Ironman Frankfurt 2010 – Hoffnungen/Realität
Samstag, 17. Juli 2010, 11:03


Ich hatte (vor dem Neoverbot) die Hoffnung, den IM zwischen 11:30 und 12:00 zu beenden. In der Realität wurden daraus 12 Stunden und 11 Minuten. Was nun? Daumen hoch, Daumen runter? Wohl eher Daumen seitlich.
Wettkampf
Vorm Schwimmen war es schön. Alle guckten cool und waren gut drauf.
Ich vermisste meinen Neo. Fühlte mich nackt und etwas verunsichert; war aber voller Vorfreude auf den kurzen Landgang. Dort zeigte der Blick auf die Uhr, dass auch diesmal kein Wunder geschah. Ich versuchte, die Sache locker, aber mit Anstand zu Ende zu bringen. Nach langer, langer Zeit (1:43) durfte ich das Wasser verlassen. Einige Zuschauer waren noch da und klatschten. Jetzt konnte der Wettkampf beginnen.
Aber zunächst mal umziehen, Sand abspülen, Dixi-Besuch. Als ich auf dem Rad saß, waren schon wieder 10 min rum. Das wollte ich eigentlich besser machen.
Fürs Radeln hatte ich mir vorgenommen, nach Puls und Watt zu fahren. Nachdem ich zu Beginn erst mal mit Essen und Trinken beschäftigt war, lief es ganz gut. Nach 50/60 km traten dann doch einige techn. Probleme auf. Erst fiel die Wattanzeige, dann auch der Puls aus. Außerdem wurde es immer schwerer und gegen Ende dann unmöglich, auf das große Blatt zu schalten. Schlechtes Timing.
Nach 6:02 war auch die 2. Disziplin zu Ende. Zwar 30 min besser als 2008, aber insgesamt eher naja.
Ich freute mich auf das Laufen und die tolle Stimmung an Main.
2008, bei meinem ersten IM, war die finale Disziplin sehr schön. Nach meiner Erinnerung schwebte ich seinerzeit wie eine Feder leicht und locker über die Laufstrecke. 2010 gelang dies wieder; allerdings nur auf der ersten Runde! Die zweite Runde wurde schon deutlich schwerer. Ich versuchte mich abzulenken. Dachte an das grandiose 4:0 gegen Argentinien und hangelte mich von einem Stimmungsnest zur nächsten Anfeuerung. Vielen, vielen Dank für die super Unterstützung. Ihr habt für mich geschrien, getanzt, Fahnen geschwenkt und gelogen (Du siehst gut aus). Es fühlte sich an, als ob ihr extra wegen mir an die Strecke gekommen seid. Es war sicher anstrengend, bei 45 Eintrachtler, die viermal vorbeikommen.
Aber auch hier lassen sich Unterschiede feststellen. Die ganz Harten standen in der Sonne und hatten höchstens eine Trinkflasche in der Hand. Die etwas Gemütlicheren saßen/lagen im Schatten. Mit einem Würstchen im Mund und einem Bierglas in der Hand. Vielleicht war das auch nur eine Fata Morgana, denn mir ging es ab Km 20 doch deutlich schlechter.
Mein Magen-Darm Management sagte mir: Junge lauf langsamer, sonst zeigen wir Dir, was Sache ist.
Ich versuchte, meinen Laufrhythmus beizubehalten. Legte aber bei jeder Verpflegungsstation eine Gehpause ein, nutzt fleißig das Wasserangebot und suchte das schönste Dixihäuschen. Auf der letzten Runde ging es dann wieder etwas besser. Der Römerberg lockte.
Im Ziel lag die Laufzeit dann bei 4:13; erstaunlicherweise nur 15 min schlechter als 2008. Gefühlt war das jedoch mindestens ein 5-Stunden-Lauf!
Der Zieleinlauf war dann natürlich wieder pure Freude. Ja, Laufen kann so schön sein. Alle Schmerzen und negative Gedanken wie weggeflogen. Durch das Ziel, Medaille und Handtuch um den Hals und in die Arme meiner Tochter.
Schon auf dem Weg zum Paulsplatz wird alles Leiden verdrängt. Spätestens nach dem Duschen beginnt die Fehleranalyse und die immerwährende Suche nach dem idealen Wettkampf.
Was sind wir doch bekloppt!!
Bilanz und Ausblick
Die 12-Stunden-Marke habe ich nicht geknackt. Es gibt jedoch genügend Ausreden und unterschiedliche Sichtweisen.
Der Schulterklopfer in mir sagt: He Alter, was willst Du mehr.
Drittältester Finisher und über 800 Männer waren länger unterwegs sowie Platz 6 in der AK.
Der stets unzufriedene Nörgler ärgert sich über die alten Fehler, den Einbruch auf der Laufstrecke und weist genüsslich daraufhin, dass der Abstand zur AK-Spitze doch gewaltig ist.
Es ist auch egal, wer Recht hat. Triathlon ist eine großartige Herausforderung. Ich will weiter mit Leidenschaft dabeibleiben und nicht aufgeben, Hoffnungen zu realisieren.
2011 habe ich keinen IM geplant. Es gibt noch soviel Anderes zu tun. 2012, dann in der AK 65, will ich es noch mal probieren, getreu dem Motto: Fehlt Dir das Talent, versuche es mit Beharrlichkeit.
Von: Jürgen Bäuerle