City Triathlon Frankfurt
Mittwoch, 08. September 2010, 09:26


Ich freute mich schon auf den ersten Frankfurter City Triathlon, zwei Tage zuvor kamen wir aus der warmen Toscana zurück, wo wir 2 Wochen Urlaub machten. Eigentlich bis einschließlich Sonntag. Da die Eintracht aber die Vereinsmeisterschaft beim FCT ausgetragen hat, wurde der Urlaub verkürzt und ich durfte starten. Beim Einchecken am Samstag klappte alles ganz gut und reibungslos. Da noch ein paar mittelkräftige Sonnenstrahlen zum Vorschein kamen, hörte ich lieber auf den Rat meiner Kumpels und lies etwas Luft aus den Reifen. Laut Ausschreibung sollten am Wettkampfmorgen ja genügend Pumpen zur Verfügung stehen, man wurde sogar explizit dazu aufgefordert, die eigene Pumpe zuhause zu lassen.
Am Wettkampfmorgen war der Eingang zur WZ total überfüllt, das verbesserte unsere verspätete Ankunft (6.10 Uhr statt 6.00 Uhr) nicht gerade. Der Weg vom Parkplatz zur Wechselzone ist irgendwie jedes Mal wieder weiter als kalkuliert. Endlich drinnen gab's keine Pumpen, ich stand in einer Schlange von mehreren Personen, die alle ihr Rad zur Pumpe gebracht hatten. Normalerweise kommt die Pumpe zum Rad. Als es endlich aufgepumpt ist, war es bereits 7.10 Uhr, wenige Minuten vor dem Start, sofort bin ich barfuß zum Start gerannt (man musste um alle Räder herum laufen, da es keine Zwischenwege gab). Kurz vor dem Start fiel mir auf, dass was wichtiges fehlte: die Schwimmbrille (ein lautes "Sch..." hallte über die WZ, so was konnte nur mir passieren). Also wieder zurück, die Brille hing noch am Lenker wegen der Pumpenaktion. Brille geholt, wieder zum Start. Ein Knall. Mist, das war der Startschuss. Ich renne, was das Zeug hält. Dank der Kälte habe ich die Schottersteine nicht an den nackten Füßen gespürt (noch nicht). "Achtung, die zweite Startgruppe bitte noch etwas zurückbleiben, evtl. kommen noch Nachzügler.“ Noch während ich >wie freundlich von ihm< denke, setzt er einen drauf: „ Ohhh, ja da kommt noch einer!" ulkte der Kommentator. Das Publikum grölte und alle meinten damit MICH. Shit... was bleibt einem in solch einer Situation übrig, als direkt weiter zu rennen, wenn alle Augen auf einen gerichtet sind? Tobis Freundin Manuela erkannte mich, schaute mich ungläubig an, da ihr Tobi bereits im Wasser war, sie reagierte aber sehr schnell und hielt gleich das Absperrband hoch, damit ich direkt weiter fliegen konnte. Ähnlich wie ein landender Schwan muss es ausgesehen haben als ich mich in die Fluten stürzte. Vielleicht aber auch eher wie Landungsboot in der Normandie... Aber wie soll man bei 170 Puls und ohne Einschwimmen auch nur einen vernünftigen Zug schaffen? Das Resultat folgte sofort: verschluckt und schwupps zum Brustschwimmer für gefühlte 50 Züge geworden. 35 Minuten Schwimmzeit sind das traurige Resultat dieser beeindruckenden Glanzparade.
Dann aufs Rad, mit sandigen Füßen versteht sich, sie waren wegen der Schotterpiste eh schon malträtiert. Nur keine Zeit verlieren. Und nu kam auch das Adrenalin ins Spiel. Ich wollte aufholen, alle überholen. Klappt besser als gedacht, die meiste Zeit steht eine 4 vorne auf dem Tacho. Für den großen Bordstein, den man beim Übergang vom Sachsenhäuser Ufer auf die Straße überwältigen muss, kann die Orga nun wirklich nichts, bei der zweiten Runde war er wenigstens rot abgeklebt, aber warum werde ich dann zum zweiten Mal auf die zweite Runde geschickt? Die Einweiser hatten keinen Durchblick. "Erste Runde rechts, zweite Runde links" wurde mir zugerufen. Ach so, er meint die beendete Runde! Oder? OK, die zweite Runde habe ich soeben beendet, also links. Aber warum geht’s in Richtung Schwanheim, habe doch schon über 40 KM auf der Uhr. Da kann was nicht stimmen. Jetzt kommt die Mainbrücke. Dahinter steht ein Schiri. Ich bleibe stehen und frage ihn. Ach, ich hätte weder links noch rechts sondern geradeaus gemusst? Ja Danke. Also umdrehen und als Geisterfahrer zurück.(Der Schriri hat‘s so gewollt...) Am Ende habe ich knapp 48 KM auf der Uhr und 1:17h. Danke, wertvolle Zeit verschenkt. Aber damit nicht genug.
Es folgt die Laufstrecke. Die Füße sind mittlerweile stark unterkühlt, das hat betäubende Vorteile, der Sand hat nämlich seine Spuren hinterlassen. Das ist nicht schön anzusehen, deshalb schnell Socken an und Schuhe darüber, die mir sehr schnell in meinem Beutel zugeworfen wurden, das war das einzige, was richtig gut geklappt hat. Beutel werfen können sie, die Helfer. Die Laufstrecke hat was beruhigendes. Auf der Fressgass ernte ich ungläubige Blicke von den kehrenden Müllmännern, die die Reste der vergangenen Nacht zwischen den Ständen des Weinfestes herauskratzen. Ja, man kann Spaß daran haben, Sonntags um 5.00 Uhr aufstehen zu müssen. "Blödmann" denke ich und laufe weiter. Der Garmin zeigt 14,7 Km/h an. Das kann doch nicht sein? 4er Pace direkt nach dem Rad? Ich muss wirklich sauer sein. Es läuft sehr gut, unglaublich gut. Hier um die Ecke, dort noch ein U. Ahh, auf der Zeil bei der Konsti kommen einige entgegen. Dann noch eine Schleife und ich bin auch auf der Zeil. "Los Mikel, den schaffst du, der ist schon müde" höre ich zwei Mädels einen Läufer anfeuern der von hinten zu kommen scheint. Schwere Atmung, er setzt an, hat‘s aber schwer, lange Zeit parallel, dann gibt er alles, ich muss ihn ziehen lassen. Aber gleich darauf die nächsten: "Los, die schaffst Du noch, zieh an!" Ruft mir jemand zu. "DIE schaffst Du noch?" Tatsächlich da hat mich doch außer Mikel noch jemand überholt. In einem blauen Einteiler. Meike?? Tatsächlich Meike Krebs. Ich gebe alles, will wissen, wie schnell sie rennt. Zu schnell, ich komme nicht hinterher, alle jubeln. Das ist der Zieleinlauf. Was? Das kann nicht sein! Soeben realisiere ich, dass mich der Einweiser auch beim Laufen falsch geschickt hat. Und das Mini-Schild ist mir nicht aufgefallen. Ich muss noch eine Runde laufen, Meike dagegen hat‘s geschafft. Meine Freundin steht am Ziel und kann‘s nicht glauben, sie ist aus dem Häuschen über die gute Zeit und erkennt dann auch, dass was nicht stimmt. Also zurück. Nur wohin? Ein Einweiser zuckt mit den Schultern, ein Anderer zeigt grob die Richtung als ich ihn anbrülle. Ich laufe in die Richtung. Um die Ecke kommen andere Läufer ich gehe in die Reihe und laufe die zweite Runde. Mit 33 Minuten komme ich ins Ziel. wie kann das sein?? Die Strecke hatte niemals volle 10 KM, dafür war die Radstrecke zu lang. Mein Garmin zeigt 8,4 KM. Später erfahre ich, dass die Strecke nur knapp 9 KM lang war.
In der FNP lese ich Annette Gaspars Kommentar zum ersten FCT: "Wir haben viele positive Rückmeldungen von Athleten bekommen. Es habe zwar ein paar kleine, organisatorische Pannen gegeben, diese hätten den Ablauf aber nicht beeinträchtigt."
Das ist ein Witz, bei 70,00 EUR Startgeld und 1,5 Jahren Planungszeit war diese Veranstaltung ein Trauerspiel. Dabei ist nicht berücksichtigt, dass man Ewigkeiten auf seinen Beutel und das Auschecken des Rades warten musste. In der ersten Laufrunde gab es nur Iso, die Schnüre meines Beutels waren gerissen und im Ziel wurden die Medaillen erst 20 Minuten nach dem Einlauf ausgeteilt, später dann direkt nach dem Zieleinlauf um den Hals gehängt. Die Pasta-Party war auch ziemlich lieblos organisiert. Tolle Location alleine reicht eben nicht, wenn nur ein paar billige Stehtische zur Verfügung stehen. Klar kann man argumentieren, dass bei einem Debut nicht alles perfekt sein kann. Wirklich nicht? Eben doch! Lothar Leder hat beim Debüt des Tristars in Worms geglänzt! Das muss gesagt werden. Er hatte eine große Radstrecke (100 KM) zu organisieren, ebenfalls teilgesperrt, aber keine Runden, sondern echte 100 KM Vollstrecke durch Worms, Ortschaften und auf Landstrassen, dazu perfekt eingewiesene und deutlich sichtbare Helfer, alles klappte Hervorragend. Jede Menge super Verpflegung auf der Strecke.
Traurig, was Frau Gaspar hier ablieferte!
Aber umso schöner war die folgende Party bei Christa und Bernd im Garten und Dank Annettes Super Orga hatten wenigstens ein paar was zu schmunzeln, als ich meine Storry zum Besten gab.
Nächstes Jahr wieder, ist doch klar, hoffentlich wieder mit goldener Badekappe. Vielleicht komme ich dann mal in den Genuss, neben Lothar stehen zu dürfen wenn der Startschuss fällt.
Bis dahin, Euer CC
(ChaosChristian)
Von: Christian Wolf