Die Eintracht leistet schon seit Jahrzehnten einen nicht ganz uneigennützigen Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität vieler asiatischer Tischtennisspieler. Dies geht zurück bis ins Jahr 1979, als die Eintracht eine „sportliche Patenschaft“ übernahm und, mit Hilfe von Sponsoren, zwanzig vietnamesische ehemalige „Boat People“ von der Cap Anamur mit Spielkleidung und Spielutensilien ausstattete. Seit dieser Zeit bilden diese
Ballkünstler eine wichtige Stütze der Abteilung, haben sich jederzeit als äußerst zuverlässige und angenehme Zeitgenossen erwiesen und sind aus dem Verein nicht mehr wegzudenken.
Wang, der erste Chinese in der Bundesliga
Die Bundesligasaison 1980/81 sollte als ein weiterer markanter Farbtupfer der Eintracht Historie in Erinnerung bleiben. Es war die Saison, in der es gelang, als erster deutscher Verein einen Zelluloidvirtuosen aus dem Reich der Mitte in einer Punktrunde einzusetzen.
Vorwegzunehmen ist, daß es sich abzeichnete, daß ein Verein, der in der Bundesliga den Titelgewinn anstreben wollte oder auch nur den Klassenverbleib gesichert sehen mochte, sich in einem (nicht immer vertretbaren) Maße finanziell engagieren mußte, wie dies in den Jahren zuvor niemals erforderlich schien.
Daß Abteilungen eines Großvereins nicht generell (wenn überhaupt) bevorteilt
waren, davon konnte auch unsere Abteilung ein Lied singen. Seit Jahren schon stand der gleiche Etat zur Verfügung, unabhängig davon, ob die Fußballer nun erfolgreich waren (wie 1980, in dem bekanntlich der UEFA-Pokal gewonnen werden konnte) und der Zuschauerschnitt im Waldstadion ein Plus in der Kasse verhieß, oder nicht. Ein Namenssponsor durfte aufgrund der Satzung nicht mit ins Boot genommen werden, und nur durch Mitgliedsbeiträge war die Bundesligazugehörigkeit nicht mehr zu finanzieren.
So kam es auf den Einfallsreichtum und das Engagement des Abteilungsvorstandes an, denn schließlich galt es, den nach elfjähriger Zugehörigkeit zur Bundesliga-Mannschaft ausscheidenden Neu-Bundestrainer Klaus Schmittinger zu ersetzen. Wäre dies nicht gelungen, hätte man schon zu diesem Zeitpunkt mit einem Abgleiten in die Regionalliga Südwest rechnen müssen. Dabei kam die Mannschaft mit einem Etat aus, der in manchen Vereinen nicht einmal dazu ausgereicht hätte, auch nur die ersten beiden Spieler im vorderen Paarkreuz zu finanzieren. So faßte man einen mutigen aber auch finanziell cleveren Entschluß und wandte sich an mehrere Stellen in der VR China, mit der Bitte einen Spieler für einen
bestimmten Zeitraum zu vermitteln, der auch über Erfahrungen als Trainer verfügen sollte. Glaubte man anfangs nicht so recht an der Erfolg dieser ungewöhnlichen Aktion, so lag doch nur zwei Monate später bereits eine Zusage des Chinesischen Tischtennis-Verbandes vor. Wang Jiang Quang, 25 Jahre, Dritter der Einzelmeisterschaften 1975, Meister im Herrendoppel 1977, sollte von nun an die Farben der Eintracht tragen.
Gleichzeitig nahm man noch eine Chance wahr, die sich durch den sich sicherlich immer noch in guter Erinnerung befindlichen koreanischen Sympathieträger der Fußballer Bum Kun Cha bot. So bemühte man sich um die Verpflichtung der Nr.1 von Südkorea, Park Lee Hee
und erlangte ebenso überraschend schnell eine Freigabe durch den Südkoreanischen Tischtennisverband. So sah man sich unmittelbar vor der beginnenden Saison 1980/81 in der unerwarteten Situation, für relativ wenig Geld zwei hochkarätige asiatische Spielertypen in den eigenen Reihen zu haben, die das Spiel mit dem kleinen Ball zelebrieren sollten.
So kam es am 06.09.1980 gleich zum Saisonauftakt vor der für Frankfurter Verhältnisse großen Kulisse von fast 600 Besuchern in der Enkheimer Ried-Sporthalle zum Treffen mit dem amtierenden Deutschen Meister PSV Borussia Düsseldorf. Für die Mannschaft in der Besetzung Wang, Lammers, Park, Horsch, Sommer und Fischer kam dieses Spiel noch zu früh, denn
man unterlag deutlich mit 2:9. Aber welche Spielstärke Wang hatte, sah man in einem hochklassigen Spiel gegen die jahrelang die Tischtennisbundesliga dominierende „schwarze Perle“ Desmond Douglas, seines Zeichens englischer Nationalspieler. Der gebürtige Jamaikaner wirkte im Wang`schen Angriffswirbel manchmal wie ein tapsiger Bär, der von seinem Rivalen hin- und hergehetzt wurde. Die raffinierten Aufschläge, die unberechenbaren Schnittbälle und die knallharten Schmetterschläge des neuen Eintracht-Cracks bescherten ein auf diesem Niveau in der Bundesliga bis dahin noch nicht erlebtes Tischtennisfeuerwerk.
Auch Ex-Weltmeister Stellan Bengtsson aus Jülich mußte im weiteren Verlauf der Saison gegen Wang die Segel streichen.
Daß am Ende der Saison trotz der asiatischen Verstärkungen „nur“ ein fünfter Platz stand, lag letztendlich daran, daß Teams wie Borussia Düsseldorf, SSV Reutlingen, TTC Jülich oder der TTC Altena in der Breite der Mannschaft noch etwas besser besetzt waren, als die Eintracht. Trotzdem wird diese Episode des Vereins immer in schöner Erinnerung verbleiben.
In unschöner Erinnerung blieben aber die letzten Wochen der Saison als unabhängig vom sportlichem Erfolg ohne Vorankündigung der Hauptverein die Gelder für die Tischtennisabteilung um 25% kürzte. Mit diesem Etat war es nun offensichtlich nicht mehr möglich, ein konkurrenzfähiges
Team für die Bundesliga auf die Beine zu stellen. Frustriert gab der langjährige Abteilungsleiter Karl-Heinz Killmann auf und gab zwischenzeitlich sogar seinen Rücktritt bekannt. Vorwürfe gegen Präsidium, Verwaltungsrat und Management der Eintracht wurden erhoben, Absprachen seien gebrochen worden. Klar war, daß letztendlich die Tischtennisabteilung für die Finanzpolitik des Fußballmanagements büßen mußte. So stand kurzfristig sogar der Rückzug der eigentlich erfolgreichen Bundesligamannschaft im Raum, nachdem auch der langjährige Sympathieträger der Eintracht, Heiner Lammers, aus sportlichen Gründen neben dem Koreaner Park nach Grenzau wechseln sollte. Einfach aufgeben wollte man die langjährige Bundesligazugehörigkeit dann allerdings doch nicht.