Chronik

 

Gründung und erste Erfolge


Nach dem 1. Weltkrieg wird das Handballspiel in das Programm des 1917 gegründeten Deutschen Reichsauschuss für Leibesübungen (DRA) aufgenommen. Da es noch keinen reichsweiten Fachverband gibt, tragen die rivalisierenden Turn- und Sportverbände der Weimarer Republik - Deutsche Turnerschaft, Deutsche Sportbehörde für Leichtathletik, Handball und Sommerspiele, Arbeiter- Turn- und Sportbund, konfessionelle Sportverbände - bis 1928 Meisterschaftsspiele nach unterschiedlichen Regeln aus. Die 1921 bei der Eintracht gegründete Handballabteilung feiert 1923 ihren ersten Erfolg, als die Frauen beim XII. Deutschen Turnfest in München Deutscher Meister in der DT werden. Zwei Jahre später erreichen die Eintrachtlerinnen erneu das Finale, unterliegen aber der Turngemeinde in Berlin mit 1:3. Der Vereinszeitung ist zu entnehmen, dass dies die erste Niederlage seit drei Jahren war.

 

Infolge der von oben verordneten „reinlichen Scheidung“ zwischen Turnen und Sport bleiben die Handballer bei der Turn- und Fechtgemeinde Eintracht. In der 1929 erschienenen Jubiläumsschrift „30 Jahre Frankfurter Sportgemeinde Eintracht“ findet Handball jedenfalls keine Erwähnung. Erst 1930 wird auch bei der Sportgemeinde Eintracht von Adolf Zimmer eine Handballabteilung gegründet.

 

Frauen Abonnementmeister, Männer-Spektakel in der Halle

 

Die Frauen werden zwischen 1930 und 1933 viermal in Folge Süddeutscher Meister. In der Mannschaft spielt auch Tilly Fleischer, die 1936 Olympiasiegerin im Speerwerfen wird. Während die Frauen von Wilma Oßwald betreut werden, leitet ihr Mann, der erfolgreiche Fußballtrainer Paul Oßwald, auch das Handball-Training der Männer. Diesen gelingt 1934 auf dem Feld der Aufstieg in die oberste Spielklasse, ihre größten Erfolge feiern die Eintracht-Männer aber in der Halle, wo sie ihrer Zeit weit voraus sind. „Sie liebten das Spiel in der Halle mehr als das Spiel auf dem Feld. Da waren sie Sonderklasse. Fast jede Woche fanden in der Festhalle Turniere statt, die auch eine große Zuschauerresonanz fanden. Doch damals war Hallenhandball noch das Stiefkind in dieser Sportart. Eine Deutsche Meisterschaft gab es noch nicht, sonst wäre – so beurteilten es zeitgenössische Beobachter – ein Titel für die Eintracht fällig gewesen.“ (Zitiert nach „Eintracht Frankfurt 75 Jahre“ und „Eintracht Frankfurt, 100 Jahre Fußball und mehr“) 1935 erfolgt eine organisatorische Trennung in eine Frauen- und Männer-Abteilung.

 

Nicht mit Titeln geizen dagegen die Eintracht-Frauen, die von 1934 bis 1944 elfmal in Folge Gaumeister im Südwesten werden und ihren größten Erfolg 1943 feiern. Nach Siegen in der Ausscheidungsrunde gegen Regensburg, den 1. FC Nürnberg und VfR Mannheim kann im Halbfinale auch der Kieler TV bezwungen werden. Im Endspiel am 19. September 1943 gibt es dann ein 10:6 gegen TiB Berlin. Die Farben der Eintracht tragen an diesem Tag: Anni Hannewacker, F. Hammel, G. Schmidt, R. Günther, H. Glaab, E. Günther, T. Heuser-Fleischer, Emmi Simon, E. Schuchhard, H. Rückriem und Ella Wöhr. Ein Bericht über die Endrundenspiele von Emmi Simon ist auf der Website des Eintracht-Museums unter à http://209.85.129.132/search?q=cache:uKz51pNhus0J:www.eintracht-frankfurt-museum.de/cms/pages/posts/vor-65-jahren--die-eintrachtdamen-werden-deutscher-handballmeister82.php%3Fp%3D25+Eintracht+Museum+Handball+1943&cd=1&hl=de&ct=clnk&gl=de zu finden.

 

Neubeginn nach dem Krieg


Am 23. Oktober 1945 wird neben der Fußball-, Leichtathletik- und Hockey-Abteilung auch die Frauen-Handballabteilung neu gegründet. Sie wird über zehn Jahre von der Meisterspielerin von 1943, Ella Wöhr, einer Schwester der bekannten Volksschauspielerin Lia Wöhr, geleitet. 1946 nimmt auch die Männerabteilung ihren Spielbetrieb wieder auf. Als Obmann fungiert zunächst Heiner Stocke, später Gerhard Frickler, Karl Becker, Heinz Gosche und Fritz Brohm, der ehemalige Nationalspieler. Während die Frauen bald wieder zu Meisterehren kommen, können die Männer nicht mehr an alte Erfolge anknüpfen. Von 1947 bis 1951 holen sich die Frauen viermal in Folge die Hessenmeisterschaft, 1947 und 1948 außerdem die Süddeutsche Meisterschaft. Die Männer dagegen steigen 1952 aus der zweithöchsten Spielklasse, der Bezirksliga, ab und versuchen einen Neuaufbau auf Kreisebene. Ein Aufstieg in die Verbandsliga Südhessen (damals die höchste Spielklasse) wird 1957 aber knapp verpasst. Derweil werden die Frauen 1955 erneut Hessen- (n. V. 9:6 gegen die TV Vorwärts Frankfurt) und Südwestdeutscher Meister, ziehen aber in der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft gegen den Eimsbütteler TV den Kürzeren. 1956 werden die Frauen Hessenmeister in der Halle und Vierter bei der inoffiziellen Deutschen Meisterschaft in Berlin. Star dieser Zeit ist Annemie Kübert (später Becker), die 1956 mit der Nationalmannschaft Vizeweltmeister wird.

 

Schleichender Niedergang


Die Frauen bleiben bis in die 60er Jahre auf Bezirksebene zwar ständiger Konkurrent des TV Vorwärts, müssen die Führungsposition im Frankfurter Handball jedoch an die Bockenheimerinnen abtreten, die zwischen 1958 und 1969 zehnmal Südwestdeutscher Meister und 1961 Deutscher Vizemeister in der Halle werden. 1968 spielen die Eintracht-Handballer in der Bezirksliga, die Männer an der traditionsreichen Roseggerstraße, die Frauen am Riederwald, wie den Spielankündigungen in der Frankfurter Rundschau vom 4. Mai 1968 zu entnehmen ist. Personelle Probleme zwingen die Eintracht aber bald, eine Spielgemeinschaft mit der Turnerschaft Jahnvolk Eckenheim einzugehen, die bis 1980 Bestand hat.

1984 gibt es mit dem Rücktritt des kompletten Abteilungsvorstands einen Umbruch und Neuaufbau. Zu dieser Zeit spielen die Herren in der A-Klasse, doch kommen zu den sportlichen auch verstärkt finanzielle Probleme hinzu. So ist im Eintracht-Magazin Nr. 3/1985 zu lesen, dass „aufgrund der schwachen finanziellen Seite . . . Gedanken wie Auflösung der Handballabteilung oder Gründung einer Spielgemeinschaft oder Gründung einer LG Frankfurt immer lauter zu vernehmen“ sind. Noch größer ist die Ernüchterung bei den Frauen, die 1985 aus der Regionalliga, im Jahr darauf auch aus der Oberliga absteigen und 1986/87 sogar in der Bezirksliga in Abstiegsgefahr geraten. Während es bei den Männern nach der Meisterschaft 1989 wieder ein kleines Zwischenhoch gibt (1990 und 1991 werden sie Vizemeister in der Bezirksliga II), kann Ende der 80er Jahre keine 1. Frauen-Mannschaft mehr gemeldet werden. 1991/921 wird zwar die weibliche A-Jugend für die C-Klasse gemeldet, muss jedoch im Februar aus der Runde zurückgezogen werden. Das einstige Aushängeschild der Eintracht-Handballabteilung ist am Ende.

 

Stabilisierung durch Spielgemeinschaften


Im Sommer 1992 zählt die Handballabteilung der Eintracht 145 Mitglieder und meldet für die Spielzeit 1992/93 neben drei Männermannschaften vier Jugendmannschaften (B, C sowie zwei D-Teams). Die A-Jugend bildet eine Spielgemeinschaft mit dem TV Bergen-Enkheim. Wegen der fehlenden finanziellen Mittel ist an große Sprünge nicht zu denken, dennoch nimmt die Abteilung die Herausforderung an, im Jugendbereich mittel- bis langfristig ein attraktives Angebot zu bieten. Abteilungsleiter Martin W. Davies ist sich im Eintracht-Magazin Nr. 29/Juni 1992 sicher: „Wenn unser Angebot stimmt, dann auch die Nachfrage. Vom Jugendspieler bis zum Sponsor.“

Die finanziellen Probleme des Hauptvereins nach dem Bundesliga-Abstieg der Fußballer 1996 haben auch ihre Auswirkungen auf die Handballabteilung. Die Männer steigen 1996 aus der A-Klasse ab. Dafür kann erstmals wieder eine weibliche A-Jugend gemeldet werden. Bei der männlichen Jugend wird eine Spielgemeinschaft mit dem TV Seckbach gebildet. 1997 verpassen die Männer als Zweiter nur knapp den direkten Wiederaufstieg. Seit der Saison 2000/01 wird die Kooperation mit dem TV Seckbach intensiviert, zunächst durch Bildung einer Männerspielgemeinschaft (MSG), seit 2005 durch Ausweitung auf den gesamten Jugendbereich als HSG Seckbach/Eintracht.

2000/01 spielt die MSG Seckbach/Eintracht in der Bezirksliga A. Seitdem werden folgende Platzierungen erreicht:

2001/02 Zweiter in der Bezirksliga A

2002/03 Meister in der Bezirksliga A, Aufstieg in die Bezirksoberliga

2003/04 Elfter (Vorletzter) in der Bezirksoberliga, Abstieg in die Bezirksliga A

2004/05 Zweiter in der Bezirksliga A, Aufstieg in die Bezirksoberliga

2005/06 Achter in der Bezirksoberliga

2006/07 Zehnter in der Bezirksoberliga

2007/08 Elfter (Letzter) in der Bezirksoberliga, Abstieg in die Bezirksliga

2008/09 Die Männer gehen in der Bezirksliga A an den Start. Zum ersten Mal seit über zehn Jahren wird wieder eine Frauen-Mannschaft gemeldet, die in der Bezirksliga A an den Start geht.


Quellen:

Frankfurter Sport-Almanach 1925/26, hg. vom Deutschen Reichsausschuß für Leibesübungen E. V., Ortsgruppe Frankfurt a. M.

Jubiläumsschrift „30 Jahre Frankfurter Sportgemeinde Eintracht“ (1929)

Jubiläumsschrift „Es war nicht nur ein Name . . ., 50 Jahre Eintracht 1899 – 1949“

Jubiläumsschrift „Eintracht in aller Welt, 60 Jahre Eintracht 1899 – 1959“

„Eintracht Frankfurt 75 Jahre, Der Eintracht Report“, Dokumentation 1899 – 1974

Heiner Stocke: Dokumentation über die Vereinsgeschichte von „Eintracht Frankfurt e. V:“ nach Ende des letzten Krieges, abgeschlossen im Mai 1988

„Eintracht Frankfurt, 100 Jahre Fußball und mehr“, hg. von Stephan Kuß (1998)

„Eintracht-Magazin“ (seit 1980)

Tabellen ab 2000/01 von www.sis-handball.de


 

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