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IM Frankfurt 2017 – Hauptsache Spaß haben!?

Sonntag, 16. Juli 2017, 14:54

Jürgen am Eintracht-Verpflegungsstand

Klar, am Wettkampfmorgen ist der Spaß doch ziemlich gedämpft! Ich versuche zwar immer, mir einzureden, dass ich jetzt gleich ein tolles Erlebnis haben werde, aber es ist doch eher das Pflichtbewusstsein, das mich vorwärtstreibt.

Nach 5 Jahren LD-Pause wollte ich wissen, ob ich es noch drauf habe. Denn auf Dauer wird es peinlich, zu erzählen, was man früher für ein toller LD-Hecht war.

Nach meiner Achillessehnen-OP in 2014 war ich erst 2016 wieder leistungsfähig genug, um an eine LD zu denken. Nachdem ich einsehen musste, dass ich 2017 tatsächlich 70 Jahre alt werden kann, war klar: 2017 musst Du zuschlagen!

Deshalb stand ich am 9.7. in der Wechselzone und war wiedermal erfasst von dieser Mischung aus erzwungener Gelassenheit und aufgesetzter Fröhlichkeit. Ich interpretiere die langen Dixischlangen auch damit, dass viele TN die Hosen voll haben.

Immerhin hatte ich vor dem Start schon zwei gute Infos bekommen: Meine Schaltung funktionierte und Neo war erlaubt! Bei der Neo-Nachricht hatte ich erstmals richtig Spaß!!

Nachdem ich noch Hilfe beim Neoanziehen erhalten habe (Danke, Andreas) und etwas mit Reinhard gequatscht habe, ging es ziemlich pünktlich um 7 Uhr los.

Entspannt wurde es eigentlich erst nach dem Landgang. Trotz Rolling-Swim-Start ging es insbesondere auf der ersten 1000m ziemlich zur Sache. Habe jede Menge Schläge bekommen und selber einige Mal den Sagan-Ellenbogen ausfahren müssen.

Am Ende stand eine 1:22.

2012 schwamm ich 1:19. 3 min schlechter und 5 Jahre älter. Damit konnte ich gut leben, zumal (Achtung: Ausrede!) ich nach meinem Radunfall 5 Wochen auf das Schwimmtraining verzichten durfte. Auf dem Weg zur Wechselzone hatte ich deshalb auch Spaß!

Für den ersten Wechsel habe ich mir 10 min Zeit genommen und dabei meinen Eintracht-Neo ordentlich zusammengelegt, die Füße abgetrocknet und Sonnencreme aufgetragen. Da wusste ich allerdings noch nicht, dass mein Mitstreiter um den AK-Sieg eine 1:09 geschwommen ist.

Beim Radstart war ich gerade dabei Spaß zu bekommen, weil die Schaltung immer noch funktionierte, als Petra mir schon lautstark zurief, dass ein 30er-Schnitt absolute Pflicht ist. Danke Petra: Habe unterwegs oft an Dich gedacht!

Es rollte eigentlich ganz gut. Ich hatte häufiger Spaß. In Hochstadt eher weniger. Dieser Streckenabschnitt steht gemeinsam mit dem Schrott-Holsten-Bier ganz oben auf meiner IM-Kritikliste. Ab Niederdorfelden wurde die Strecke doch sehr vertraut. Ich begann, mich auf Petterweil und den Eintracht-Verpflegungsstand vorzubereiten. Vorher natürlich noch der Hühnerberg. Oben, an einer angenehm schattigen Stelle, saß/stand eine Eintracht Meute und machte richtig Lärm - Danke!

In Petterweil stand dann meine Frau mit Mikrofon, Plakat und Kölsch und der Info, dass ich schon ziemlich aufgeholt hatte. Kurz nach Petterweil sah ich meinen AK-Konkurrenten. Ich fuhr mit sehr hoher Wattzahl und Tempo an ihm vorbei.

Heartbreak HillBist du in Petterweil, ist Frankfurt nahe. Die Strecke bin ich schon sehr oft gefahren. Es ist ein schneller Streckenabschnitt. Störend ist lediglich der Heartbreak Hill. Allerdings wartet oben dann die Belohnung – der Eintracht-Verpflegungsstand. Wie immer großartig. Vielen Dank. Hätte mir gerne mehr Zeit gelassen. Aber ich wollte Petra ja nicht enttäuschen.

Insbesondere auf der Strecke ab Friedberger Warte hatte ich viel Spaß. So mit 40/45 Sachen über die freigesperrten Kreuzungen zu brettern, ist sehr schön!

Auch die 2. Runde war o.k. Die Straßen wurden leerer, die Zuschauer weniger. Ich hatte keinen großen Durchhänger, konnte mein Tempo halten und meinen Vorsprung vergrößern.

Mit meinen 5:49 war ich zufrieden. Mindestens genauso gut wie 2012 – schön!

Ich konnte es nicht lassen, auch in der 2. Wechselzone wieder Zeit zu verbrennen. Habe mich mit Frank ausgetauscht, ein Dixi benutzt und natürlich wieder Sonnencreme aufgetragen.

Auf der LaufstreckeNun also laufen!  Im Vergleich zu 2012 (Vorsicht Ausrede!) musste ich das Lauftraining sehr vorsichtig dosieren. Schnellere Einheiten haben im Frühjahr zu stärkeren muskulären Problemen geführt und mir die beabsichtigte HM-Teilnahme verhagelt.

Auf die schnelleren Vorbereitungs-Einheiten habe ich dann ganz verzichtet. Überwiegend war ich zwischen 5:30 und 6:00 unterwegs. Mein längster Lauf war der HM in Kraichgau. Es war klar, dass die 2. Hälfte nur mit kontrollierter Sturheit zu bewältigen war.

Die erste Runde lief gut. Ich war zügig unterwegs, allerdings bewusst gebremst durch meine Pausen an den Verpflegungsstationen.

Ab der 2. Runde stand meine Tochter mit Freund Thorsten (hat viele schöne Fotos und eine Excel Tabelle für die Zwischenzeiten in der AK 70  gemacht). Mein Vorsprung wuchs stetig! Ich hatte also keinen Wettkampfstress, musste „nur“ meinen eigenen Ehrgeiz befriedigen, was die Sache allerdings nicht einfacher machte.

Die dritte Runde bringt für mich immer die größte mentale Herausforderung. Müdigkeit, die Oberschenkel und Füße brennen, aber das Ziel ist noch verdammt weit weg!

Gelegentlich hatte ich trotzdem meinen Spaß, so als ich meinen AK-Mitstreiter überholte und natürlich immer, wenn ich an den vielen Eintracht-Anfeuerungsnestern vorbeilief. Ihr wart super, vielen Dank!

Im ZielEine Person will ich besonders hervorheben: Jennifer Eisenhuber! Sie ist jede Runde einige Meter mit mir gelaufen und war erst zufrieden, wenn ich ihr ein Lächeln geschenkt habe.

Zu Beginn der 4. Runde war die angestrebte 4:30 noch möglich, mein Akku allerdings schon ziemlich leer. Es fiel mir immer schwerer, meinem Körper meinen Willen aufzuzwingen. Das Tempo war noch o.k., aber die Pausen wurden  länger. Nutzte jede Gelegenheit, mich vorm Laufen zu drücken. Schwätzte mit einem früheren Arbeitskollegen am Verpflegungsstand, bedankte mich bei vielen Helfern und beschäftigte mich gedanklich schon mit meiner Trainingsvorbereitung für Hawaii.

Endlich das 4. Bändchen und der Römerbergeinlauf. Wem hier der Spaß fehlt, hat viel falsch gemacht. Ich hatte sehr viel Spaß. Schade, dass der Römerberg nur so klein ist!

Der Zieleinlauf ergab dann für das Laufen eine 4:40 und eine Gesamtzeit von 12:09.

Fazit und Danke

Meine Ziele waren

-      die AK zu gewinnen und EM zu werden

-      das Ticket für meinen 2. Hawaiistart zu bekommen

-      unter 12:30 zu bleiben

O.k., abgehakt!

Wenn Selbstkritik, dann natürlich zum Laufergebnis. Objektiv nicht so schlecht. Aber ich kann das Jammern nicht lassen. Gegenüber 2012 bin ich bei der Laufleistung vom Europameister zum (Eur)Opameister mutiert.

Dankbar bin ich

-      iQ-athletik für Trainingspläne, Leistungseinschätzung und Bikefitting

-      dass mein heftiger Radsturz in Cecina meine Pläne nicht total durchkreuzte

-      meinem Orthopäden Dr. Chwalek sowie dem Team der PhysioFarm/Karben

und – ganz wichtig – der großartigen Eintracht-Tria-Abteilung mit den zahlreichen Trainingsmöglichkeiten und den vielen sehr angenehmen und hilfsbereiten Gesprächs- und Trainingspartnern.

Europameister

Von: Jürgen Bäuerle / Fotos by Thorsten Eckel und Arne Koch

 

 

 


 

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Abteilungsleiter

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