Aktuelles vom Triathlon

10. OstseeMan in Glücksburg

Sonntag, 14. August 2011, 20:54

"Machen wir es noch brutaler - muss sich Petrus beim Gestalten der Wetterbühne für den zehnten Ostseeman gedacht haben. 3,8 Kilometer Schwimmen, danach 180 Kilometer Rad fahren und dann auch noch einen Marathon. Insgesamt 226 Kilometer am Limit dessen, was ein Athletenkörper leisten kann - diese für viele schon unvorstellbar hohe Messlatte wurde am Sonntag in Glücksburg noch einmal kräftig höher gelegt.

Riesige, bedrohlich graue Blumenkohlwolken schiebt der kräftige Wind aus Südwest um 6 Uhr früh von der Förde auf den Strand. Heftige Böen peitschen dazu den Regen waagerecht über die mit weißen Schaumköpfen getupfte Ostsee. Die gefühlte Temperatur beträgt keine zehn Grad. Doch am stürmischen Strand tummeln sich weit mehr als 580 Einzelstarter und 280 Staffelschwimmer auf dem Weg zum Einschwimmen. Hunderte Fans des Extrem-Triathlons über die legendären, von Leid und Leidenschaft geprägten Ironman-Distanzen trotzen dem Herbsteinbruch. Mit Kind, Kegel und Klappstühlen pilgern sie dick eingepackt zum von dramatischer Musik umhüllten Startbereich. Auf dem Weg zu einem Sporttag, der tausenden Zuschauern bis zum Abend viele unvergessliche Eindrücke und auch noch reichlich Sonne bietet."

So beginnt der Bericht in einer Schleswig-Holsteinischen Zeitung.

Hätte ich den Bericht vorher gelesen, ich wäre nicht gestartet! Flach gegen den Wind drücken und vorher ein Schwimmerchen im Meer. Das war mein Gedanke zur Wahl der 1. Langdistanz nach 7 Jahren Ironman-Pause.

Doch fangen wir am Freitag an. Das OstseeMan-Wochenende wurde auf dem Marktplatz mit Jazz-Musik und der offiziellen Begrüßung sehr herzlich eingeläutet. Danach ging es hinter den Flaggen der aus 12 Nationen startenden Teilnehmer durch Glücksburg Richtung Pastaparty. Am Samstag gab es die Starts der OstseeKids. Schwimmen im Meer und danach laufen durch den großen Zieleinlaufbogen! Kostenlos für alle, mit schönem T-Shirt, Medallie und gemeinsamen Foto auf der Tribüne für die Zeitung. Ein tolles Erlebniss für alle Kinder!

Nun zum Wettkampf-Sonntag, der sich beim Aufstehen um 3:00 Uhr morgens mit voller Ostseegrausamkeit ankündigte. Wolkenbruchartiger Regen! Wettkampffreude sieht anders aus! Zum Einrichten der Wechselzone war es aber dann zum Glück trocken und ein „Sheriff“ begrüßte mich in der Wechselzone mit:“ Hallo Eintracht Frankfurt, schön, dass Ihr auch da seid. Ich bin auch aus Frankfurt“. Dass ich meinen Tacho Zuhause vergessen hatte, war beim Anblick des Wellengangs dann  aber eher nebensächlich. Ein älterer Starter aus der Region brachte es trocken auf den Punkt: „Alter Schwede, ruhige See geht Anders“! Jegliches Vorhaben an Zeiten legte ich zur Seite – Überleben war angesagt. Stefan Opitz, den wir dort trafen, gab mir noch ein paar Tipps, wie das am besten klappen könnteJ Zu durchschwimmen waren 2 Runden im Dreieck, ohne Landgang. Mit Adrenalinhöchswerten gebe ich noch ein kleines Interview warum ich denn nun (eine von 59 startenden Frauen) heute beim OstseeMan starte…

Die Nationalhymnen aller startenden Nationen werden kurz angespielt und ein Pastor gibt uns bei seinem Segen die Nachricht mit auf den Weg, dass Gott überall ist! Endlich ist es soweit, Startschuß und ab in die Wellen! Ich schwimme möglichst allein, um nicht beim Wellengang jemanden über mir zu haben, an Drafting ist nicht zu denken, beim Atmen sehe ich in den Himmel, um möglichst kein Wasser zu schlucken; und zur Orientierung muß ich Brustschwimmen sonst kann ich die Bojien nicht ausmachen. Die von mir gehassten Quallen sind aber kaum zu sehen, sie haben sicherlich vor den Wellen Schutz gesucht…, wenigstens etwas!!! Als ich dann endlich wieder festen Boden unter den Füßen hatte zeigte mir die Uhr 1:24:42 (2. AK). 10 Min. - schlechter als sonst aber sehr gut für die Verhältnisse.

Der Himmel klarte auf und ich wurde in der 2. von 6 Radrunden mit trockenem Untergrund und Sonne belohnt und mit einem platten Vorderrad beschenkt! Glück im Unglück, der Pannendienst stand gerade in der Nähe sodass ich nach knapp 12 Min wieder auf der Strecke war. Alles lief wie geschmiert ein Schnitt von ca. 30km/h. Viel- leicht etwas weniger bis mich in der 5. Runde Platten Nr. 2 ab- bremste. Das Hinterrad wollte nun „fachfraulich“ erneuert wer- den.. mpf. Leichte Panik machte sich in mir breit. Die Uhr lief heute entscheidend gegen mich - bis mich ein freundlicher Radler aus der verzweifelten Lage mit einem gekonnt schnellen Schlauchwechsel rettete. Was aber blieb waren die 1500 Hm. Und die steife Brise aus Südwest! Mit knapp 30 Min. Verspätung ging ich dann nach 6:48.08 auf die Laufstrecke (4. AK). Adieu, anvisierte Radzeit! Die 5 knackigen Laufrunden führten kurzweilig durch einen Campingplatz am Förderufer entlang. Hinauf in den Ort, um das wunder-schöne Wasserschloss herum und dann hinunter zur Kurpromenade am Ziel vorbei in die neue Laufrunde. Dort erwartete uns jedes Mal eine riesen Party. Solarer Berg auf der Laufstrecke! Zeitweilig hängte ich mich an eine Staffelläuferin die mich bewundernd lobte. Das nahm zwar keine Schmerzen, aber streichelte die bis dahin geschröpfte Seele. Nach 11:54:und ebbes  brachte sie ihr Staffelholz ins Ziel. Schnief, das war bisher immer meine Zeit !!!  Ich aber hatte noch eine Runde in der ich am Ende mehr Gas geben konnte. Wie schön wenn man am Ende nur noch überholt. „Nein Danke, kein Gel mehr, bin auf der letzten Runde!" Ha, das tut gut!!! Der Sheriff von heute morgen rief mir aufmunternd zu schön locker zu bleiben und dass die Eintracht gewonnen habe! Na denn? Ich bedankte mich bei vielen Helfern und Zu- schauern auf der Strecke. Am Ende wurde ich belohnt mit einem Zieleinlauf mit meiner Maus. Selina rannte was sie konnte und grinste wie ein Honig-kuchenpferd. Aus mir schrie die Erleich- terung etwas Großes geschafft zu haben… nach 7 Jahren endlich wieder dabei! Mit einem Marathon von 4:38:47 (5. AK) war ich bei  dieser hügeligen Strecke ganz zufrieden und die Endzeit von 12:51:38 (4. AK) zeigt mir,  dass nicht immer alles perfekt läuft!

Am Ende sei bemerkt, dass 1400 Starter gemeldet waren (582 Einzel- und 840 Staffelstarter). Von 59 gemeldeten Frauen kamen 41 ins Ziel. Mich hat es auf Pos. 24 gebracht. Eine grandiose Veranstaltung, die ihre Startgebühr von 180 EUR mit jedem Cent wert ist!

OstseeMan ich komme wieder, denn wir haben noch eine Rechnung offen;-)

Von: Ute Frank

 

 

 


 

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