Ironman Frankfurt 2009
Dienstag, 07. Juli 2009, 23:44


Für meinen dritten und letzten Ironman hatte ich mir zwei Ziele gesetzt:
Ich wollte ihn einfach genießen,
Insbesondere einmal wieder 180 km Radstrecke auf durchgehend gesperrter Strasse zu fahren, in den vielen kleinen Orten um Frankfurt enthusiastisch angefeuert zu werden, die Hügel der Wetterau hinaufzufliegen und dann am Heartbreak Hill durch einen Spalier wie bei der Tour de France den Berg hinaufgepusht zu werden. Dann doch froh zu sein, das Rad zur Seite legen zu können und sich langsam aber stetig der Laufherausforderung zu stellen und mit Unterstützung von Freunden und Zuschauern endlich über den roten Teppich auf den Römerberg ins Ziel zu laufen. Sich feiern, sich feiern lassen.
und dabei zeitlich so wie in den Ironmans 2005 und 2006 finishen.
Der Tag startete gut. Martin und ich hatten ganz gut geschlafen, ehe um 4.00 Uhr der Wecker klingelte und wir uns zum Langener Waldsee aufmachten: Das Wetter war noch angenehm kühl, die Stimmung dort mit bereits vielen Zuschauern war relaxt und auch das gemeinsame Hören der Nationalhymne war sehr bewegend.
Bei 2.000 Startern gab es dann die übliche „Prügelei“ im Wasser, aber auch weil ich meine Schwimmbrille so eng gezurrt habe, dass bereits mein Kopf dröhnte, war ich dann doch sehr froh, wohlbehalten aus dem Wasser steigen zu können.
Bereits auf den ersten Kilometern auf dem Rad- eigentlich eine wunderbare Einrollstrecke, guter Asphalt, leicht abschüssig nach Down Town Frankfurt -merkte ich, dass es nicht gut lief. Es hat nicht so richtig Spass gemacht! Ich konnte auch keinen richtigen Druck auf die Pedalen bringen. Trotzdem lief zumindest die erste Radrunde ganz gut, während es auf der zweiten Runde immer schwerer wurde.
Und dann kam das Laufen.
Ab Kilometer 4 ging gar nichts mehr. Mir war einfach nur übel, mir liefen die Tränen übers Gesicht, ich wollte mich eigentlich nur hinfallen lassen, nicht mehr bewegen, aufgeben. Es erschien mir einfach absolut unvorstellbar, noch 38 km in irgendeiner Form zu absolvieren, zumal das Gehen auch keinem dynamischen Wanderschritt glich, sondern eher einem Herumschleppen. Es war so verführerisch, sich einfach fallen zu lassen, aufzuhören! Keine Übelkeit mehr zu haben...
Aber dann dachte ich an meine Mutter und an Freunde, die extra angereist waren, um mich zu unterstützen- Ich kann dann doch nicht bereits auf der ersten Runde aussteigen...
Zudem stellte ich mir vor, was ich denken würde, wenn es mir wieder besser gehen würde- "Ging denn wirklich gar nichts mehr? Hättest du nicht durchhalten können?"
Sollte so mein letzter Ironman enden? NEIN, ich wollte auf den roten Teppich, ich wollte das Finisher T-Shirt und die Medaille!
Nachdem ich mich ein wenig übergeben konnte, ging es dann auch irgendwann wieder. Ich konnte die nächsten 10 Kilometer ganz gut laufen und kam somit dem Ziel stetig ein wenig näher. Das Wetter war zwar schwülwarm, aber glücklicherweise nicht ganz so sonnig. Immer wieder plagten mich auf den weiteren Kilometern Übelkeitsattacken, die mich zu Stops am Seitenrand und zu Gehpausen zwangen, aber dazwischen konnte ich auch immer wieder laufen. Bei Kilometer 38 gab es noch einen letzten Anfall, aber nun war es wirklich absehbar.
Und dann habe ich den Zieleinlauf doch noch genossen. Unterstützt von den jubelnden Menschen im Zielkanal, den vollbesetzten Tribünen lief ich auf dem roten Teppich Richtung Römer. Und dann stand dann plötzlich mein Patenkind Olga, mit einem kleinen Ironman T-Shirt im Zielkanal und Hand in Hand liefen wir dann unter Applaus jubelnd die letzten hundert Meter ins Ziel!!!
Im Ziel wartete bereits seit einiger Zeit Martin, der ein hervorragendes Rennen absolviert hat. Bei ihm lief einfach alles, sehr gute Schwimm- und Radzeiten und dann hat er es endlich geschafft, auch noch eine gute Laufzeit hinzulegen. Mit 10.13 Std. war dies sein schnellster Ironman und mit Platz 39 in seiner Altersklasse und Platz 372 in der Gesamtwertung war dieses Resultat einfach nur gut. Ich habe mich sehr für ihn gefreut!!!
Im Athletenbereich hinter der Ziellinie tranken wir dann erstmal ein (alkoholfreies) Bier auf unsere Leistungen!
Dies war zwar mit 13.18 Std. mein langsamster Ironman, aber ich war dennoch sehr stolz auf mich, da ich mich mental so zusammenreißen und finishen konnte!
“Yes you can“ stand auf einem Plakat eines Zuschauers. Yes I could!
Einen ganz herzlichen Dank an die tollen Helfer des Verpflegungsstandes in Bad Vilbel (nicht nur die Versorgung war Spitze, sondern auch die Stimmung dort) und an die vielen Eintrachtler an der Strecke, die nicht müde wurden, uns anzufeuern!
„Der längste Tag des Jahres“, ja der Tag war lang, er war schwer, aber er war auch gut, wichtig und letztendlich auch erfolgreich!
Von: Beate Klein