Meilensteine

Ernst Geerling: Weltrekord 100 Meter

01. Juli 1928

Nach dem Weltrekord in Eintrachts Vier-mal-hundert-Meter-Staffel gelingt dem gebürtigen Frankfurter Ernst Geerling dieses Kunststück auch in der Einzeldisziplin - und stellt dabei alle Logik auf den Kopf.

Ein jeder Sportinteressierte kennt die Diskussion um die Wertigkeit von Ausnahmespielern im Mannschaftssport. Gerade anlässlich der Verleihung individueller Auszeichnungen werden gerne entsprechende Debatten losgetreten. Was wäre der Top-Star ohne seine Teamkollegen, was wäre die Mannschaft ohne ihren besten Akteur? Vermutlich liegt die Wahrheit wie so oft in der Mitte, die Königslösung inklusive stichhaltigem Nachweis konnte ohnehin noch niemand liefern, zu oberflächlich wäre die bloße Auswertung von Zahlen im Mannschaftssport, wo idealerweise das Resultat der Leistung höher ist als die Summe der Fähigkeiten eines jeden einzelnen.

Wer sich dennoch an eine Einschätzung des Anteils individueller Ergebnisse innerhalb einer Gruppe herantraut, landet zwangsläufig bei der Leichtathletik. Weißt der Untersuchende zusätzlich eine Adler-Affinität auf, liegt ein Sprung ins Jahr 1928 nicht mehr allzu fern. Wir erinnern uns. Zehnter Juni, Olympia-Test in Halle, die Frankfurter  Vier-mal-hundert-Meter-Staffel mit Friedrich-Wilhelm Wichmann, Hans Salz, Adolf Metzner und Ernst Geerling stellt mit 41,0 Sekunden den damaligen Weltrekord ein. Nun erscheint der erste Ansatz nach dem jeweiligen Verdienst simpel: Die Gesamtlaufzeit geteilt durch die Zahl der Läufer bildet den Durchschnittswert eines jeden über 100 Meter, wenn man vom Bruchteil des Stabwechsels einmal absieht. Macht 10,25 Sekunden, ein Grundschüler hätte das hinbekommen. Das eigentlich Interessante in diesem Zusammenhang sollte erst drei Wochen später eintreten. Erster Juli. 100-Meter-Lauf in Frankenthal. Ernst Geerling, auf sich allein gestellt, tritt in der Geburtsstadt von Eintracht-Kollege Metzner an. Als er die Ziellinie überquert, zeigt die Uhr 10,4 Sekunden an – Weltrekord, wenn auch nicht alleiniger. Kurios und paradox mutet es dabei an, dass dieser Wert 0,15 Sekunden über der zuvor errechneten Durchschnittsrekordzeit im Teamsprint liegt. Wie man es auch dreht und wendet, eine rationale, gar mathematische Schlussfolgerung scheint auch in der sehr auf individuelle Bestleistungen fokussierten Leichtathletik zwecklos. Selbst wenn damals die Zeiten noch manuell gestoppt wurden, weshalb die Werte nur auf die Zehntelsekunde genau ermittelt werden konnten. Dies wiederum hatte zur Folge, dass zwischen 1921 und 1930 sage und schreibe 26 Mal in Folge derselbe Weltrekord auf- beziehungsweise eingestellt wurde.

Heutzutage wäre das kaum vorstellbar. Doch trotz modernster Messtechniken gleicht die Bestimmung des exakten Wertes eines Mannschaftssportlers hinsichtlich des Gesamtergebnisses weiterhin der Quadratur des Kreises.


 

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