Aktuelles vom Triathlon

vom Ironman zum IRONMAN

Dienstag, 22. November 2011, 22:48

Irgendwann an einen Mittwochmittag, das Telefon klingelt, eine Stimme fragt, magst du am Ironman Frankfurt teilnehmen? Ich überlege 3 Sekunden und sage JA! Das waren 5 Wochen vor dem Wettkampf am 24.07.2011.
Jetzt habe ich den Salat ;-) Wie gehe ich das nun am  besten an? Trainiere ich mich selbst, oder?
Nach guten Schwimmeinheiten und einem klasse Radtrainingslager in Italien/Cecina (kann ich nur empfehlen), könnte es beim Laufen noch ein bisschen besser gehen ;-) Ich könnte also jemanden gebrauchen der/die mir Beine macht ;-) Und da fällt mir unsere Lauftrainerin, Natascha Schmidt ein. Zwar so jung wie mein Sohn, aber schon im Winterlauftraining in der Kalbachhalle fielen mir ihr Lauftraining und ihre Trainingsmethodik sehr positiv auf. Klare Ansagen, Kompetent und nach dem Training für alle Athleten immer ansprechbar. Also einfach mal die Trainerkollegin fragen und na klar, sagte sie, mach ich gerne. So hatte ich diesmal eine Trainerin!
Meine Zielzeit musste natürlich auch noch definiert werden. Nachdem ich 2009 in 10:14h in Ziel gekommen war (auf einmal war die Quali für Hawaii gar nicht mehr so weit entfernt) und ich letztes Jahr (mit Ziel Hawaii) auf der Laufstrecke mit Magenschmerzen eingegangen bin, liebäugelte ich zwar mit einer guten Zeit, aber mein Projekt IRONMAN Hawaii sollte erst für 2012 in der neuen Altersklasse verwirklicht werden. Aaaaber versuchen könnte ich es ja mal: Schwimmen 0:59:59h, T1 0:05h, Rad 4:59:59h, T2 0:03h, Laufen 3:45:00h (ohne Pinkelpausen ;-) Ziele sind dafür da, verwirklicht zu werden, die 9 wollte ich als Stundenzahl sehen. Ziemlich fresch? JA!
Als ich den Trainingsplan von Natascha bekommen habe, dachte ich mir, uff das wird hart. Aber es blieb ja nicht so viel Zeit ;-) Zwei Mitteldistanzen, Kraichgau und Moret, waren vorher bereits geplant und passten (fast ;-) gut in den  Trainingsplan. Ein Ligawettkampf olympisch in DA-Griesheim, in Bestzeit, zeigten schon einmal, dass das Training an(ein)schlägt :o) Das man 14 Tage vor einer Langdistanz, nicht mehr viel verändern sollte, wissen wir ja alle, aaaaber mit tat der Hintern weh vom lange in der Aeroposition fahren! Also noch mal schnell zur Radbiometrie und u.a. auch einen neuen Sattel montieren lassen. Im Nachhinein (weil schlauer ;-) eine sensationell gute Ent-scheidung. Mit sehr guten und den intervallreichsten Trainingskilometer die ich je hatte (ca. Swim 200, Rad 4500, Run 500) und den eingehaltenen Erholungsphasen (Ruhetage/Tapering) –GANZ DOLL WICHTIG-, ging es mit ca. 50 Eintracht Triathleten an den Start.
Frisch wars am Morgen des 24.07.2011 um 6:00h am Langener Waldsee, es sollte meine 6. Lang-distanz und die 4. in Folge werden. Viele bekannte Gesichter waren in der Wechselzone und als Zaungäste zu sehen, die ersten Fotos werden geschossen, das Posen beginnt ;-)
Jetzt noch schnell warmlaufen, ab in den Neo und runter zum See. Warmschwimmen bei der Masse an Starter is nich. Noch en paar Minuten bis zum Start, ein kurzer Plausch mit Moritz, Bianca, Anja und meinem Bruder „klein“ Patrick (er steht bis zu den Knien im Wasser und macht Fotos) und  los geht es.
Die erste Schwimmrunde ist diesmal leider eine ganz eklige Hauerei.
Der Landgang ist doof, weil die Uhr nicht gestartet ist (ich habs net so mit der Technik ;-)
Die zweite Schwimmrunde war dafür nicht ganz so hektisch und mit 1:04h (Mist, Zeit verfehlt ) kam ich aus dem See.
Ich hatte aber voll Glück, eine sehr hübsche Helferin, hm hmm ;-) schrie mich an (ich dachte, oh da geht was ;-) Du hast deinen Transponder verloren! Oh, Mist, ich bedanke mich artig und rannte weiter zu meinem Rad. Das Wechseln dauert bei mir bekannter Weise etwas länger. Nachdem ich endlich meine Kompressionsstrümpfe an hatte, fiel mir auf, Aaaaah der Transponder fehlt, wo ist dieses Teil? Ich hatte ihn dümmlicherweise mit meinem Neo in die blaue Wechseltonne geschmissen, also alles wieder raus und –Mist- der ist ja ein der einen Seite abgerissen. Also Klettverschluss ab und neu, nee das hält nicht, was machen? Haa, ich hab ja lange Strümpfe an, also drunter damit, voll pfiffig. Jetzt noch schnell ein Radtrikot, Weste und Ärmlinge an und ab geht es auf die Radstrecke.
Poh ist das kalt und nach 2km fängt es auch noch an zu Regnen, SCHei…, also Ärmlinge hochziehen (gar nicht so einfach auf dem Aufleger ;-) und Ärgern, weil ich die Handschuhe nicht angezogen habe (die waren im Wechselbeutel). Um das Radfahren abzukürzen, bei 12-14 Grad mit zum Teil starkem Dauerregen und einem böigen Wind, der mich einmal bald vom Rad gehauen hat,  macht Triathlon nicht sonderlich Spaß. Zweimal hatte ich jedoch einen sehr warmen innerlichen Schauer aufnehmen dürfen und das war an unserer Eintracht Verpflegungsstelle in Bad Vilbel. Herrlich diese Anfeuerungen und Hingabe, uns Athleten zu versorgen!!! Tausend Dank! Die Radzeit mit 5:16h ist dann leider auch schlechter als meine Vorgabe. Na ja, bei den Bedingungen vielleicht doch nicht so schlecht. Gesamt sind 6:30h vorüber, aber um meine Zielzeit von 9:58h zu erreichen, müsste ich jetzt einen 3:30h Marathon laufen und das schien mir nicht mehr möglich. Also nicht ärgern, Du hast super das Laufen trainiert, dachte ich mir, mach einfach dein Ding und gut ist.
Die ersten Meter mit eiskalten Füssen in Radschuhe zu laufen ist gar net nicht so einfach. Hat man dann die Laufschuhe endlich an, fühlen dich die ersten Meter genauso wie mit Radschuhen. Also schnell nochmal nachschauen ob ich wirklich die Schuhe gewechselt habe ;-). Die erste Verpflegungsstelle ist passiert und auch die ersten bekannten Gesichter sind zu sehen (freu!). Der Stüber, Torsten schaut mich erschrocken an und schreit, Felix nicht so schnell, ich schaue auf meine Uhr, 4:15Min./km. Doch, dachte ich mir! Vorgenommen hatte ich mit die ersten 21km in 1:45h zu laufen, damit ich dann 2h zeit habe für die zweiten 21km. Es regnete wieder in Strömen und es sind verhältnismäßig wenig Zuschauer an der Laufstrecke. Nach 5 Kilometer sehe ich zum ersten Mal meinen Sohn, Christoph, er feuert mich mächtig an und schreit „Du schaffst es“. Ich freue mich sehr und bin total motiviert! Nach 10km zeigt mit die Uhr 47min. an, ziemlich flott, denke ich mir. In der zweiten Runde wird es mollig warm, 14 Grad ;-) ich entledige mich meiner Radklamotten und der Armlinge. Nach je drei Verpflegungsstellen gibt es ein Gel und eine Salztablette. Ich habe haben guten Schritt und laufe sehr gleichmäßig. Nach 21km zeigt die Uhr eine Laufzeit von 1:40h und ich beginne an zu rechnen, 3:30h müsse ich laufen um die 9 vorne stehen zu haben. 3:30 minus 1:40 = 1:50h. Ich dachte mir, wie oft bist Du schon einen Halbmarathon in unter 1:50h gelaufen, schon oft, eigentlich immer (es sei denn, ich war zu fett ;-), oder ich bin mit Freunden in deren Ziel zeit mitgelaufen). Also, dachte ich mir Du warst nicht schwimmen, Du bist keine 180km Rad gefahren und gelaufen bist Du jetzt auch noch nicht! Ich laufen jetzt nur noch einmal 21km in unter 1:50h und los gehts. Ein guter Triathlet hat mir einmal gesagt, Felix, Du machst zu viel Unfug und lässt dich beim Laufen zu sehr ablenken, konzentriere dich nur auf dich! Auch wenn er mich in Wett-kämpfen überholt/überrundet hat, sage er immer diese zwei Worte -konzentriere dich-. Das habe ich diesmal getan, ich habe selten soll viel mit mir selbst gesprochen wie in diesen letzten 21km. Es ist schon der Wahnsinn, wenn es auf die Minute/Sekunden ankommt, welche Höhen und Tiefen man durchlebt. Sätze wie: Du schaffst es, oh es wird knapp, Du schaffst es nicht mehr, Du bist so weit so schnell gekommen, also lauf, so schnell kommst Du nicht mehr hierher. Die dritte Runde läuft gut, die Beine tun zwar weh, aber ich bin im Zeitplan. Die vierte und letzte Runde fängt gut an, aber bei Kilometer 34 bekomme ich Krämpfe in beiden Oberarmen (muss ziemlich doof ausgesehen haben, mit hängenden Armen zu laufen ;-) und kurze Zeit später bahnt sich an Krampf im linken hinteren Oberschenkel an. Oje, nur keinen Krampf, dann geht gar nichts mehr, also trinken, trinken, trinken, nochmal Salztabletten nehmen und ich haue mir zwei Gels in kurzer Zeit rein. Ich merke, wie ich hinke, ich schaue auf die Uhr, Ahhh Mist - nur 5:20h/km zu langsam, da muss ne 4 vorne stehen, Locker bleiben, die Schrittlänge verändern, Oberkörper aufrichten und Lächeln ;-). Der Krampf lässt langsam nach. Jetzt werde ich müde, schlapp, alles tut weh, auch der Kopf will nicht mehr so mitmachen, da läuft Christoph Hilke bei km 36, ein Eintracht Tria, an mir vorbei, poh, klasse wie er noch läuft. Los hinten dran hängen und versuchen seinen Schritt auf zu nehmen. Es gelingt mir, ich laufe direkt hinter ihm (Windschatten ;-)  bei km 37 schaue ich auf die Uhr, es ist 16:35h, noch 5km. Ich laufe neben ihm, und frage, kannst Du noch einen 5-er Schnitt laufen? Und er sagt nein, Skandal ;-), ich sage ihm wir haben noch 25 Min. für 5km, dann sind wir in unter 10 Stundenim Ziel. Ok, ich sage ich zu ihm, ich 2,5km, du 2,5km und laufe vor, leider kann er mir nicht folgen. Es kommt die vorletzte Verpflegung, viele Teilnehmen gehen bereits, bzw. bleiben bei den Getränken stehen, leider kann ich nur einen Becher greifen und den verschwappe ich auch noch, ich bin am fluchen, ziemlich laut sogar. 400m später ist alles wieder vergessen, es gibt das letzte Bändchen und das auch noch von meiner Lieblingsexschwägerin :o) und etwas zu trinken, 100m, bekomme ich auch noch. Alles wird gut :o) Noch 2,5km und zwei kleine Anstiege, auf der Untermainbrücke kann ich das Getöse am Eisernen Steg sehen und hören, echt geil, die letzte Verpflegung, ich schaue auf die Uhr 16:53h noch 7 Minuten. Zum ersten Mal glaube ich fest daran, dass ich es schaffe! Dann kommt der Abzweig, Runde  2.,3.,4. nach links, Ziel rechts, geil, ich darf nach rechts :o) Maaan, wie lange sind denn ca. 300m, bis zur Abbiegung zum Römer, es kommt mir wie ne Ewigkeit vor! Endlich, ich biege auf den Römer ein, leider sehe ich die vielen Freunde und Bekannten nicht, die bereits auf mich warten, da ich nur die Zieluhr vor Augen habe und da ist sie, JA schreie ich, da steht 9:57h, ich bin überwältigt (ich bekomme gerade beim schreiben wieder eine Gänsehaut :o) GESCHAFFT! In 9:58:26h komme ich ins Ziel, ich bin total glücklich, was für ne geile Zeit und was für ein Kampf. Zum ersten Mal an dem Tag ist mir nicht kalt ;-) 1:04/5:16/3:27h = 9:58h! Die Wechselzeit, 7mal vom Rad und dreimal auf der Laufstrecke gepieselt mit eingerechnet :o)
Mein Sohn und viele anderen freuen sich riesig für mich. Der Torsten sagt mir, ich wäre 20. in meiner AK geworden. Die ersten 15 bekommen einen Slot für die Weltmeisterschaft auf Hawaii und wenn welche absagen, was nicht ungewöhnlich ist, könnte ich nachrücken. Zum ersten Mal überhaupt war mein Ziel, eventuell mal auf Hawaii starten zu können, greifbar und realistisch. Ein wirklich harter, aber erfolgreicher Wettkampftag ging zu ende.
Für die Finisherparty am nächsten Tag in der Eissporthalle, hatte ich meinen Personalausweis und 470,00€ mal vorsorglich eingepackt. Ich war sehr hippelich und aufgeregt als die ersten der AK M45 gefragt wurden, ob sie den Slot für die IRONMAN Weltmeisterschaft auf Hawaii annehmen würden. Als dann der fünfte Direktqualifikant verneinte, bzw. nicht anwesend war, hatte ich meinen Startplatz und nun wurde ich gefragt, ob ich den Startplatz annehmen würde, da kam aber ein, von sowas, von einem klaren und lauten JAAA, dass ich ihn mir abholen durfte. Man, war ich glücklich, ich darf beim IRONMAN World Championship Hawaii starten.
Das haben von der Eintracht auch, Anja Zimmermann, Uwe Sauer und Janis Moshoff geschafft.

Vielen Dank an ALLE die mich bei diesem Sauwetter angefeuert und unterstützt haben.
Es war nicht der schönste, aber der emotionalste Ironman den ich bis dahin gemacht habe!!!

 

 

 

Von: Felix Lorz, (Bilder von Frank Bickel und Claudia Backöfer)

 

 

 


 

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