Post Berlin Rugby zu Besuch.

Keine Atempause, Geschichte wird gemacht – Es geht voran! Im offiziellen Feierreigen und Jubiläumstaumel zu 25 Jahren Mauerfall könnte viel zu leicht vergessen gehen, dass Eintracht Rugby danach als erste westdeutsche Mannschaft eine ostdeutsche zum Freundschaftsspiel nach Frankfurt einlud. Es war aber so und zeigt, dass die Wiedervereinigung Deutschlands nicht nur für die Ostdeutschen Veränderung mit sich brachte, sondern auch im Westen mit Neugier und Engagement begleitet wurde.

Zeitzeugen gibt es noch, aber die Erinnerungen sind über die Jahre löchrig geworden. Weder in Berlin noch in Frankfurt ließen sich Menschen finden, die zur Entstehung dieses wohl historischen Besuchs noch etwas sagen konnten. Fakt ist jedenfalls, dass Post Berlin Rugby am 14. Februar 1990 zum Freundschaftsspiel auf Einladung der Eintracht nach Frankfurt anreiste und dass dann alles – wie wohl die gesamte Wiedervereinigung – mit heißer Nadel gestrickt, halb improvisiert und doch historisch erfolgreich war. Und nach allen zur Verfügung stehenden Informationen und Erinnerungen war dies der erste freie und selbst organisierte Besuch einer ostdeutschen Sportmannschaft in Frankfurt nach der Wende, vielleicht sogar in ganz Westdeutschland.

Allerdings ist in Ost wie West mittlerweile komplett in Vergessenheit geraten, von wem die Initiative ausging, wer den Erstkontakt herstellte und wie man überhaupt aufeinander aufmerksam wurde. Auf Frankfurter Seiten wird gemunkelt, dass das Projekt auf den legendären Abteilungsleiter Rudi „Studde“ Studzinski zurückgeht, dessen internationale Beziehungen berühmt waren und die dann den Kontakt nach Frankfurt, kurz nach der Wende gesucht hätten.

Jedenfalls - und das ist belegt - traf der damalige ostdeutsche Rugby-Club Post Berlin am Samstag, den 24.02.1990 vormittags im Frankfurter Hauptbahnhof ein. Die Eintracht Rugbyabteilung nahm Spieler und Funktionäre aus dem Osten in Empfang und man fuhr zunächst in die Eintracht-Gaststätte im Oeder Weg. Dort gab es zum späten Frühstück Schnitzel mit Pommes. „Ich habe vier Riesenstürmer in meinem Corsa zum Stadion gefahren“, erinnert sich Michael Moog. „Die waren begeistert: Boaah, wasn tolles Auto!“

Nach ausreichender Stärkung ging es dann gemeinsam zum Waldstadion, wo auf dem damaligen Rugby-Feld das Freundschaftsspiel der Eintracht gegen Berlin ausgetragen wurde. Die Berliner waren trotz der langen Anreise nicht müde und gewannen mit 8:25. Der damalige Eintracht Captain Ciaran MacGowan erinnert sich: „Klar waren die zu Recht sehr stolz, es war ja ihr erstes internationales Spiel.“ Besonders erfreulich war die Einladung des Eintrachtpräsidiums zum anschließenden Bundesliga-Fußballspiel gegen den VFB Stuttgart. Die Eintracht gewann seinerzeit 5:1. Wie die Zeiten sich ändern. Auf den Fotos vom Rugby-Spiel sieht man Polizeiwagen am Spielfeldrand rumstehen. Ein Rugbyspiel auf dem Vorfeld einer DFL-Bundesligabegegnung wäre heute aus sicherheitstechnischen Gründen wohl kaum mehr möglich.

Die Niederlage tat – Rugby typisch - dem freundschaftlichen Miteinander aber keinen Abbruch und so ging es zurück in den Oeder Weg, wo die Freundschaft vertieft wurde. Erfreulicherweise gab an diesem Tag die Turnabteilung eine Fastnachts-Veranstaltung und die damalige Leiterin der Turner, Hannelore Ruhl, ließ die Türen zur Halle öffnen, so dass die Rugbyspieler eine tolle Show zu sehen bekamen und ein begeistertes Publikum für die Vorführung der Turnerinnen und Turner waren. Der weitere Verlauf des Abends ist nicht mehr zu rekonstruieren. „Jedenfalls wurde sehr schön gesungen, jede Mannschaft hatte eigene Lieder“, weiß Thomas Bonge noch. „Und später hat man sich frei gemacht. Die Bräuche beim Rugby sind halt weltweit gleich – auch hinterm eisernen Vorhang.“

Fakt ist, dass die Eintracht- Spieler und Funktionäre den Berlinern Unterkunft gewährten und dass die Berliner reichlich mit Gastgeschenken bepackt am Sonntag wieder gen Osten fuhren.

Gert Lieck, damals Berliner Spieler und heute Kassenwart des RK03 Berlin schrieb: „Ja, ich war damals dabei. Ich habe aber leider überhaupt keine Bilder aus der Zeit. Das T-Shirt, das wird damals von den Frankfurtern bekommen haben, hatte ich noch viele Jahre zu Hause im Schrank. Es war ein sehr schönes Wochenende, die Frankfurter haben sich sehr fair uns gegenüber verhalten. Wir hatten ja noch kein Westgeld.“

Der ostdeutsche Verein „Post Berlin“ fusionierte nach der Wende zunächst mit dem West-Berliner Verein „Post Berlin“ bevor die Rugbyabteilung dann in dem RK03 Berlin mündete.

Rolf Krämer und Marko Deichmann