Aktuelles vom Tennis

Eintracht verzichtet auf Protest ...

Montag, 27. September 2010, 01:16

„Schwerer Rückschlag für Tennis in Hessen“

Auf Euphorie folgt bittere Ernüchterung. Als am 07. August 2010 die Tennisherren von Eintracht Frankfurt beim Aufstiegsspiel in die Regionalliga Südwest den TSC Mainz mit 5:1 vom Platz fegten, wusste keiner der rund 800 Zuschauer auf der Anlage am Riederwald, dass die Partie kurz danach als verloren gewertet wird. Ein Funktionärsausschuss der Regionalliga Südwest hat jetzt das Urteil seiner Spielleiterin bestätigt, die der Eintracht einen Aufstellungsfehler vorwarf. Beim „Spiel des Jahres“ waren die Frankfurter nach Absprache mit dem Hessischen Tennisverband (HTV) mit der Mannschaft angetreten, die zwei Wochen zuvor den Landestitel gewonnen hatte. Zu dem siegreichen Team gehörten unter anderem der Mazedonier Rusevski und der Serbe Pelva-Gabor. Das Regionalliga-Statut weist indessen den hessischen Aufstellungsmodus, der den Einsatz von zwei Ausländern in einem Match erlaubt, als unzulässig aus, sofern die ausländischen Spieler (wie Rusevski und Pelva-Gabor) nicht aus einem EU-Staat stammen. Die abweichende Ausländerregelung war bis zur anschließenden Aufstiegsfeier weder den Verantwortlichen der Eintracht noch den HTV-Vertretern bewusst.

„Wir sind wahnsinnig enttäuscht“, sagt Ryszard Lempart, Abteilungsleiter der Eintracht. „Nachdem es in der Hessenliga gelungen ist, einen positiven Trend für Tennis in der Region zu setzen, stellt der Nicht-Aufstieg unserer Mannschaft einen schweren Rückschlag dar.“ Lempart übernimmt die volle Verantwortung für die Fehlaufstellung, kämpft jedoch für die Klärung der Umstände, die dazu geführt haben. „Wir haben den Fehler gemacht, uns auf die Information unseres Landesverbandes zu verlassen, anstatt selber zu recherchieren“, sagt der Abteilungsleiter. Besonders ärgerlich ist für ihn die Tatsache, dass sich der HTV in der Auseinandersetzung mit der Regionalliga als neutrale Partei sieht und jede Mitschuld an der sportlich versäumten Chance von sich weist. Dabei steht fest, dass die zuständige HTV-Referentin für Regelkunde dem Verein zwar über den abweichenden Spielmodus, jedoch nicht über die entscheidende Ausländerklausel informiert hat. Der vom HTV entsandte Oberschiedsrichter hat vor der Partie die Aufstellung der Eintracht, die mit der offiziell genehmigten Meldeliste übereinstimmte, satzungsgemäß geprüft und für korrekt erklärt. Der Sportwart des Landesverbandes kam zwischenzeitlich auf die Anlage und gratulierte voreilig zum Aufstieg. „Derselbe Sportwart“, sagt Lempart, „verkündet jetzt öffentlich, dass die zuständige Referentin für Regelkunde – im Privatleben seine Ehefrau – alles richtig gemacht habe.“ Der Abteilungsleiter hält dieses Verhalten für unanständig: „Es schadet unserem Sport, wenn Funktionäre nicht den Mut haben, Versäumnisse zuzugeben und stattdessen versuchen, nur die eigene Haut zu retten.“ Lempart will sich nicht mehr als Abteilungsleiter zur Wahl stellen. Er verzichtet auch auf einen möglichen Protest beim Deutschen Tennisbund, weil er nicht glaubt, dass man die „Funktionärsdenke der Verbandsmenschen“ verändern kann. „Wenn du mit dem Kopf gegen eine Betonwand rennst, macht das der Wand überhaupt nichts aus.“