Die Saison 2010

Ergebnisse "nicht-turnerischer" Wettkampfgruppen der Turnabteilung.

Rueda: Deutsche Meisterschaften 2010 in Bochum

Stimmungssieger der DM

Als wir mit dem Bus der Eintracht Frankfurt auf der Autobahnraststätte Siegburg  einen kurzen Stopp machen, schauen unsere Nachbarn neugierig, als die Tür mit den von außen verdunkelten Scheiben aufgeht. Sie mögen ein wenig enttäuscht sein, dass nicht Michael Skibbe, Nikolov, Caio und Co. aussteigen, doch was sie jetzt zu sehen bekommen, ist mindestens genauso interessant. Aus der Musikanlage im Bus schallt fetzige Salsamusik und schon sind die Insassen am Tanzen. Die Paare tanzen im Kreis, wechseln mit jeder Figur die Partner und strahlen dabei wie die Weltmeister.
Das ist Thomas Wisseling und seine Tanzgruppe auf dem Weg zur Deutschen Meisterschaft im Rueda de Casino nach Bochum. Normalerweise tanzen sie ein bis zweimal pro Woche in der Turnabteilung der Eintracht Frankfurt: zum Spaß und als Auszeit vom Alltag. Am 31. März stellten sich die Hobbytänzer zum zweiten Mal der großen Herausforderung, den Spaß mit einer guten Portion Perfektion zu kombinieren. Fast drei Monate haben Thomas sowie zirka 20 weitere Tänzer und Tänzerinnen mit viel Schweiß und Elan an der Choreografie gefeilt, Musik und Kostüme ausgewählt und ganze Wochenenden mit dem Training verbracht. Viele Stunden Arbeit und Anstrengung für drei Minuten Auftritt vor großem Publikum und einer achtköpfigen Jury. Natürlich ist die Aufregung groß, bei manch einem auch die Erwartungen, denn im vergangen Jahr wurde die Truppe aus dem Stand Vizemeister.
Die meisten Tänzer und Tänzerinnen sind schon einen Tag vorher nach Bochum gereist. Auch in der Havanna-Bar, in der wir eigentlich nur einen „Schlaftrunk“ vor dem großen Auftritt nehmen wollten, tanzen wir spontan, als gute Salsa-Musik läuft und haben staunendes Publikum. Der Rest unserer Truppe kommt am Morgen vor dem Wettkampf. Es findet ein letztes Training statt und ab Mittag schminkt eine professionelle Visagistin für die Bühne. Wer es nicht gewohnt ist, bekommt beim ersten Blick in den Spiegel schon einen kleinen Schreck, denn schließlich muss das Make-up – dem Anlass entsprechend – glamourös ausfallen. Zusammen mit dem eleganten Outfit in Türkis, Schwarz und Weiß hilft es dann aber schon, dass die Lust, sich vor großem Publikum zu präsentieren langsam größer wird als die Angst davor.
In diesem Jahr gab es zwei Chancen: Der Sprung von der Vorrunde in die Hauptrunde gelang trotz kleiner Fehler. Der Trainer trommelt seine Truppe noch mal zusammen, um sie für die Wertungsrunde zu motivieren. „Wir sind gut, wir können es schaffen, wir machen es diesmal noch besser“, spornt er den Ehrgeiz der Tänzer und Tänzerinnen an. Konzentriert bis in die Fingerspitzen und dennoch souverän lächelnd betrat die Truppe das Parkett erneut.  Es war ein bewegendes Gefühl auf der Bühne zu tanzen, es klappte noch besser als in der Vorrunde. Schon bevor die Entscheidung fiel, hatte die Gruppe gewonnen: Gemeinschaft, Selbstbewusstsein, Toleranz, Verantwortung, ein tolles Erlebnis, das noch lange im Kopf und in den Beinen bleiben wird.  Diesmal machen wir den fünften Platz, was der Stimmung  jedoch keinen Abbruch tut. Ehrgeiz ist gut, Spaß beim Tanzen aber noch wichtiger. Den haben wir bei der anschließenden Feier ohne Beobachtung dann noch ausgiebig genossen!