Bonn Triathlon am 12.06.2011 - meine erste Mini-Mitteldistanz
Freitag, 17. Juni 2011, 13:45
Der Bonn Triathlon hat mit den Distanzen 3,8 km Schwimmen im Rhein (stromabwärts), 61,41 km Rad und 15 km Laufen eine etwas "unübliche" Länge für eine Mitteldistanz, aber mich reizte der Wettkampf, zumal eine Freundin von mir im ausrichtenden Verein trainiert. Also meldete ich mich an.
Beim Einchecken am Pfingstsonntag bin ich offenbar recht früh, mein Rad darf ich relativ weit vorne in die Nähe der „Topstarterinnen“ hängen. Da die Plätze nicht nummeriert sind, hänge ich meine grüne Laufmütze mit Klebeband an die Stange, damit ich nach dem Radeln weiß, wo es wieder hin muss. Helm, Brille und Haarband kommt ans Rad, Schuhe sind schon drangefummelt. Laufschuhe und Söckchen noch pudern, fertig.
Dann kommt der Bus, der uns zur Fähre bringen soll. Der erste Bus ist ruckzuck voll, also den nächsten. Wir bekommen einen Sitzplatz und ich sitze nun da, fühle mich wie ein Schaf, das zur Schlachtbank gefahren wird und werde immer nervöser. Alle anderen plaudern fröhlich um mich herum und ich fühle mich einfach nur grässlich.
Am Fähranleger angekommen lausche ich den Ansagen und Erklärungen zum Fähre besteigen, dann ab in den Neo. Ob ich denn das ganze machen würde, fragen mich voll Verwunderung zwei Staffelstarter, die neben mir auf der Bank sitzen. Ja, das habe ich wohl vor... Der Neo ist an, Tasche abgeben. Ich muss nochmal. Es ist super sonnig, aber ich friere. Ich bin ein Nervenbündel. Meinen Mann nochmal umarmen, und dann müssen wir schon auf die Fähre. Nochmal kommt das Schlachtbank-Szenario in meinem Kopf hoch. Als endlich alle an Bord sind, legt die Fähre ab.
Der Schwimmeinstiegspunkt ist erreicht. Die Fähre hält an. Am Ufer stehen ganz viele Menschen und winken, wir machen die Welle und winken. Ich würde mir vor Angst wirklich in den Neo pinkeln, wenn ich denn könnte. Dann wird runtergezählt und Startsignal. Langsam rücke ich vor bis zur Rampe. Allerdings zappelt da ein Mann direkt vor mir im Wasser und schwimmt nicht los. Links komme ich nicht vorbei, also rechts. Reinspringen. Uff. Kurz ein paar Brustzüge weg von der Fähre und, ich kraule dann mal los. Ganz ruhig. Alles ist gut. Es gibt keinen Grund für Schnappatmung. Die Orientierung fällt mir schwer, ich möchte möglichst viel Strömung mitnehmen, sehe aber vor mir kaum Leute, wo die schwimmen, denn die schnellen sind schon alle weit weg. Also einfach schwimmen und hoffen, dass es schon passt. Ein Mann neben mir dreht sich auf den Rücken und schwimmt dann mal Rücken weiter. Auch gut. Irgendwann hält sich jemand kurz an meinem Bein fest. Ey, was soll das denn?! Ich schwimme. Eins, zwei, Atmen. Ganz ruhig. So langsam könnte mal die Brücke näherkommen, finde ich, mir wird langweilig. Ah, da vorne ist das Chinaschiff. Zwischen Chinaschiff und Brückenpfeiler durchschwimmen, dann auf die Anleger achten. Den zweiten anschwimmen, da neben ist der Ausstieg. Oha, ich werde abgetrieben. Also gefühlt schräg zurück schwimmen. Wann kommt endlich Grund? Da. Spitze Steine. Und schon streckt sich mir ein Helferarm entgegen, ein zweiter und ich torkele aus dem Wasser. Geschafft!
Jetzt erst einmal ein gutes Stück laufen. Den Neo dabei zur Hüfte runter ziehen. Später Kappe und Brille ab. Es gibt einen Becher Wasser. Prima, ich habe einen staubtrockenen Mund. Dann laufe ich in die Wechselzone rein, mein Rad ist ja ziemlich weit vorne.
Raus aus dem Neo, ich lege ihn ordentlich auf meinen Beutel unter dem Radständer Brille, Haarband, Helm, Startnummer, Rad schnappen und los. Der Weg ist ziemlich weit und ich bin heilfroh, dass ich barfuß laufen kann und nicht in Radschuhen laufe. Dann kommt der Balken, ich steige gesittet auf mein Rad, in einen Schuh und auf den anderen und radele los. Nach kurzer Zeit steige ich in den zweiten Schuh, mache ihn und den anderen zu, alles problemlos. Der Spaß kann beginnen!
Nach einem kurzen Stück Fahrradweg kommt der längere Anstieg auf der Straße, ich fahre zu. „Hammer the bike“ lautet die Devise, naja ein mini-Hämmerchen, aber ich fahre flott los. Und überhole. Und werde überholt. Klar, die Ligastarter waren ja hinter uns auf der Fähre und ich bin sicher nicht schnell im Wasser gewesen. Ich fühle mich gut auf dem Rad, fahre immer so, dass ich denke, die Oberschenkel gehen nicht zu, aber es ist anstrengend. Ich atme zumindest heftig. Auf der ersten Abfahrt mache ich gut Tempo, die Abfahrt mit den Serpentinen nehme ich respektvoll. Der dritte Anstieg kosten ganz gut Körner, aber die Abfahrt danach ist grandios. Es kommen immer wieder Gruppettos von hinten und überholen. Hallo? Von 10 m Abstand schon mal was gehört??? Nein, die fahren immer weiter in Gruppe. Zwar kurvt auch immer mal ein Kampfrichter auf dem Moto rum, sagt aber nix zu den Jungs. Was solls, ich mache mein Ding und rege mich nicht darüber auf, das kostet nur Energie. Nun kommt der Anstieg nach Sassenberg. Ein Radler flucht vor sich hin, ich versuche ihn aufzumuntern, als ich überhole „das ist jetzt der fieseste, gleich geschafft!“. Dann bin aber ich diejenige, die Aufmunterung braucht, dann plötzlich fährt es sich unrund - ich sehe dass ich einen Platten vorne habe. Nee, echt... Das brauche ich nun gar nicht - es lief doch so gut. Also angehalten, ein Radler überholt mich und lästert noch „wer sein Rad liebt, der schiebt!“ dann sieht er meinen Platten und entschuldigt sich. Ich schaue kurz auf die Uhr - 1:14 steht da als Rundenzeit. Auf dem Grünstreifen hole ich erst mal das Vorderrad raus, dann einen neuen Schlauch und die Reifenheber aus der Satteltasche und los geht‘s. Fast finde ich es lustig. Klar ist das doof, aber es geht ja um nix, noch nicht mal um die goldene Ananas, also kann ich auch mal einen Defekt im Wettkampf haben und diesen beheben. Kaputten Schlauch raus, Mantel abfummeln, ob was drin steckt, nix. Hmmmmm... Also neuen Schlauch rein. Ach ja, leicht anpumpen hilft. Mini-Pumpe aus der Satteltasche gefummelt, angepumpt. Schlauch rein, Mantel drüber. Aufpumpen. Aufpumpen. Mannomann, ich muss doch mal diese Patronen ausprobieren, wo mit einem Schuss der Reifen aufgepumpt sein soll. Ich pumpe mir hier echt einen Wolf. Derweil ziehen Legionen an Radlern an mir vorbei, viele haben ein aufmunterndes Wort für mich. Danke!!! So, das muss jetzt reichen an Reifendruck, Rad wieder rein, Satteltasche wieder befüllt und los. Ich schaue auf die Uhr 1:24. Himmel, ich habe 10 Minuten hier rumgedaddelt?! Au weia. Also trete ich rein, Ich bin offenbar so erholt durch meine Pause, dass ich viele am Rest des Anstiegs überhole. Dann gebe ich alles. Bete ein bisschen, dass die Luft hält und dass nicht noch ein Defekt kommt. Die nächsten Anstiege kommen etwas unvermittelt und ich war nicht mehr so ganz darauf eingestellt, wollte nur noch „bolzen“, aber hilft ja nix. Dafür konnte ich dann auf der langen Abfahrt nach Bonn runter wieder gut Gas geben. Am Ende des Fahrradweges dann raus auf die Schuhe, Beine lockern und da kommt auch schon der Balken.
Absteigen und durch die endlos lange Wechselzone schieben. Rad aufhängen, Helm ab, Nummer nach vorne. Hinsetzen, Söckchen an, Schuhe an, aufstehen, los.
Ui. Laufen. Ja. Ich bin ja sofort draußen aus der Wechselzone und auf der Laufstrecke gibt‘s erst mal ein Wasser. So ganz geradeaus schauen kann ich noch nicht, aber das wird schon. Da stehen Bekannte am Straßenrand und feuern mich mit Megafon an - wie geil ist das denn?! Nach 2,5 km kommt der Wendepunkt, ich bekomme mein erstes Rundengummi, Wasser, ein Schluck Cola und weiter. Ich laufe irgendwie ein gefühlt „mittelflottes“ Tempo, will & kann nicht schneller. Immerhin bin ich seit Monaten nicht mehr länger gelaufen. Immer nur 5-8 km, weil meine Plantarsehne und meine Schienbeine rumzicken. 15 km sind da ein Experiment mit ungewissem Ausgang. Ich schaue nicht auf die Uhr, will nicht wissen, wie schnell ich bin. So langsam habe ich mich sortiert und kann die Strecke genießen, die erste Runde ist geschafft. Wieder Support, Abklatschen, ich freue mich. Ich laufe zwar nicht schnell, aber es läuft. Das zweite Rundengummi. Super. Die Hälfte ist geschafft. Dann geht es auf die letzte Runde. Nochmal Abklatschen, laufen. Die Laufstrecke leert sich nun ein wenig, ich überhole mehr als dass ich überholt werde. Letztes Rundengummi und ich fange an zu grinsen. Auf dem letzten km bin ich nur noch am Strahlen - ich weiß, gleich ist es geschafft. Ich biege in die Zielschleife ein, genieße die letzten Meter und bin im Ziel!!!!
Wow. Ich falle fast in eine Helferin rein, die meine Rundengummis haben will. Ja klar. Ach ja, Uhr anhalten. 4:23. Egal. Ich bin im Ziel. Habe das Schwimmen ohne Panik überlebt, bin gut Rad gefahren und habe einen Schlauch gewechselt, und mein Fuß und meine Beine waren brav und haben mich ordentlich über die Laufstrecke gebracht! Meine erste Mini-Mitteldistanz ist geschafft! Ich bin super stolz und freue mich nur noch.
Bonn ist wirklich eine toller Triathlon, der Start von der Fähre etwas ganz besonderes, die Radstrecke durchs Siebengebirge wunderschön, die Organisation gut und die Helfer vor Ort unheimlich nett!
Von: Anja Dix