Aktuelles vom Triathlon

Über Cozumel, Mexiko nach Hawaii

Dienstag, 06. Dezember 2011, 11:04

Nachdem ich im März bei einem Radsturz das Bewusstsein verloren hatte, mehrere Rippen gebrochen und meine Lunge angeditscht hatte, lagen drei Monate Rekonvaleszenz vor mir. Als Konsequenz sagte ich den Ironman Frankfurt ab und  suchte nach einer Alternative, später im Jahr einen Wettkampf in warmen Gefilden mit Urlaub zu kombinieren.
Der Ironman Cozumel in Mexiko bot sich an. Der Wettkampf war im August noch nicht ausgebucht und so meldete ich mich an. Das Schwimmen ist ohne Neo – genauso wie der Sport ursprünglich gedacht war, die Radstrecke und Laufstrecke sind flach, das Wetter ist der Karibik angemessen warm und es gibt viele Möglichkeiten auf unterschiedlichste Art und Weise zu chillen bzw. Urlaub zu machen.
Anhand der Streckenbeschreibung wird ein schneller und einfacher Wettkampf suggeriert. Aufgrund der gegebenen Bedingungen stufe ich ihn allerdings als anspruchsvoll ein. Wer ein Flair von den Bedingungen in Hawaii erleben will, ist hier richtig aufgehoben.
Das Schwimmen findet über eine Runde im offenen Meer statt. Dabei gilt es, sich mit Strömungen unterschiedlicher Art auseinander zu setzen. Von Frontal-, Seiten-, Rückwärts-, sowie Kaltströmungen kann man alles erleben. Bojen sind ca. alle 200 Meter vorhanden, an denen jeweils Taucher auf dem Grund des Riffes Ausschau halten, ob jemand am Absaufen ist. Des Weiteren ist ein U-Boot im Einsatz, das am Wendepunkt VIP-Gästen erlaubt, das ganze Geschehen unter Wasser zu betrachten.
Die Radstrecke besteht aus 3 Runden mit etwa vier Steigungen, die sich auf maximal 15 Meter erhöhen. Ein Profil für schnelle Zeiten, wenn nicht etwa 20 Kilometer pro Runde direkt an der Ostküste langgehen würden. Hier gibt es einen netten Wind, der mal von vorne, mal von der Seite kommt und der auch gerne die Gischt auf die Straße weht. Wie so üblich in warmen Gefilden, nimmt der Wind über den Tagesablauf zu. Einige der langsameren Athleten hatten damit ordentlich zu kämpfen. Viele der in meiner letzen Radrunde überholten Athleten, fuhren bereits mittig auf der zweispurigen Fahrbahn. Zum Überholen musste man auf die Gegenfahrbahn. Eigentlich ist das nicht regelkonform, aber für die Sicherheit der Athleten die beste Wahl.
Die Laufstrecke besteht aus 3 flachen Runden a 14 km. d. h. jeweils eine 7 km „out and back“ Strecke durch  San Miguel, der Hauptstadt von Cozumel, und weiter an der Küstenpromenade. Auf der ersten Runde haben mir die Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit richtig zugesetzt. Ich dachte echt, dass meine Lunge und mein Kopf platzen würden. So etwas hatte ich bisher auch noch nicht bei meinen Hawaii-starts erlebt. Die Verpflegung und Ver-sorgung mit Wasser (eingeschweißt in Plastiktüten) und Eiswürfeln (ebenfalls in Plastiktüten) ist vor-bildlich, hatte mir aber nicht geholfen meine Körpertemperatur zu senken. Auf der zweiten Runde fing es dann Gott sei Dank wie aus Kübel an zu regen. Das hat meine Temperatur reduziert und damit meinen Hintern gerettet. Leider kam die Kanalisation nicht mit den Wassermengen zurecht. Die Zeit der trockenen Füße war seit dem Regen vorbei; die Straßen standen teilweise fast bis knöcheltief unter Wasser. An einer Kreuzung hatte sich so viel Wasser gesammelt, dass es fasst bis zu den Knien reichte. Diese Stelle mussten wir viermal durchwarten. Solche Bedingungen sorgen allerdings für eine tolle Abwechslung. Ich fand es lustig!
Nachdem ich als vierter meiner AK in 9:37 die Ziellinie überquert hatte, war ich ordentlich platt. Ich nutzte das Angebot, das Medical-tent aufzusuchen um eventuell eine Infusion zu bekommen. Hier erlebte ich eine Behandlung wie ich sie bisher noch nicht genießen konnte:
Erst einmal wurde ich komplett ausgezogen, um dann von zwei Frauen trocken gerieben zu werden! Danach erhielt ich die Cozumel Winter Hospital Kollektion angezogen. Eine Shorts und ein Muskel-shirt in Hellblau aus einer Art Papyrusmaterial. Weiter ging es mit kühlen Kopf- und Halsumschlägen einschließlich einer langen Kopfmassage. Dazu gab es Getränke nach meinem Wunsch. Ich wollte gar nicht mehr weg aus diesem Paradies… Auch gab es alle 5 Minuten Puls und Blutdruckkontrollen. Eine Infusion habe ich dann leider doch nicht bekommen. Als Abschluss hat mich dann der Medicalstaff zur Massage, an den Warteschlangen vorbei, geleitet.
Am nächsten Tag kam die Bestätigung, dass der vierte Platz zur Hawaiiquali gereicht hat. Somit werde ich 2012 meinen dritten Start auf Hawaii angehen. Das Training wird sich bei einer Vorbereitungszeit von 11 Monaten richtig entspannt gestalten. Von mir aus können die nächsten vier Monate richtig kalt und schneereich werden. Ich mache mir nun einen schönen langen Lenz.
Train safe und smart
Ole

Von: Ole Jacobsen

 

 

 


 

Kontakt

Georg Heckens
Abteilungsleiter

E-Mail ans Orgateam