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Frauen 1: Die Einsamkeit ohne Fußball

Montag, 13. April 2020, 17:08

Seit über einen Monat ruht der Spielbetrieb, unsere Spielerinnen haben "Hometraining" mit verschiedenen Kraft- und Fitnessübungen um sich fitzuhalten. Wann geht es wieder los? Viele Gedanken sind in den Köpfen - wir befragten die Kapitäninnen der Teams zur aktuellen Situation.

Eintracht Frankfurt Frauenfußball Saison 2019/20 Julia Beuth

"Ich finde die aktuelle Situation sehr fremd. Durch das regelmäßige über Jahre hinweg getaktete Training mit bis 4-5 mal die Woche ist die „Quarantäne Zeit" durchaus ungewohnt. Mir persönlich fehlt das Training auch als Ausgleich zum Alltag sehr, von den persönlichen Kontakten mit meinen Mitspielerinnen ganz zu schweigen. Natürlich versuchen wir uns alle so gut es geht mit Ausdauerläufen und Kraftübungen fit zu halten, aber trotzdem ersetzt dies alles nicht das Mannschaftstraining, was eben auch unseren Sportart ausmacht." so Julia Beuth vom Regionalligateam. Lili Wanjura vom U17-Bundesligateam bestätigt dies und ergänzt "Es ist plötzlich ungewohnt nur noch zu Hause zu sein. Man muss nun das Beste daraus machen, damit ein Mannschaftstraining so schnell wie es geht wieder möglich ist" 

Nun ist viel Eigenverantwortung und Selbstdisziplin gefragt. Loreen Johannemann (U16) bekräftigt dies: "Von einem auf den anderen Tag hat unser Leben einen totalen Umbruch bekommen. Schulaufgaben müssen selbständig erarbeitet werden und auch der eigene Körper muss nach der langen und intensiven Vorbereitung auf die Rückrunde fit gehalten werden. Das alles erfordert ein hohes Maß an Selbstdisziplin und ist nicht immer einfach. Deswegen ist in der aktuellen Situation der Teamgedanke und der Zusammenhalt von enormer Bedeutung. Die Trainer geben sich besonders Mühe ein abwechslungsreiches Programm zusammenzustellen, das unser reguläres Mannschaftstraining ersetzen soll." Dieser Aussage pflichtet U15-Spielerin Cora Lepper bei: "Als erstes werden die Schulaufgaben erledigt und danach arbeiten wir Spielerinnen individuell. Mit dem Auftrag des Trainerteams, drei Mal die Woche Joggen zu gehen, werden wir alle raus gehen und uns bewegen. Jedoch versuchen die meisten auch außerhalb dieser Aufgaben noch an sich zu arbeiten, in dieser Zeit können wir Spielerinnen unsere Fähigkeiten in der Ballkontrolle, Stabilisation, Ausdauer und Koordination verbessern."

Das Fithalten ist eine große Herausforderung, alle fünf Kapitäninnen absolvieren ehrgeizig ihre Fitnessprogramme, um sobald der Ball wieder rollt startklar zu sein. Die Trainerteams haben den Mannschaften ein Heimprogramm an die Hand gegeben. Was fehlt ist der übliche Teamaustausch in einem Mannschaftssport. Lili Wanjura:" Jeder, der etwas mitteilen will, schickt es immer in unsere gemeinsame Gruppe mit den Trainern. Da stehen wir schon in engem Kontakt als Mannschaft. Auch durch eigene Challenges, die wir innerhalb der Mannschaft am laufen haben, kommen immer wieder neue Videos in die Gruppe, in denen man sieht, dass es uns allen gut geht." Das Heimtraining stellt dennoch eine große Herausforderung dar und der Wunsch zur Rückkehr aufs Spielfeld ist groß. "Ich möchte noch mehr mit dem Ball trainieren. Allerdings fehlt mir dafür entweder ein Trainingspartner oder eine Wand. Ich muss dafür kreativ werden, aber bin mir sicher, dass ich was finden werde. Die Kraftübungen sind zum Glück kein Problem, da wir genügend im Training gemacht haben, die man auch sehr gut Zuhause absolvieren kann." so Luana Balzer vom Hessenligateam. Unterstützend ergänzt Lili Wanjura "Man hat Bock wieder aufs Tor zu bolzen und mit dem Team zusammen zu spielen. Fußball ist ja nicht umsonst ein Teamsport." Julia Beuth sieht das fehlende Mannschaftstraining problematisch: "Das Training ohne Ball ist bei Fußballern nicht besonders beliebt. Das Fußballspielen funktioniert eben alleine sehr schlecht, natürlich kann man den Ball hochhalten und gegen eine Wand passen, das ist nur leider nicht besonders realitätsnah und kein Vergleich zu einem Mannschaftstraining, weshalb ich dies als eine große Herausforderung ansehe, auch die fehlende Intensität des Trainings lässt sich zu Hause kaum abbilden." Cora Lepper fehlt auch das Teamtraining, das gemeinsame Pushen in den Einheiten und Punktspielen, "Man kann mit niemanden seinen Erfolg teilen, dies ist größte Herausforderung, dass man sich immer wieder selbst motivieren muss. Außerdem wird man bei seinen Trainingseinheiten nicht mehr von seinen Mannschaftskolleginnen oder Trainern gepusht oder gar mitgezogen. Das heißt, man muss sich selbst motivieren etwas durchzuziehen und nicht abzubrechen, auch wenn es zu anstrengend wird."#

Eintracht Frankfurt Frauenfußball Saison 2019/20 Lili Wanjura

Die Sehnsucht nach einer Fortführung der Saison ist bei allen 5 Spielerinnen sehr groß. Julia Beuth: "Natürlich wünscht man sich, dass die Saison zu Ende gespielt wird, gerade vor dem Hintergrund der anstehenden Fusion und eventuell größeren Veränderungen in der Mannschaft und dem Verein. Des weiteren möchte ich das Double holen, da der SC Freiburg in Schlagweite ist und der Hessenpokal verteidigt werden muss." "Ich wünsche mir so schnell es geht wieder Fußball zu spielen. Daher würde ich auch die Saison zu Ende spielen. Aber wichtiger ist unsere Gesundheit und wenn das Virus es nicht erlaubt, hoffe ich, dass wir in die nächste Saison planmäßig einsteigen können." so Luana Balzer. Auch die Nachwuchsspielerinnen sehnen der Rückkehr auf den Rasen herbei. Lili Wanjura: "Ich wünsche mir ganz klar, dass die Saison zu Ende gespielt wird. Nach unserem regulären letzten Spiel, wäre noch genug Zeit bis zu den Sommerferien, in der man die Spiele nachholen könnte. Gerade auch, weil unsere letzten Spiele einfach richtig klasse waren, würde ich alles dafür tun mit der Mannschaft die Runde noch zu Ende spielen zu können. Außerdem geht es für uns 2003er ja nach der Saison zu den Frauen und durch die Fußballpause momentan, kann man sich dafür gar nicht beweisen." Cora Lepper: "Ich denke für uns als U15 wäre es schön die Saison fortzusetzen, da wir als aktueller Tabellenführer eine große Chance auf die Hessenmeisterschaft haben."

Tipps für die Bewältigung der aktuellen Situation haben unsere Kapitäninnen auch. Luana Balzer: "Am Tag davor überlegen, was man alles erledigen muss und eventuell sogar eine To-Do-Liste anlegen. So kann man den Tag weitestgehend ohne Langeweile verbringen. Zudem natürlich so wenig wie möglich rausgehen und wenn es dann sein muss, die Schutzvorkehrungen treffen. Und sonst einfach mit Freunden in Kontakt bleiben und auch in der Quarantäne Spaß haben." Lili Wanjura ergänzt: "Ganz wichtig ist einfach, dass wir alle die Vorschriften befolgen und versuchen nicht nur uns selbst, sondern auch die anderen Menschen zu schützen. Gerade die, die zu den Risikogruppen gehören. Ich glaube wir alle wollen unsere Freunde und Familie schnellstmöglich wiedersehen und wieder zusammen als Team auf dem Platz stehen." Bejahend sagt Loreen Johannemann: "Was ich außerdem sehr wichtig finde ist, dass ich einen geregelten Tagesablauf habe und mir im Voraus gewisse Ziele für den Tag beziehungsweise für eine Woche setze. Nur so fällt es mir leichter mich immer wieder zu motivieren und ein Ziel vor Augen zu haben. Dies gilt selbstverständlich nicht nur für den Sport, sondern auch für die Schule. Viele von uns stehen kurz vor wichtigen Schulabschlüssen und müssen sich deswegen besonders anstrengen. Hierbei ist Sport jedoch der perfekte Ausgleich und dadurch können geregelte Tagesabläufe entstehen." Cora Lepper schildert ihre Tipps so: "Die Situation kann am besten gemeistert werden, indem wir nicht in Panik geraten und weiter positiv bleiben. Außerdem ist es sehr wichtig, weiter an sich zu arbeiten und am Ball zu bleiben. Um sich fit zu halten, hier ein paar Tipps: Joggen gehen, Stabis machen, mit der Koordinationsleiter arbeiten, dass Ballhochhalten üben, sich Tricks aus dem Internet selbst beizubringen oder Doppelpässe zu machen (an einer Wand)." Bestärkend fügt Julia Beuth hinzu: "Ich denke, dass die aktuelle Situation für alle Menschen auf der Welt, ob im Fußball, im Alltag oder Arbeit, sehr ungewohnt und eine große Herausforderung darstellt. Es betrifft alle Lebensbereiche und schränkt unsere Lebensgewohnheit doch arg ein. Ich bin trotzdem der Meinung, dass wir alle auch etwas Positives daraus herausziehen können und dass ein oder andere hinterfragen sollten. Ich denke wir werden alle entschleunigter und besonnener aus der ganzen Sache rausgehen und Dinge mehr zu schätzen wissen. Ich freue mich schon sehr mit meiner Mannschaft auf dem Platz stehen zu können und eine Runde Rondo zu spielen."

Hoffen wir bald, dass der Sport beginnen darf, aber das Wichtigste ist - Bleibt gesund!

 

Von: Denis Michel Biesold

 

 


 

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