Abrissparty

Mit der offiziellen Abrissparty für das altehrwürdige Geschäftstellengebäude von Eintracht Frankfurt, die am 24. Oktober 2008 auf dem Gelände des "alten" Riederwaldes stattfand, ist eine über fünf Jahrzehnte währende Vereinsära zu Ende gegangen. Gemeinsam nutzten Fans und Freunde der Eintracht ein letztes Mal die Gelegenheit, sich von ihrem Vereinszentrum gebührend zu verabschieden, dessen marode Mauern nach Auskunft verschiedener Fachleute einer Sanierung nicht mehr Stand gehalten hätten. Die einzige Lösung: Komplettabriss und vollständiger Neubau.

Historische Riederwaldführung

Eintrachttrainerlegende Dietrich Weise berichtet über seine Erlebnisse am Riederwald.

Bereits am Vormittag trafen sich die Riederwald-Rentner zum "Früh-Schoppe" im Presseraum, um bei Bier und Äppelwoi in Erinnerungen zu schwelgen. Nostalgische Augenblicke hautnah zu erleben, ermöglichten am Nachmittag die unter der Leitung von Matthias Thoma, Direktor des im November 2007 eröffneten Eintracht Frankfurt Museums und Leiter des Vereins-Archivs der Eintracht, durchgeführten historischen Riederwald-Führungen. Erkundet und bestaunt wurden das Gelände rund um das Riederwaldstadion sowie der Kabinenbereich mit Sauna und Entmüdungsbecken. "Ich bin sehr erfreut über den großen Anklang, den die Führungen bei den Besuchern gefunden haben", so Thoma.


Für freudige Überraschung unter den historischen Spurensuchern sorgte der 77-jährige Dietrich Weise, Eintrachttrainer von 1973 bis 1976 und 1983 bis 1986, der sich spontan zu der Gruppe gesellt hatte und es sich nicht nehmen ließ, amüsante Anekdoten und spannendes Insiderwissen aus seiner aktiven Zeit beizutragen. Zum Abschluss führte Thoma die neugierigen Hobbyhistoriker durch die ehemaligen Geschäftsräume hin zum Präsidiumszimmer, das über die Jahre zahlreiche hitzige Debatten erlebt hatte und in welchem so manche knifflige Entscheidung gefällt wurde.

Bunte Abschiedsmalerei für Kids

Der Weg zum Präsidiumszimmer führte die Gruppe durch die Hallen des ehemaligen Geschäftstellengebäudes, vorbei an den mittlerweile verwaisten Büroräumen. Bunte Eintrachtmotive schmückten die Zimmer, mit welchen wenige Tage zuvor das zunächst triste Innenambiente im Rahmen der vom Verein veranstalteten Kinderabschiedsmalerei von den Kleinen mit großer Begeisterung bepinselt worden war. Eintrachtadler in verschiedenen Größen und Farben, zwei unterschiedliche Motive des Junioradlers sowie eine farbenfrohe Nachbildung des Riederwaldstadions verschönerten die grauen Mauern des abrissbereiten Gebäudes, das sich zur Abrissparty ein letztes Mal von seiner besten Seite zeigen sollte. Graffitikünstler der Ultras verzierten die Außenfassade mit ihren gesprayten Kunstwerken, die am Abend der Abrissparty illuminiert wurden. Zusammen mit den kreativen Malmotiven der Eintrachtkids bildeten die Graffitis die perfekte Kulisse für die große Abschiedsfeier.

Offizielle Abschiedszeremonie

Mit Einbruch der Dunkelheit näherte sich die Veranstaltung ihrem Höhepunkt. Noch einmal erleuchtete die Flutlichtanlage den traditionsreichen Rasen des Riederwaldstadions, auf dem Präsident Peter Fischer unterstützt von Moderator Oliver Forster feierlich die offizielle Abschiedszeremonie eröffnete. Dem sentimentalen Anlass angemessen zog der Präsident in Begleitung der sechs bis siebenjährigen Jungs der F2 unter mitreißenden Klängen ins Stadion ein. Auf den Rängen der Tribüne hatten sich zahlreiche Besucher versammelt, um diesen besonderen Augenblick der Vereinsgeschichte mitzuerleben. In seiner Rede ließ Fischer die wichtigsten historischen Ereignisse am und um den Riederwald, der eigentlich auf dem Gelände der Gemeinde Seckbach gelegen ist, kurz und in pathetischer Form Revue passieren.


Der am 05. September 1920 mit einem 1:1 der Eintracht gegen den Freiburger FC eingeweihte "alte Riederwald", am Ratsweg im Stadtteil Riederwald, wurde im Oktober 1943 bei einem nächtlichen Bombenangriff zerstört. Mit dem ersten Spartenstich am 12. November 1949 begann die Ära des damals neuen Riederwaldes in der Gustav-Behringer-Straße, im Westen der Pestalozzi-Schule, dessen Umbau nun in vollem Gange ist. Hier verwandelte am 08. März 1953 Ehrenspielführer "Don Alfredo" Pfaff im Oberliga-Süd-Punktspiel beim 4:0 gegen den 1. FC Nürnberg einen direkten Eckball ins Tor. Und an dieser historischen Stätt konnten in den 70er Jahren zwei Weltrekorde gefeiert werden: 1973 lief die Österreicherin Maria Sikora anlässlich der Eröffnung der "attraktivsten Laufbahn in Hessen" die 400 Meter Hürden in der Weltrekordzeit von 57, 3 Sekunden. Nur zwei Jahre später ließ Walter Schmidt, Trainer der Leichtathleten der Eintracht, den 7,25-kg-Hammer auf die bisher noch nie erreichte Weite von 79,30 Metern fliegen. Zuletzt knallten 2002 am Riederwald die Sektkorken, als der Aufstieg der zweiten Mannschaft in die Regionalliga begossen wurde.

 

Als der Vereinspräsident auf die Zeit zu sprechen kam, als Jupp Heynckes das Training der Eintrachtprofis leitete, schallte ein gellendes Pfeifkonzert von der Zuschauertribüne. Mit seinem Statement: "Ich sehe das genauso wie ihr!" unterstrich Fischer mit Nachdruck seine Nähe zu den Fans und erntete dafür Applaus.


Das Schlusswort des Präsidenten war dann mit einer perfekt getimten Showeinlage gekoppelt. Mit Ende des Satzes: "Hier am alten Riederwald gehen jetzt endgültig die Lichter aus!", erloschen schlagartig die Leuchten der Flutlichtanlage und exakt in dem Augenblick, als das Stadion endgültig vom Dunkel der Nacht verschlungen zu werden drohte, flammten die bengalischen Feuer der "Ultras", die sich auf der Tribüne in Formation postiert hatten, auf und tauchten diese in ein grellrotes Farbenmeer. Auf dem Dach des Geschäftstellengebäudes war zudem in Leuchtschrift die Aufschrift "Riederwald" zu lesen. An die beeindruckend emotionale Pyro-Show schloss sich sogleich ein buntes Feuerwerk an, das für minutenlanges Gänsehautfeeling bei den Zuschauern sorgte.

Die Zukunftsbotschafter

Im Rahmen der Abschiedszeremonie stellte Moderator Oliver Foster die ersten Zukunftsbotschafter von Eintracht Frankfurt vor, die mit ihrem persönlichen Engagement das Neubauprojekt "Riederwald" unterstützen. "Die Initiative, Zukunftsbotschafter für den Neubau des Riederwaldes zu gewinnen, soll die große Notwendigkeit unterstreichen, die das geplante Vereinszentrums für Eintracht Frankfurt besitzt, das nach Fertigstellung auf dem fortschrittlichsten Stand sein wird. Jeder, der mit seiner Person für die gemeinsame Vereinszukunft eintreten möchte, kann ein Zukunftsbotschafter sein", erklärt Peter Fischer.


Einer der Zukunftsbotschafter ist Alexander Schur, Co-Trainer der U23 und Torschütze des legendären 6:3 gegen den SSV Reutlingen 2003, der den Wiederaufstieg der Eintracht in die 1. Bundesliga ermöglichte. Der in Frankfurt geborene Schur steht als aktiver Coach der "kleinen" Eintracht symbolisch für die Verbindung der Vergangenheit mit der Zukunft. Die Nachwuchsfußballer der F2-Mannschaft, die die Zukunft verkörpern, werden von den verbesserten Trainings- und Behandlungsbedingungen profitieren, die ihnen das neue Leistungszentrum bieten wird. Sie haben so eine deutlich verbesserte Chance, an die großen Erfolge anknüpfen zu können.

Die Nacht zum Tag gemacht

Nach dem offiziellen Teil der Veranstaltung wurde im Festzelt und im Foyer des Geschäftstellengebäudes weitergefeiert. Im Zelt heizte die "Bembelbar" mit rockigen Klängen den Nachtschwärmern mächtig ein. Das geräumige Platzangebot lud zum Tanzen und Verweilen ein. Bei gegrillten Brat- und Rindswürstchen sowie leckerem Spießbraten tauschten die Eintrachtler Erinnerungen aus und hielten gepflegten Plausch. Noch bis in die Morgenstunden war die Party in vollem Gange.


 

Kontakt

Nils Schweigert
Veranstaltungsorganisation

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