali in der neuen Altersklasse zu schaffen.  Aus meiner Sicht theoretisch ein realistisches Ziel da ich bisher in jedem Jahr sowohl ausdauernder aber auch immer noch schneller wurde. So war mein Plan 2017 eher kraftorientiert bzw. geschwindigkeitsorientiert zu trainieren und bei kurzen Wettkämpfen zu starten und dann ab Herbst 2017 gezielt das Langdistanz-Training darauf aufzubauen. Gesagt getan - mit guten Erfolgen bei Liga-Starts, Moret Triathlon (3. AK) und City-Triathlon (3. AK).

Das böse Erwachen bei der Lauf-Leistungsdiagnostik im Winter 2017 war dann aber umso erschreckender - nachdem ich im City-Triathlon die 10km unter 40:00 Minuten gelaufen war fingen meine GA 1 Läufe nun im 5:45 er Schnitt an - so langsam war ich seit 10 Jahren nicht mehr gelaufen. Als ordentlicher Perfektionist folgte ich brav Sebastians Anweisungen - mit Erfolg - so dass ich bei der Mitteldistanz 10 Minuten schneller als im Vorjahr und mit 1:36 beim Halbmarathon und dem 2. AK Platz sehr zufrieden war. Das ich trotz meiner fast ausschließlich um den 5er Schnitt praktizierten Trainings beim City-Triathlon erneut unter 40 Minuten Laufen konnte und den Altersklassensieg erreichte bestätigt meinen Komfortzonen Ansatz - langsam macht schnell.

DER IRONMAN Frankfurt 2018:
Die Kurzfassung - fast alle Ziele erreicht:

1. den inneren Schweinehund überwunden und die Komfortzone verlassen - auf den letzten 15 km der Laufstrecke
2. keine groben Fehler überpaced auf den ersten 60 km beim Überholen
3. mein schnellstes Rennen umgerechnet auf 180 km wären es 9:47:59
4. schneller als Max
5. Hawaii-Qualifikation - mit dem 6. AK Platz sichere Quali bei 10
6. 
Langsam macht schnell - ohne Erhöhung der Volumen

Das Vorbereitungsjahr verlief wirklich fast perfekt - eine kurze Erkältung direkt vor dem Trainingslager konnte ich als Ruhewoche nutzen - ansonsten keinerlei Krankheiten oder Verletzungen trotz 16 Stunden Training im Durchschnitt vom 1. Januar bis zum 7. Juli 2018.

Und schon war der 8. Juli da - wie immer 3:15 aufstehen und leckes Rosinenbrot und eine Banane essen, dann gemütlich zu einem unserer drei Eintracht Abfahrtsorten und um 4:15 Abfahrt Richtung Waldsee. Und schon wie letztes Jahr ein nicht nur für uns beeindruckendes Bild, wenn unsere drei schönen Tria-Busse vorfahren und 24 angehende Ironmänner und -frauen aussteigen - ich bin so richtig stolz auf das was wir hier in den letzten Jahren geschaffen haben, dass mir eine Gänsehaut über den Körper fährt! Beim Einrichten der Wechsel Zone dann eine kleine Panik-Attacke - Meine schöne Zipp-Scheibe lässt sich nicht aufpumpen - ich habe extra meine eigene Pumpe und meinen Ventilaufsatz dabei - aber bei jeden Aufsetzen den Ventils wird es schlimmer - meine Beunruhigung breitet sich langsam um mich herum aus - ich bin ja zum Glück von 70 EintrachtlerInnen umgeben - da wir als Gegenleistung für unsere Helfereinsätze vom Ironman-Veranstalter als einer der Gegenleistungen ein Spezial-Racking direkt am Ausgang der Wechselzone 1 haben. Aber auch die ganzen guten Ratschläge und weiteren Pumpen helfen nichts - mein Reifen hält keine Luft - kurzes Überlegen - Ventil kaputt - kann nicht sein - der Reifen war ja noch ganz als ich ankam - damit war auch ein Platzer ausgeschlossen. Jetzt kam Max als letzte Rettungsmöglichkeit mit seinem Equipment - Pumpe und Ventil-Aufsatz - der gerade funktioniert hatte - und siehe da ich konnte meine gewünschten 7,5 Bar aufpumpen und nass geschwitzt das Rad zu ende einrichten.

6:15 wurde die Wechselzone 1 geschlossen und Max und ich konnten in unseren schicken rakentenschnellen Eintracht Neos Richtung Rolling Start gehen.

Max wollte knapp unter einer Stunde und ich eine Stunde schwimmen also ordneten wir uns im hinteren Mittelfeld der sub 1h Starter ein, was sich für mich jedoch schon auf den ersten 1.000 Metern als klassischer Fehler zeigte, da ich bis dahin immer wieder Brustschwimmer aufgeschwommen habe die mich mit Ihren Füßen unsanft begrüßten. Also nächste Mal - wie alle Anderen - einfach weiter nach vorne.

Nach 1:02:21 verließ ich dann als 23. meiner Altersklasse (293 TN) das Wasser. War ein wenig langsamer als geplant, aber ok dachte ich. Also rauf zum Rad und locker mit 200 bis 210 Watt die 185 km fahren dachte ich. Aber leider nur ein guter Plan da sich auf der Strecke einfach zu schnell Gruppen bilden und meinen guten Vorsätzen zum Trotz konnte ich mich nicht einfach mit 12 Meter Abstand dahinter hängen - sondern irgendwas zwang mich diese RTF Lutscher-Gruppen zu überholen. Ein Fehler wie sich später herausstellte - was ich in dem Augenblick auch wusste. Aber egal - so nicht mit mir - also fuhr ich immer wieder Überholaktionen mit deutlich über 300 Watt. Zu meiner großen Freude waren die Penalty Stationen voll!

Ab KM 60 machte ich mir dann langsam Gedanken wann ich mich eigentlich von diesen Attacken erholen sollte - meine Beine spürte ich schon deutlich - völlig anders als ich es von meinem geliebten Komfortbereich kannte - eher von Olympischen und Sprint-Distanzen. Zu meiner Rettung hörten jetzt aber auch die Gruppen erst einmal auf, so dass ich wieder mein Tempo fahren konnte. Deutlich wurde mein hohes Tempo, als ich bereits kurz vor Friedberg Max überholte - unsere Überlegung im Vorfeld war eigentlich, dass ich ihn erst am Hartbreak Hill einholen wollte... aber so ist es halt manchmal.

Also ab Friedberg lief dann wirklich alles wie geplant und ich konnte die anderthalb Runden mein Tempo fast alleine fahren. Die Belohnung kam dann in Wechselzone 2 - ich hatte mir diese am Samstag bereits eingeprägt, mir überlegt wo ich wohl mein Rad abstellen würde und hatte mit der ersten Reihe von links mit dem hinteren Drittel gerechnet. Als ich barfuß vom Rad sprang wurde ich auch direkt auf die linke Spur gelenkt und rannte mit dem Rad los - und rannte und rannte - ich dachte die hört ja gar nicht mehr auf und es ist ja auch noch niemand da - wie sich später rausstellte war ich zu der Zeit an Platz 62 gesamt mit einem Radsplit von 5:05:35 = 36,4 km/h. Als Claudia mir am Ende der Wechselzone zurief, dass ich auf Platz 2 der Altersklasse läge, habe ich es einfach nicht geglaubt - das konnte doch nicht sein. Also lief ich los und versuchte nicht zu schnell zu laufen. Es lief einfach nur super - der Puls stimmte und ich flog wie von selbst. Den Halbmarathon in 1:41 war genau mein Plan - alles war ok - meine Eigenverpflegung lief super, auch das Nachbefüllen bei den Special Needs ging sogar ohne stopp- so hätte es weiter gehen können. Ja leider der Konjunktiv - die Überholaktionen der ersten 60km auf dem Rad rächten sich. Ab km 25 meldeten sich die Beine und das war dann das Ende der Komfortzone. Aber ich hatte ja ein Ziel - die Quali. Zu dem Zeitpunkt lag ich noch auf Platz 4 - was ja bei 11 Plätzen eine sichere Bank ist. Also war ab da an die Devise - wieviel Zeit habe ich noch Abstand zu Platz 11. Und es wurde eine harte Runde. Mein Lächeln verschwand und ich musste beißen um mein Tempo nicht noch weiter als 5:15 sinken zu lassen. Zwei AK 50 Athleten musste ich passieren lassen - war ja auch kein Problem - hatte ich ja noch über 15 Minuten zu Platz 11. So zogen sich die Kilometer bis 35. Dann war das Ziel bereits in Sicht und ich freute mich nur noch darauf. Freudestrahlend konnte ich als 6. nach 3:40:18 und einer Gesamtzeit von 9:55:08 finishen und hatte meine Qualifikation für die WM sicher in der Tasche.

Ich war überglücklich - aber auch echt erschöpft - so dass ich die Treppe im später besuchten Restaurant tatsächlich rückwärts runter gehen musste.

In der auf den Wettkampf folgenden Woche wurde dann alles für unseren Monat Hawaii geplant und gebucht - für mich stand immer fest - ich fahre nur nach Hawaii zur Weltmeisterscahf wenn ich (und Claudia) die Zeit und das Geld für einen Monat hätten - auch hier war es ein perfektes Jahr - es passte einfach alles.

Dass eine zweite Langdistanz auch Training bedeutete, war mir da noch nicht so in aller Konsequenz deutlich. Aber mein Hauptziel war ja die Hawaii Teilnahme und nicht eine Platzierung. Also machte ich erst einmal eine Woche komplett sportfrei und dann einen langsamen zweiwöchigen Einstieg - so dass ich anschließend noch zwei dreiwöchige Belastungswochen durchführen konnte.

Am Ende konnte ich vor der WM wieder im Schnitt 16 Stunden trainieren (2h Schwimmen - 4h Laufen 9h Radfahren). Aufgrund des Feiertags flogen Claudia und ich dann am 3. Oktober nach Kona in unsere Ferienwohnung am Ende des Ali Drives. Donnerstags dann der erste 10km Lauf auf der Wettkampfstrecke - ein wirklich gutes Gefühl, wenn auch der Puls - Jetlag bedingt - noch hoch war. Am Freitag dann mein erstes Schwimmen auf der Wettkampfstrecke - 4km in 1:16 mit einem 116 Durchschnittspuls. Ich war total begeistert von meinem ersten Schwimmen im offenen Meer. Die Wellen störten gar nicht und beim Schwimmen bunte Fische und sogar eine Schildkröte unter mir gesehen, war toll. Mittags noch eine kleine Radrunde und Lauf Koppeleinheit und lecker Essen.

Dann kam der verhängnisvolle Samstag - erst um 7:00 Uhr beim Schwimmwettkampf auf der IM Strecke den Start geschaut und dann noch schnell einen Kaffee geholt als Verpflegung um die Insel im Cabrio zu erkunden - es war ja Ruhetag. Voller Freude über meinen Kaffee sprang ich also den Bordstein Richtung Cabrio herunter, blieb mit dem rechten Fuß an der Reifenbegrenzung des Parkplatzes hängen und prallte mit voller Wucht auf mein rechtes Knie und den rechten Ellenbogen um mich anschließend über den Rücken abzurollen - was dort zu Löchern im Shirt, Knie, Hüfte und Ellenbogen führte. Mein erster Gedanke - das wars! Das Knie schmerzte wie Hölle, wobei die Schürfwunde noch nicht zu spüren war. Also desinfiziert und verbunden - und weiter im Cabrio.

Später stellte sich dann raus, dass es eine schwere Prellung war, so dass ich bis Donnerstag wirklich nicht an Laufen im Wettkampf denken konnte. Aber wir haben das Beste draus gemacht und die ganze Insel erkundet - hatte ja zwangssportfrei. Mein neuer Plan war nicht, einen schönen Wettkampf mit einer guten Laufzeit zu haben, sondern - FINISHEN - zur Not in 17 Stunden. Freitags war ich dann ganz kurz 200m Schwimmen - zum Glück schmerzfrei. Die Wunden waren grob verheilt, Radfahren ging ganz ok - nur an Laufen war nicht wirklich dran zu denken, da schon das Anwinkeln des Knies schmerzte. Uwe Weigert unterstütze auch meine Gedanken - testen macht keinen Sinn - entweder klappt’s oder ich muss gehen. Das Wichtigste war für mich, ich will meine Gesundheit nicht aufs Spiel setzen. Da versicherte mir aber Julia (Physiotherapeutin) die Frau von Uwe, dass ich mir keine bleibenden Schäden zufügen kann, wenn das Radfahren schon wieder klappt und ich beim Laufen keine intensiven Schmerzen habe.

Ironman Worldchampionship 2018 Kailua-Kona Hawaii

So kam dann der 13. Oktober - wie in Frankfurt gab´s wieder Rosinenbrot und eine Banane - diesmal hieß es aber - vor allem beim Schwimmen von den Tritten fernbleiben, damit die Wunde nicht wieder aufgeht und anfängt zu bluten.

Also habe ich mich recht weit außen positioniert in 10er Reihe ungefähr - dann auch schon der Böller und es geht los - Weltmeisterschaft und ich bin dabei - einfach nur cool - also hänge ich mich an einen Schwimmer meines Geschwindigkeitswunsches und kann völlig störungsfrei in 27 Minuten die ersten 1.900 Meter meistern - und bin begeistert.

An den beiden Bojen wird’s enger und ich verliere meinen Vorschwimmer, so dass ich mehr oder weniger alleine zurückschwimme.

Aber auch der Rückweg ist, abgesehen von einigen Querschwimmern, sehr gut gelaufen so dass ich nach 1:08 glücklich und unverletzt in die Wechselzone komme und schnell mit meinem schönen 10 Jahre alten Transition losbrausen kann.

Das Radfahren lief dann auch gut an. Ich spürte mein Knie gar nicht - nur der Ellenbogen schmerzte genau auf dem Auflieger - aber was soll’s - was nicht tötet, härtet ab. Die Radstrecke ist einfach schön und in meinem Umfeld war es ok mit dem Drafting. Spektakulär waren auch die Verpflegungsstellen bzw. die begeisterten Helfer. Da ich auf meinem alten Rad kein Refill System anbringen konnte, hatte ich also nur einen Flaschen mit meinem GEL und eine Zweite zum Wechseln. Aber meine Sorge über die Getränkeversorgung erwies sich als unbegründet. Erstens wurden wir ca. alle 20 Minuten verpflegt (beim 35er Schnitt), zweitens waren die Helfer wirklich perfekt in der Übergabe der Flaschen. Erschreckende Bilder zeigten sich dann erst auf der Anfahrt nach Hawi. Dort kamen dann die Kolonnen von Radfahrern im Pulk entgegen.

Es war ein wirklich unfassbarer Anblick und ich war nur froh, dass es mir ja eigentlich total egal sein könnte was diese Selbstbetrüger dort veranstalteten. Von diesen 50er Pulks kamen mindesten 5 entgegen und ich machte mir schon Sorgen ob es mir auch so ergehen würde. Ich wollte nicht ausgerechnet bei der WM meine erste Regelvergehen bzw. Zeitstrafe bekommen. Aber bei meiner langsamen Schwimmzeit war ich aus dem Gefahrengebiet anscheinend raus. So konnte ich auch die Rückfahrt genießen.

Je näher wir Kona kamen, desto größer wurden aber auch meine Sorgen wegen des verletzten Knies. Bereits währen der Radfahrt meldete sich bei jeder Belastung jenseits der 250 Watt mein Knie... und so rollte ich sorgenvoll nach 5:11:36 in die Wechselzone sprang in die Laufschuhe und behielt direkt das Kühlende Handtuch das mir ein freundlicher Helfer über Schulter legte beim Start. Und das Knie hielt. Zumindest auf den Geraden. Nach zweihundert Meter kommt dann der erste kleine Stich die Palani Road hoch - und auch leider der erste Stich ins Knie - was mich sofort veranlasste zu Gehen.  Ich dachte nur - war bestimmt nur die Steigung - und so war es dann auch.

Die anschließende Strecke ging erst einmal schmerzfrei waagerecht und auch die nächste Strecke bergab ging gut. Da stand auch Claudia in der Kurve und - was auch ein Vorteil ist am Ziel „Finishen“ - ich hatte zu ihrer Überraschung Zeit für einen Begrüßungskuss. Der Rest ist schnell erzählt - das Laufen war diesmal - im Gegensatz zu 2015 mit der Hitze gar kein Problem. Auch wenn die letzten 30 Km in der sengenden Sonne auf dem schwarzen Asphalt des Highways bzw. des Energy Labs verliefen - die neue Kühlungstaktik mit langen Armen und einem Hut mit Nackenschutz waren perfekt. Leider zwickte das Knie jedoch bei jeder stärkeren Belastung. Schon nachdem ich aus der Stadt raus war rechnete ich mir aus, dass ich nicht mehr nur ans Finishen dachte, sondern mir ein neues Ziel setzte „Daylightfinisher“.

Also musste ich vor 18:08 min Ziel sein - also 11:03 - oder zu dem Zeitpunkt - einfach einen 5:45 Schnitt halten. So hangelte ich mich von Verpflegungsstation zu Verpflegungsstation, immer in der Sorge, ob mein Knie halten würde. Aber es hielt. Ab der Palani-Road ging es dann nur noch bergab - was meinem Knie und meiner Kondition nur guttat. Der Einlauf auf dem Ali Drive dem Sonnenuntergang entgegen war dann einfach nur perfekt. Ich war so erleichtert und überglücklich, dass trotz des Unfalls alles noch so super lief - einfach unfassbar und auch dieser extra für mich knall orangene Himmel - besser gehts nicht. Ich hätte wirklich nicht früher einlaufen dürfen - unbeschreiblich. Auch die tosende Menge in diesem engen Ziel Kanal - unbeschreiblich.

Hier gibt es ein kleines Video vom Zielkanal

Im Ziel dann noch Jerry (ein Nikolaus-Duathlon-Starter aus den Niederlanden) und seine Frau als Catcher und Gratulation von Pascal - ist schon fast wie zu Hause. Ja und nun - leider tut das Knie immer noch weh - aber es wird langsam besser.

Und was denke ich vom Wettkampf: Es war ein wirklich phänomenales Erlebnis und allen UnterstützerInnen 1.000 Dank - Eure aufbauenden Worte in der Woche vor dem Wettkampf haben mich zum aber auch durch den Wettkampf getragen. Eintracht Frankfurt e.V. Triathlon Abteilung - Ihr seid die Besten und ich bin froh und stolz ein Teil davon zu sein.  Vielen Dank auch an Sebastian von iQ-Athletik und Zweirad-Stenger für das Super Fahrrad, das auch nach 10 Jahren einfach spitze ist. Und natürlich auch an den Frankfurter Laufshop für die gute Laufschuhberatung - und den größten Dank natürlich an Claudia die all das mitmacht - das ist einfach unglaublich. Du bist die Beste der Besten der Besten - ich liebe Dich!

Zum Schluss das Wichtigste - es sind noch knapp 900 Euro offen bei meiner Spenden-Aktion - vielen Dank an alle die bereits gespendet haben und ein Aufruf an alle die diese noch tun - es gibt auch Spendenquittungen und es sind auch Spenden ab 10€ mögliche - PayPal geht auch

Zur Spenden-Charity: Eintracht Frankfurt Triathlon-Abteilunghilft Burundi

Aloha
wir sehen uns im November beim Crosser fahren

 

Georg 

 

Von: Georg Heckens

 

 

 


 

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