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Heinig: Meine Kenia-Motivation

Donnerstag, 09. März 2017, 15:22

Katharina Heinig ist bereits zum 12. Mal zum Trainingslager in Kenia und fühlt sich dort schon fast wie zuhause. In ihrem aktuellen Bericht schreibt sie unter anderem über ihre tägliche Motivation.

Gestern fuhr ein Matatu, ein Sammeltaxi, in unser Camp und brachte neue Gäste. Beim Aussteigen erkannte ich das Pärchen sofort wieder und hieß sie im Kerio View Hotel willkommen. Sie lachten und meinten, wir seien hier ja auch schon wie zu Hause. Ich bin innerhalb der letzten sieben Jahre bereits zum zwölften Mal hier in Kenia. Das lässt das Camp in Iten fast heimisch werden. Man kommt hier an, ist sofort da und kennt alles: die Tagesabläufe, die Menschen, die Umgebung und weiß, was einen erwartet. Zum einen ist das ein großer Vorteil, da ich nicht überrascht werden und mich voll auf das Training konzentrieren kann. Zum anderen gibt es nicht mehr viel Neues zu Entdecken und man weiß, was bevorsteht.

Psychische Belastung

Nach meinen ersten Aufenthalten habe ich immer ein Jahr gebraucht, um sagen zu können: „Ich bin wieder bereit für Kenia.“ Inzwischen sind wir bei drei Aufenthalten pro Jahr angekommen und ich bin von mir selbst überrascht. Es geht dabei nicht um die Erholung vom körperlichen Training, sondern um die mentale Erholung. Im Trainingslager brennt ein Sportler oder eine Sportlerin auf Dauerflamme - und das nicht nur bei den harten Trainingseinheiten, sondern 24 Stunden an sieben Tage der Woche und das vier Wochen am Stück. Klar, haben wir auch lockere Tage, aber der Kopf ist schon wieder weiter und denkt bereits an die nächste ‚Kotz-Einheit’. Und von diesen hat Kenia viele zu bieten!

Ein lockerer Nachmittags-Dauerlauf, der zu Hause im heimischen Wald gemütlich abgespult wird, wird hier zu quälenden 80 Minuten, in denen man beginnt, Selbstzweifel zu hegen und sich fragt, was man hier eigentlich macht. Ob das noch so gesund ist? Training in Iten, „The Home of Champions“, ist für mich trainieren am Limit. Nicht nur körperlich, sondern auch psychisch. Da ich sehr auf Höhe anspreche und der Effekt, der Höhentraining mit sich bringt, bei mir deutlich sichtbar wird, wenn ich wieder auf Normalnull bin, fällt mir das Trainieren auf 2400 Metern Höhe und in der Wärme sehr schwer. Oft bin ich deutlich langsamer unterwegs als meine Trainingskollegen, mühe mich bei bestimmten Einheiten ab, die sonst locker abgespult werden können. Obwohl ich weiß, dass das normal ist, baut es einen nicht gerade auf. Manchmal kommt man nach der ein oder anderen Einheit schon mit Tränen im Camp an und fragt sich: „Kann ich überhaupt noch laufen?“

Zwischen Heimweh und Zufriedenheit

Dazu kommen die körperlichen ‚Wehwehchen’. Ich rede nicht vom obligatorischen Muskelkater, sondern von Muskelschmerzen, kleinen Reizungen, Blasen und aufgescheuerte Stellen, Durchfall oder Magenprobleme, um die man hier nicht herumkommt. Werden bestimmte Schmerzen mehr oder gehen gar nicht mehr weg, nagt das am Gemütszustand. Die Nächte fühlt man sich dann wie eine Mumie – eingewickelt in Salbenverbände von oben bis unten. Die Gänge zum Physiotherapeuten sind Tagesroutine und halten uns weiterhin am Laufen. Ja, und dann ist da noch ein weiterer Begleiter, der weh tut: das Heimweh. Ich bin ein sehr familiärer Mensch und liebe es, zuhause zu sein. Natürlich habe ich den Vorteil, dass ich meine Eltern, besonders meine Mama stetig dabei habe. Immerhin ist sie meine Trainerin. Doch mein Freund und Lebensgefährte muss eine gute Jahreshälfte auf mich verzichten und ich auf ihn. Das sind schwere Zeiten, die es zu überstehen gilt.

Wenn ihr meinen Text lest, fragt ihr Euch bestimmt: „Warum tut sie sich das an?“ Eine einfache Antwort: Des sportlichen Erfolges und des Vorankommen wegen. Ich weiß: Wenn ich Kenia überstehe, habe ich physisch etwas drauf. Psychisch sowieso. Das kräftezehrende Training gibt mir Power in den Beinen - das mentale Training hier macht auch den Kopf hart und ist absolute Willensschulung für die Marathondistanz. Da Kenia meist anfangs des Jahres stattfindet, freue ich mich nach den zwei bis drei Aufenthalten hier oben auf die kommenden Lehrgänge im Laufe des Jahres. Vom Kopf sind diese für mich dann einfacher, auch wenn das Training nicht leichter wird.

Was wir dem Kopf so alles zu verdanken hat, was wir in der Lage sind zu leisten und motivieren kann. Tag für Tag – Einheit für Einheit. Das wir nicht aufgeben, sondern gegen den inneren Schweinehund und die körperlichen Schmerzen angehen. Das ist,  glaube ich das, was uns Leistungssportler ausmacht - für eine sportliche Leistung mit innerer Zufriedenheit!

Von: Katharina Heinig

 

 

 


 

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