Aktuelles vom Triathlon

Aloha Hawaii

Sonntag, 12. November 2017, 14:12

Schwimmen in der Bucht von Kona

Und da sind wir nun auf Kona gelandet. Wir, das ist meine Frau Tina und ich, Dirk Löwer. Wir haben den weiten Weg nach Big Island mit einer Zwischennacht auf Kauai geschafft.  Und jetzt sind wir tatsächlich hier: bei der Ironman Weltmeisterschaft 2017 auf Hawaii. Ein unbeschreibliches Gefühl! Nicht ohne großen Respekt vor dem Schwimmen im Meer, der windanfälligen Strecke von Kona nach Hawi und zurück und vor dem anschließenden heißen Marathon zwischen den Lavafeldern. Dazu kommen die vielen Erzählungen und Sagen über die Strecke.

Im Vorfeld habe ich viel im Internet gelesen, über hohe Wellen, Schlägereien und Tritte beim Schwimmen, über drohende Winde und sengende Hitze beim Marathon.

Es gibt angenehmere Herausforderungen, aber ich wollte es ja so ;).

Nach dem Ankommen heißt es erst mal akklimatisieren und einkaufen (wir haben eine schöne Oceanfront-Ferienwohnung in ca. 2 km Entfernung vom Schwimmstart gebucht, inklusive Schildkröten beobachten vom Balkon). Schon morgens auf dem Weg zum Schwimmen gibt es den Triathlon-Wahnsinn. Normalerweise gehe ich diesem ganzen Trubel vor einem Wettkampf aus dem Weg, lege lieber die Füße hoch und konzentriere mich auf das Rennen. Hier wird man aber permanent damit konfrontiert, und man sieht täglich mehr ankommende Athleten und Begleiter, das kleine beschauliche Städtchen Kona quillt aus allen Nähten. Und wir mitten drin. Zwischen Underpantsrun und Nationenparade - ein bisschen viel alles - hin- und hergerissen zwischen dem Ruhebedürfnis und dem „Alles mitnehmen-Drang“ in Kona. Dennoch, ich genieße es.

Morgens geht es schon auf dem Weg zum Schwimmen los. Überall andere Sportler. So konnte ich auch meine beiden Mitstreiter aus meinem Verein, Jürgen Bäuerle und Reinhardt Spiegelhauer treffen.

Eintracht Frankfurt Hawaii StarterEintracht Starter: v.l.n.r. Dirk Löwer, Jürgen Bäuerle, Reinhard Spiegelhauer

Das Schwimmen im Meer ist toll. Klar gehören auch Wellen dazu. Aber aus den verschiedenen Quellen im Internet wurde es aus meiner Sicht viel schlimmer dargestellt, als es ist.

Zwei Tage vor dem Wettkampf habe ich meine persönliche Gummibärchenparty für die Kohlenhydratauffüllung wie immer gut mit Cola und Fanta gefeiert. Mein Rad hat übrigens den Transport super geschafft. Dank des Radkoffers, den ich mir bei Eintracht Frankfurt Triathlon leihen konnte. Super Angebot, sehr zu empfehlen! Ich habe es vor Ort noch mal checken lassen, weil meine Frau so auf mich eingeredet hat. Und das war gar nicht so schlecht. Ein Radprofimechaniker hat noch eine kleine Veränderung im Tretlagerbereich durchgeführt.  Mein Rad und ich - wir sind also startklar. Und meine Frau auch. Wir sind die neuralgischen Punkte durchgegangen, damit wir uns auch oft sehen können. Aber auf Hawaii ist dies doch nicht so schwer.

 

14. Oktober - Wettkampftag.

Wie immer geht der Wecker um 03:45 Uhr und es ist schön zu sehen, wie auch in unserem Apartmenthaus die Lichter der anderen angehen. Frühstück: Toast, ein paar kalte Nudeln vom Vortag. Klar, und ´n Kaffee darf bei mir nicht fehlen.

Konzentriert machen wir uns auf den Weg, verabschieden uns. Ich gehe zum Bodypainting. Ich fühle mich locker, habe gut geschlafen. Am Rad noch mal die Reifen aufpumpen und das Rad durchchecken, Radschuhe befestigen.  Alles gut. Nur der Helm ist voller Wasser. Es hat stark geregnet in der Nacht. Ich denke mir: Hey, ein kühler Kopf ist mir heute also sicher. Ich bin (wie immer) ein bisschen zu früh dran. Also noch mal raus zu meiner Frau. Wir haben ein paar Fotos gemacht für unseren Blog und die Facebookseite tri-konfekt.de. An dieser Stelle vielen herzlichen Dank an alle Eintrachtler, die mir dort geschrieben haben. Ich habe so viele von Euch im Rücken gehabt, das war ein tolles Gefühl!

Schwimmstart. Erst die Profis. Ich mache mich fertig, Badekappe auf, mit den anderen Startern über die kleine Treppe in die Bucht ins warme Wasser. Kurzes Einschwimmen.  Viele sind schon auf der Startlinie. Ich ordne mich links ein, um mich aus den gröbsten Tritten und Schlägen heraus zu halten.

Der legendäre Kanonenschuss. Jetzt geht es wirklich los. Ich bleibe konzentriert, schwimme langsam an, finde gut in meinen Rhythmus. Immer wieder habe ich ein paar Schwimmer vor mir, hinter denen ich sehr gut herschwimmen und den Wasserschatten ausnutzen kann.  Von Tritten und Schlägen ist erst mal nichts zu spüren.

Nach dem Wendepunkt auf dem Rückweg ändert sich das. Es sind auf einmal sehr viele Schwimmer um mich, ein zwei Tritte gegen meine Schwimmbrille, zum Glück verliere ich sie nicht, kurz richten, weiter geht´s. Am langgezogenen Pier vorbei - und schon habe ich das Schwimmen mit einer für mich tollen Zeit von 1:09 Stunden geschafft.

Für mich gibt so ein Massenstart ein richtiges Renngefühl, im Gegensatz zu den Rolling Starts. Wie auch immer, das Eintracht Frankfurt Triathlon Schwimmtraining unter Björn Hauptmann hat Früchte getragen! Danke Björn!

Es kommt die Wechselzone und dann geht es schon ab aufs Rad zur legendären Strecke nach Hawi und zurück.

Ich mache mich gleich ans Überholen und da ist er - der gefürchtete Gegenwind. Aber, die Beine fühlen sich gut an, so kann ich meine angepeilten Wattwerte auch umsetzen. Auf dem Rückweg nach Kona habe ich bei Kilometer 120 einen Krampf, und mache mir Gedanken. Bin ich alles zu schnell angegangen? Oder habe ich nur zu wenig Salz zu mir genommen? Ich werfe schnell zwei Salztabletten ein und nehme mir vor, diese nun regelmäßig zu nehmen. Die Salztabletten in meiner Maltodextrin Mischung könnten zu gering dosiert sein. Sonst fühle ich mich ganz gut. Mit meiner selbst gemischten Maltolösung habe ich auch kein Magengrummeln. Doch die Beine - sie werden schwerer.

Endlich geschafft! Rad abgeben - an einen der vielen fleißigen Volunteers. Die sind echt klasse, beim Rad einchecken traf ich auf Amanda, die extra aus Portland angereist war. Es gibt hier viele, viele Amandas und eigentlich wären ihre Geschichten auch erzählenswert. Doch leider habe ich zu wenig Zeit, sie mir erzählen zu lassen.

In dem kleinen Wechselzonen-Zelt von 60qm mit zig Athleten findet sich leider nicht sehr schnell ein Platz. Socken an, Laufschuhe und den Gürtel mit weiterer Maltolösung anlegen.

Motiviert starte ich das Laufen - doch ich habe das Gefühl, ich komme nicht von der Stelle. Die Beine sind schwer und es ist wirklich heiß.  Den Ali´i Drive entlang, überall viele Zuschauer. Das ist schön, bietet eine willkommene Abwechslung und hilft. Auch, dass ich plötzlich Tina sehe. Kurzer Kuss und weiter. Der Streckenabschnitt führt an vielen Häusern vorbei, und einige Anwohner sorgen mit ihrem Gartenschlauch für eine wunderbare Abkühlung. Woooow. Kaltes Wasser kann wirklich helfen. Es läuft wieder. Vor der Palani-Road sehe ich meine Frau noch mal. Ich fühle mich okay. Doch jetzt geht es diese Straße hoch. Sie ist steil. Sehr, sehr steil. Sie endet scheinbar nie. Und bis zum Highway muss ich gehen. Der Highway ist dann wieder im Lauftempo möglich. Auch er: unendlich. Die gerade, breite Straße ist überzogen mit Läufern bis zum Horizont. Ich fokussiere mich auf kleine Ziele, versuche den Kopf auszuschalten. Es läuft nicht wirklich gut. Nur nicht daran denken. Von Verpflegungsstelle zu Verpflegungsstelle. Linker Fuß, rechter Fuß… kurz gehen, viel Eis ins Trikot, Wasser, auf den letzten 15 Kilometern nehme ich auch Cola. Ich bin im sagenumwobenen EnergyLab.  Es ist windig. Es ist heiß. Ich kämpfe. Irgendwie. Weiter. Und irgendwann taucht sie wieder auf: die Palani Road. Und diesmal geht es bergab. Und dann ist es gar nicht mehr so weit. Ich kann sogar meine Geschwindigkeit erhöhen und erreiche den Zielkanal. Ich höre meine Frau. Ein schnelles Küsschen und den Zieleinlauf einfach nur genießen. Am Ende tanze ich ins Ziel. Verrückt - und ich weiß auch nicht warum. Ich bin einfach erleichtert und spüre ein unbeschreibliches Glücksgefühl.

Hawaii Finisher Dirk Löwer

Hawaii Finisher Dirk Löwer

Und für die Statistiker die Zeiten:

Schwimmen 01:09:14
Rad 05:12:46
Laufen 03:55:24
Geamt 10:25:33

Und ich wurde oft gefragt, ob ich wiederkommen möchte. Ja, ich will. Aber dann mit einer besseren Laufleistung, denn das war das einzige womit ich nicht zufrieden war :)

Ach so, Kauai und Maui lohnt sich sehr für den richtigen „Urlaub“ danach. Und ja, es gibt noch weitere Inseln… ;)

Aloh

Von: Dirk Löwer

 

 

 


 

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