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FuFAAktuelles aus der Fan- und Förderabteilung

Erklärung der FuFA zur Einlasskontrolle in Leverkusen

Dienstag, 28. September 2010, 13:32

In den Tagen nach dem Spiel in Leverkusen und dessen skandalösen Begleiterscheinungen haben wir mehrere Gespräche mit den Verantwortlichen der Eintracht Frankfurt Fußball AG (insbesondere mit der Fanbetreuung und mit dem zuständigen Vorstandsmitglied Klaus Lötzbeier) geführt. Wir begrüßen ausdrücklich, dass die Eintracht Frankfurt Fußball AG nunmehr nach Prüfung der von uns sowie vielen Fans und Betroffenen vorgetragenen Sachverhalte in einem Beschwerdeschreiben Bayer 04 Leverkusen offiziell um eine Stellungnahme zu den Maßnahmen ersucht.

Da auch die Fan- und Förderabteilung – wie zu jedem Auswärtsspiel – eine Fahrt nach Leverkusen angeboten und durchgeführt hat, und da natürlich auch in unserer Reisegruppe weibliche Fans mitgefahren sind, können wir aus eigener Anschauung festhalten:

Fakt ist, dass am Zugang zum Gästeblock getrennte Eingänge für männliche und für weibliche Personen eingerichtet wurden. Fakt ist, dass ausnahmslos alle Besucherinnen mit Karten im Gästebereich direkt vom Eingang in ein bereitgestelltes Zelt geführt wurden, hiervon waren auch Minderjährige und sogar kleine Mädchen nicht ausgenommen. Unserer Reisegruppe z.B. gehörte ein zwölfjähriges Mädchen an, das alleine (!) – ohne den sie begleitenden Vater – ins Zelt musste. Erst in diesem Zelt entschieden die dort eingesetzten Mitarbeiterinnen des Bayer-Sicherheitsdienstes „BaySecur“, ob bzw. wie die Frauen durchsucht wurden. Bei einigen Frauen blieb es beim Abtasten, andere sollten sich bis auf BH und Unterhose ausziehen.

Frauen, die sich weigerten, wurden umgehend aus dem Zelt und aus dem Stadionbereich herausgeführt. Dies geschah in der Regel recht unsanft (so wie man eben unliebsame Gäste herauswirft); allein aus unserer Reisegruppe ist uns zudem ein Fall bekannt, in welchem der entsprechenden Dame (die sich nicht hatte ausziehen wollen) beim Rauswurf aus dem Stadion zusätzlich von BaySecur-Mitarbeitern noch die Eintrittskarte zerrissen wurde.

Fakt ist weiterhin, dass Bayer 04 Leverkusen diese einschneidende Maßnahme angeordnet hat, ohne zuvor mit irgendjemandem auf Frankfurter Seite Kontakt aufzunehmen. Die Fanbetreuung der Eintracht war bei ihrer Ankunft am Stadion genauso überrascht wie wir bzw. alle anderen ankommenden Besucher(innen). Zur Erklärung hatte es vor Ort nur geheißen, dass angeblich „ernstzunehmende Hinweise“ vorlägen, dass weibliche Fans von Eintracht Frankfurt Pyrotechnik ins Stadion schmuggeln wollten. Welcher Natur dieser Hinweise sein sollen, wurde seitens Bayer 04 vor Ort nicht mitgeteilt.

Auch zur Stunde weiß bei Eintracht Frankfurt niemand definitiv, ob diese angeblich „ernstzunehmenden Hinweise“ tatsächlich – wie mittlerweile in einigen Presseberichten zu lesen – nur in der Mitteilung eines (angeblichen) Vaters eines Eintrachtfans bestanden, der (angeblich) in dessen E-Mails gelesen haben will, dass angeblich Pyrotechnik durch Frauen eingeschleust werden soll. Ebenso wenig ist uns bekannt, ob dieser angebliche Hinweis telefonisch oder schriftlich und ob er anonym oder unter Namensnennung des Informanten erfolgte. Unbekannt ist uns leider auch, ob und gegebenenfalls wie Bayer 04 Leverkusen die Glaubwürdigkeit dieses angeblichen Informanten überprüft hat.

Was wir aber definitiv wissen, ist: Bayer 04 Leverkusen hat diesen (angeblich) „ernstzunehmenden Hinweis“ und seine Herkunft weder mit der Fanbetreuung noch dem Sicherheitsdienst der Eintracht Frankfurt Fußball AG erörtert noch auch nur mit den szenekundigen Beamten der Polizei Frankfurt. Selbst die eigene Fanbetreuung von Bayer 04 Leverkusen war vom eigenen Verein nicht in Kenntnis gesetzt worden, dass und warum das Zelt am Gästeeingang aufgebaut wurde. Was immer auch der „ernstzunehmende Hinweis“ war, Bayer 04 Leverkusen hat ihn im Alleingang (oder allenfalls nach Rücksprache mit der örtlichen Polizei) als glaubhaft eingestuft.

Wir verurteilen die von Bayer 04 Leverkusen angeordneten Einlasskontrollen aufs Schärfste. Die Fan- und Förderabteilung von Eintracht Frankfurt e.V. verwahrt sich dagegen, dass alle Anhänger von Eintracht Frankfurt (oder auch „nur“ [?] alle weiblichen Eintrachtfans) unter einen Generalverdacht gestellt und einer Behandlung unterzogen werden, die nichts anderes als einen unverhältnismäßigen und schwerwiegenden Eingriff in ihr Persönlichkeitsrecht darstellt.

Dass Bayer 04 Leverkusen es vor der Anordnung des Zelts noch nicht einmal für nötig hielt, zur Beurteilung der Glaubwürdigkeit der angeblich eingegangenen Information wenigstens die hierfür zuständigen Organe der Fanbetreuung bzw. Sicherheitsverantwortlichen aus Frankfurt zu konsultieren, empfinden wir als skandalös. Denn es zeigt die Sorglosigkeit und Leichtfertigkeit, mit der Rechte und Würde von (in diesem Fall: allen weiblichen) Fußballfans beschnitten werden.

Wir danken allen unseren Anhängern, die in der ersten halben Stunde des Spiels ihren verständlichen Protest gegen diese Maßnahme friedlich vorgetragen haben, und dann – nach Abbau des Zeltes – unsere Mannschaft ebenso friedlich und lautstark unterstützt haben. Allen Betroffenen und allen, die sich vor dem Gästeblock mit den Anhängerinnen solidarisiert haben, können wir versprechen, dass wir als FuFA die Sache nicht auf sich beruhen lassen und Euch über den weiteren Fortgang informieren werden. Spätestens nach Eingang der Antwort von Bayer 04 Leverkusen werden wir über etwaige weitere Schritte beraten.

Es gilt, alle geeigneten Maßnahmen zu ergreifen, damit sich eine derart schikanöse Behandlung von Auswärtsfans nicht wiederholt oder gar in der Liga durchsetzt.

Frankfurt, den 28.09.2010
Fan- und Förderabteilung von Eintracht Frankfurt e.V.

Von: FuFA Abteilungsvorstand

 

 


 

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