Rückblick Tradition zum Anfassen 16: Wir haben den Pokal II
Donnerstag, 19. Mai 2011, 16:50
Passend zur tristen Rückrunde der Bundesligasaison 2010/2011 und der dadurch dringend benötigten Aufheiterung, veranstaltete das Eintracht Frankfurt Museum zusammen mit der Fan- und Förderabteilung einen Rückblick auf erfolgreichere Tage. Denn zum 30. Jahrestag des Pokalsieges von 1981 schwelgten am Donnerstag, den 05. Mai 2011 ehemalige Spieler und damaliger Trainer Buchmann im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Tradition zum Anfassen“ in alten Erinnerungen.
Der Kicker kommentierte den 3:1- Pokalsieg der Eintracht 1981 anderntags als „Triumph der Spielkunst“. Bereits zur Halbzeit des Endspiels gegen den 1. FC Kaiserslautern stand es am 2. Mai 1981 nach Toren von Willi Neuberger und Ronny Borchers im Stuttgarter Neckarstadion 2:0 für die Adlerträger. Bum Kun Cha erhöhte in der 64. Minute auf 3:0. Zwar gelang dem Gegner in der Schlussminute noch ein Ehrentreffer, doch die Pfälzer hatten keine Chance gegen die entfesselte Truppe der Eintracht.
Doch wie nahmen unsere damaligen Profis diese Zeit wahr? Im Museum plauderten Ronny Borchers, Lothar Buchmann, Michael Sziedat und Willi Neuberger aus dem Nähkästchen, die schönsten Tore wurden noch einmal gezeigt und an die einzelnen Pokalstationen erinnert.
Schon die Begrüßung durch Museumsleiter Matthias Thoma und FuFA-Abteilungsleiter Stefan Minden wies auf einen unterhaltsamen Verlauf des Abends hin. So gab Letzterer nach einigen tröstenden Worten bereits die erste Anekdote zum Besten: „Das waren noch Zeiten! Michael Sziedat hat in seiner Karriere nur zwei rote Karten bekommen und beide Male gegen Offenbach. Da muss ich wohl nicht mehr erwähnen, dass das ein guter Mann ist.“
Zunächst einmal äußerte sich Lothar Buchmann ausgiebig zur Qualität der Mannschaft. Dass Kaiserslautern vor der Begegnung aufgrund des vorangegangenen Punktspiels als Favorit gehandelt wurde, beunruhigte Buchmann laut eigener Aussage damals kaum. „Natürlich willst du dich als Trainer nicht lächerlich machen. Aber die Mannschaft hatte so viel Qualität, dass du dieses Spiel selbst an schlechten Tagen gewinnst. Gut, es gibt auch wichtigere Spiele als Pokal, aber du willst ja nicht ausscheiden. Und mir war klar, dass wir das Spiel gewinnen!“ Auch Sziedat erinnerte sich gut daran und schloss sich Buchmann an, dass die Niederlage vorher das Selbstvertrauen nicht zerstört hat, sondern sie mit dem Gedanken „Das schaffen wir ganz locker“ den Platz betreten und auch dementsprechend gespielt haben.
Willi Neuberger: „Wenn du uns früher mal gesagt hättest, wie gut wir sind, dann wären wir vielleicht auch mal Deutscher Meister geworden!“
Lothar Buchmann: „Auch Trainer machen eben mal Fehler! Die Mannschaft war in einem fortgeschrittenen Alter – da darf man nicht zu viel erwarten. Die Verjüngung haben wir einfach verpasst, sonst hätten wir bestimmt auch in der Tabelle höher gestanden.“
Aber auch der Torhüter spielt eine entscheidende Schlüsselfigur, wenn es darum geht, sich einen guten Tabellenplatz zu sichern. Darin sind sich die vier Anwesenden einig. Neuberger: „Spiele gewinnst du von hinten heraus. Fünf Spiele gewinnt der Tormann und die restlichen hält er gut. Darum: gib dem Tormann die Schuld! Unser Pech war, dass sich unserer das Bein gebrochen hat und eigentlich kein anderer ins Tor wollte. Aber alle guten Mannschaften haben einen starken Tormann.“
Beim Pokalspiel gegen den 1.FC Kaiserslautern griff Buchmann nach eigenen Angaben allerdings zu ein paar Motivationstricks. „Unser Disco-Ronny brauchte Beifall. Bei hoher Zuschauerzahl lief er wie ein junger Hund, aber wenn das nicht der Fall war, war es manchmal schwer ihn zu motivieren. Daher habe ich lange offen gelassen, wer spielt. Obwohl mir klar war, dass er dabei ist, weil er das einfach mag. Ja, früher wurde man auch noch bei einer Niederlage ausgepfiffen – heute feiert man sich selbst! Und Holz im Sturm natürlich nicht zu vergessen. Laut unserem damaligen Präsident durfte Holz nur gehen, wenn die Eintracht Pokal-Sieger werden würde. Damit heizte ich Holz an. Es lief alles gut und sogar Ronny konnte laufen!“
Zieht man Vergleiche zwischen dem heutigen Auftreten der Spieler und den Erzählungen von Neuberger und Co., so machen sich schnell Unterschiede bemerkbar. Sziedat: „Der Boden auf dem Trainingsgelände am alten Riederwald war etwas holprig. Aber wir waren da nicht so verwöhnt wie die Profis heute. Die gehen ja gleich wieder runter.“ Buchmann: „Wir haben uns früher auch nicht warm gemacht. Wir hatten wohl einfach eine größere Heizung in der Kabine.“ Neuberger: „Ich habe einfach lieber gespielt als trainiert und damit ist man früher weit gekommen!“
Die vielen Freundschaftsspiele, die die Mannschaft absolviert haben, dürften Willi Neuberger demnach gefallen haben. Auch hiervon gab es einige lustige Anekdoten zu berichten. „Wir hatten Freundschaftsspiele in Hong Kong, Kuweit und Dubai. Wir sind viel gereist und haben das Training dosiert. Die Mannschaft hat das gut verkraftet, aber es war sicherlich auch mit ein Grund, warum wir in der Tabelle nicht oben angesiedelt waren“ so Buchmann. Neuberger erinnerte sich währenddessen aber lieber an seinen ersten Flug Erster Klasse. „Fünf von uns durften einmal in der Ersten Klasse fliegen. Das Flugzeug war so eng. Da durften einige Wenige vor.“ Buchmann: „Ja, wir haben den ganzen Champagner leer getrunken, so dass die eigentlichen Passagiere der Ersten Klasse keinen mehr bekommen haben. Das Problem war, dass wir als Preisgeld bei dem Turnier in Kuwait damals 70.000 DM bekommen haben, dass ich im Schuh durch den Zoll schmuggeln musste. Davon hatten wir dann nicht viel, weil ich davon den Champagner bezahlen musste.“ Moderator Axel Hoffmann fand zu dieser und noch vielen anderen lustigen Histörchen die passenden Worte, indem er hervorhob, welch hochseriöser Verein die Eintracht doch schon immer war.
Doch wieder weg von den kleinen Feinheiten, die das Leben der Fußballer so unterhaltsam machte und zurück zur Problematik, was wohl die richtige Taktik ist, Profis auf kommende Spiele einzustimmen. Borchers und sein ehemaliger Trainer Buchmann waren einer Meinung. Der Trainer muss einschätzen können, wie man sich auf eine gegnerische Mannschaft einstellt. Es sollte sich eine gewisse Automatisierung bei der Mannschaft einstellen, die mehr Handeln als Denken zur Folge hat und eine Kombination von Training und Trainingsspielen sei da sicherlich eine gute Lösung.
Wie Ronald Borchers heute auf sein sportliches Engagement zurückblickt, wie Willi Neuberger zur Eintracht kam, wie das Verhältnis zwischen Journalisten und Spielern früher war, wie es zu einem Endspiel in Stuttgart kam und vieles mehr waren noch Thema an diesem kurzweiligen Abend. Wir bedanken uns an dieser Stelle bei allen Anwesenden und Verantwortlichen für den reibungslosen Ablauf und die gute Unterhaltung.