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Betty Heidler: „Ich will eine Olympiamedaille gewinnen“

Dienstag, 31. Januar 2012, 09:52

Hinter Hammerwerferin Betty Heidler (Foto) liegt eine nahezu perfekte Saison. Im Interview blickt die Weltrekordlerin auf das vergangene Jahr zurück und spricht über ihre Ziele für 2012.


Betty Heidler, Sie wurden vor kurzem zur Leichtathletin des Jahres 2011 gewählt. Haben Sie denn selbst mit abgestimmt?


Ich nehme an solchen Wahlen nicht teil. Ich starte auch keine Rundschreiben oder Aufforderungen, damit die Leute für mich abstimmen. Wenn sie mich wählen möchten, dann sollen sie das aus Überzeugung tun.

Die Wahl fiel aber nicht zu Unrecht auf Sie. Hinter Ihnen liegt eine nahezu perfekte Saison.

Es war definitiv meine erfolgreichste Saison. Der Weltrekord war dabei das bedeutsamste Ereignis für mich. Nur die WM ist nicht so gelaufen, wie mein Trainer Michael Deyhle und ich das erwartet haben. Ich hätte auf jeden Fall mehr als 77 Meter werfen können. Ich bin mittlerweile trotzdem stolz auf meine Leistung, die ich in dem Wettkampf gebracht habe. Weniger auf die 76,06 Meter, als darauf, dass ich es geschafft habe, ruhig zu bleiben und mich zu steigern.

Haben Sie mittlerweile einen Grund dafür gefunden, weshalb es bei der WM nicht wie erhofft lief?

Wir waren einfach zu euphorisch, weil es im Training zu gut lief. Wir dachten es wird ein Selbstläufer. Aber so einfach ist es dann doch nicht. Im Endeffekt kann ich daraus jetzt jedoch mehr Schlüsse ziehen, als wenn es bestens gelaufen wäre.

Inwiefern?

Die Vorbereitung war super, daran müssen wir nichts ändern. Ich war perfekt in Form, konnte es bloß nicht zeigen. Aber die Herangehensweise an den Wettkampf müssen wir bei Olympia ändern.

Sie, Ihre Trainingspartnerin Kathrin Klaas und die Chinesin Wenxiu Zhang waren 2011 die Einzigen, die in jedem Wettkampf weiter als 70 Meter geworfen haben. Was ist das Geheimnis Ihrer Trainingsgruppe, dass dies gleich zwei Werferinnen daraus gelang?

Erst einmal war wichtig, dass wir beide in den letzten Jahren gesund geblieben sind und kontinuierlich auf unsere Leistungen aufbauen konnten. Dazu haben wir einen super Trainer. Er hat nicht nur ein gutes Auge, sondern denkt auch immer weiter und sucht Innovationen. Und nicht zuletzt die Konkurrenz in unserer Gruppe pusht uns. Wir schauen immer was die andere macht, sind ständig gefordert und gehen an unsere Grenzen.

Viele Athleten rätseln derzeit noch, wie sie die Saison mit Europameisterschaften und Olympischen Spielen angehen. Haben Sie schon eine Lösung gefunden?

Mein Vorteil ist, dass ich der Olympia-Norm im Normalfall nicht hinterherlaufen muss. Ich kann mich jetzt schon gedanklich auf Olympia vorbereiten. Mein Trainer hat viel Erfahrung in der Planung einer Saison und ich vertraue ihm dabei voll.

Mit welchen Erwartungen fahren Sie zu den Olympischen Spielen?

Ich bin total positiv eingestellt. Ich freue mich auf die geringe Zeitverschiebung und die kurze Anreise. Meine Eltern und Freunde haben schon Karten gekauft. Es sind meine dritten Olympischen Spiele, da ich das Drumherum schon kenne, werde ich mich noch mehr auf den Wettkampf konzentrieren können.

Und dort wollen Sie sicher nicht nur den Endkampf erreichen …

Ich belasse es dieses Mal bewusst bei dem Ziel, eine Medaille gewinnen zu wollen, und nicht unbedingt Gold. Die WM 2011 hat gezeigt, dass das nicht so einfach ist, auch wenn man als Favoritin anreist. Bei Olympia sind viele noch mal ein bisschen besser vorbereitet als sonst. Über Olympia-Silber würde ich mich dann auch mehr freuen als jetzt über WM-Silber.

Bei der EM in Helsinki gehen Sie aber auch an den Start?

Ja, aber die EM vor Olympia hat für mich schon einen anderen Stellenwert als 2010. Wir werden die Deutschen Meisterschaften und die EM aus dem Training bestreiten. Problematisch ist die Situation mit der Hammerwurf-Challenge, für die wir ja bei drei Meetings starten müssen, um in die Wertung zu kommen. Allerdings gibt es dieses Jahr noch weniger Meetings als sonst und es sollen zwei davon parallel zu den Deutschen Meisterschaften stattfinden.

Haben die Forderungen zur Gleichbehandlung der Hammerwerfer, die unter anderen Sie und Kathrin Klaas 2011 immer wieder vorgebracht haben, also nichts bewirkt?

Doch, national merken wir da schon etwas. Wir starten bei den Deutschen Meisterschaften zum Beispiel im Hauptprogramm, das war nicht immer so. Aber international ist die Situation nach wie vor sehr schwierig.

Von: Anja Herrlitz

 

 

 


 

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