Aktuelles vom Futsal

Erst der Titel – dann das Finale

Dienstag, 09. Februar 2010, 12:23

Heuer standen die Vorzeichen gut, für einen entspannten letzten Spieltag der Hessenliga: Der 5. Titel der Futsaler von Eintracht Frankfurt war – anders als in den letzten Jahren – bereits vor dem letzten Spieltag sichergestellt (Foto: Götze). Mit America Latina war der spielstärkste und attraktivste Gegner aufgerufen und ein Kamerateam von DFB-TV war angereist! Eigentlich die ideale Konstellation für eine gute Show, für technische Kabinettstückchen und eine Feier des offensiven Futsals. Aber – wie schon vor zwei Jahren bei der Süddeutschen Meisterschaft, als Latina zuletzt die Adler besiegen und aus dem Turnier befördern konnte, und nach diesem Kraftakte ihrerseits im Halbfinale scheiterte – gibt es zwischen diesen beiden sportlichen Dauerrivalen keine Schonzeiten. Hier wollen immer beide Teams gewinnen, und, trotz des diesmal teilweise fahrigen Spiels, bleibt auch an diesem Wochenende festzuhalten: Das ist gut so!

Die Adler waren gleich im Spiel und machten Druck auf das Tor der Latinos. Crespo spielt einen Lupfer auf Radan, der verlängert mit dem Kopf auf Lovchev, doch der gegnerische Torwart ist auf dem Posten (1’). Dann setzt sich Crespo gegen seinen Gegenspieler durch, doch sein Schuss lenkt der Keeper der Südamerikaner um den langen Pfosten: Die daraus resultierende Ecke wird geblockt, der Ball schon fast geklärt, doch Taboui an der Mittellinie behält die Übersicht und sein schneidender Pass landet bei Lovchev – der erzielt das frühe 1:0 (2’).

Kurz darauf windet sich Crespo wieder um seinen Gegenspieler herum und scheitert erneut am gut aufgelegten Schlussmann von America Latina (4’). Es hätte zu diesem Zeitpunkt bereits 3:0 stehen können – sogar müssen! Doch was war mit den gefürchteten Angreifern der Latinos um Kapitän da Silva los? Bisher hatten sie sich darauf beschränkt, gegen die gut – aber etwas zu tief – stehende Eintracht-Verteidigung mit Fernschüssen anzugehen, die für Torhüter Koch ein gehobenes Aufwärmprogramm darstellten, wirklich gefährlich aber nur für die Werbebanner hinter dem Eintracht-Tor waren. Ansonsten verzettelten sich die Südländer in Zweikämpfen.

Einen der daraus folgenden Ballverluste nutzen Taboui und Radan zu einem wunderschönen Konter mit doppeltem Doppelpass – aber Radan verfehlt mit seinem Schuss knapp das Ziel (4’). Doch dieser Konter und das hohe Tempo des Spiels zeigen erste Wirkungen. Taboui lässt den Gegner passen, Radan geht seinen Gegenspieler nicht konsequent an und die Nummer 10 der Latinos, Ivanilson, nutzt den Platz und schießt unhaltbar in lange Eck ein – das 1:1 (4’) war ein Geschenk der Eintracht-Verteidigung.

Jetzt waren beide Teams im Spiel angekommen und es begann ein Abnutzungskampf der impulsiven Art: Dieses Spiel war zwar nicht so hochklassig wie viele der zurückliegenden Duelle der beiden Teams, aber das lag nicht an spielerischen Mängeln, sondern daran, dass die taktischen Vorgaben von beiden Teams umgesetzt, aber auch mit einer sehr eigenen Dynamik versehen interpretiert wurden. Latina spielte ab dem Ausgleichstreffer ein konsequentes Pressing – mit nur kurzen Verschnauf-Intervallen – über fast die gesamte Spielzeit.

Eine enorme Energieleistung dieser Mannschaft. Die Adler konnten dadurch nur selten ihr effektives Passspiel über einen ruhigen Aufbau etablieren, sondern begegneten dem Pressing der Gegner wahlweise durch geschicktes Rochieren oder mit langen Bällen – in jedem Falle aber eben mit Tempo-Erhöhungen. So entwickelte sich ein durchweg schnelles Spiel, das immer wieder durch sehr schnelle Phasen beschleunigt wurde und nur manchmal durch spontanes Verlangsamen einzelner Spieler kleine Verschnaufpausen erhielt.

Latina begann nun, Angriffe auch einmal auszuspielen und überraschte damit Lovchev und Kniller, die weder Passweg noch Gegner zustellten, so dass sich ein Latino in ihrem Rücken an den langen Pfosten schleichen konnte und den Ball zur 1:2 – Führung über die Linie drückte (7’). Dass war vorbildhafte Effektivität des Gegners – zwei Abwehrfehler der Eintracht, zwei Chancen, zwei Tore. Lovchev wollte seinen Fehler umgehend gut machen, doch der wuchtige Schuss traf die Latte (8’). So in Rückstand geraten, zeigten die Adler ihre Krallen und begannen, die Latinos in ihre Hälfte zu drängen, ließen Ball und Gegner laufen und kamen zu weiteren guten Chancen: Taboui auf Radan, doch auch der trifft nur die Latte.

Danach setzt sich Radan gegen zwei Gegner durch, aber scheitert am Torwart (beides 12’). Dann kommt ein Einkick zu Lovchev, der schüttelt zwei Gegner ab und schiebt den Ball ins lange Eck, 2:2 (13’) – und zum Statistikvergleich: Die Adler brauchten für zwei Tore acht klare Chancen!

Dann wieder ein Konzentrationsmangel der Eintrachtler: Eckball Latina, Taboui stellt nicht zu, lässt sich dann düpieren, und Kniller kann nicht rechtzeitig rausrücken, der Schuss überrascht Torwart Koch und findet seinen Weg ins kurze Eck – wieder Rückstand 2:3 (14’). Die Lateinamerikaner sind jetzt heiß gelaufen, wollen mehr und rücken stärker auf. Sie erspielen sich eine weitere Chance, verpassen aber den Zeitpunkt zum Abschluss – Abwurf von Torwart Koch auf Beyazal, dessen Gegenspieler verschätzt sich und Beyazal vollstreckt eiskalt 3:3 (15’).

Nun verlor das Spiel etwas an Qualität, da sich auf beiden Seiten wegen der kraftraubenden Gangart einige leichte Fehler einschlichen. Mann kontrollierte sich gegenseitig, aber nach vorne geschah wenig Zwingendes. Allein der angeschlagen ins Spiel gegangene Zerouali brachte die Latino-Abwehr noch einmal ernsthaft durcheinander: Pass auf Özbek, der legt ab auf Zerouali, zwei schnelle Schritte und die Schussbahn ist frei – aber wieder kann der America-Keeper den Schuss mit Mühe ins Aus lenken (18’). Einziges Manko der Eintracht in der ersten Hälfte war die Chancenauswertung – so gesehen war der 3:3 Halbzeitstand unbefriedigend, denn man war die bessere Mannschaft gewesen und hatte mehr gespielt. Andererseits hatten die Jungs von America Latina die Adler überall auf dem Feld gestellt und beharkt und zudem eine beeindruckende Bilanz in der Chancenauswertung vorgelegt, das Ergebnis war bis dahin also durchaus verdient.

Die zweite Hälfte war von Beginn an besser als die erste. Frankfurt stellte die Gegner jetzt früher, so dass diese ihre Distanzschüsse nicht mehr so häufig anbringen konnten und Latina besann sich auf seine Qualitäten als Team, und wollte sich nicht mehr ausschließlich auf die herausragende Technik ihrer Einzelspieler verlassen. Die Eintracht kam zudem besser dazu, das Tempo des Spiels zu variieren.

Und natürlich war das Tempo gleich wieder von Beginn an atemberaubend: Abwurf von Frankfurts Torwart Koch, Riedl mit der Kopfballverlängerung und Radan schießt sofort – für den Keeper von America gab es keine Pause (21’). Dann ein Freistoß in Strafraumnähe. Crespo auf Radan, aber der versucht den heranstürzenden Torwart zu überlisten und scheitert (22’). Die Eintracht ist jetzt zwingender in den Zweikämpfen. Kniller erobert den Ball, wird gehalten – was die Schiedsrichter übersehen – kommt trotzdem zum Schuss, der wird abgefälscht doch der mitgelaufene Lovchev verpasst den Abpraller um ein Haar (23’). America Latina entwickelt nun ein variables Angriffsspiel, beide Teams müssen in dieser Halbzeit in der Defensive Schwerstarbeit leisten. Ein Latino wird freigespielt doch Torwart Koch mit einer guten Parade (24’).

In den nächsten Minuten drückt Latina, doch die Eintrachtler halten Stand. Dann wieder ein Konter, diesmal über Zerouali – wieder zieht der Gegner am Trikot, und wieder übersehen die Schiedsrichter das Foul! Zerouali, aus dem Tritt gebracht, übersieht den mitgelaufenen Beyazal und sein überhasteter Abschluss verfehlt das Tor (27’). Zudem kann Zerouali nach dieser Aktion nicht mehr mitspielen – eine erste Schwächung für die Eintracht. Dann spielen sich die Südamerikaner kunstvoll durch die gesamte Frankfurter Abwehr, doch Özbek kann vor der Linie retten. Für einen Moment läuft die Eintracht hinterher, das Spiel wird unübersichtlich. Crespo mit einem Tackling und Freistoß für Latina aus guter Position. Doch Torwart Koch ist auf dem Posten und hält den scharf geschossenen Ball. Abseits vom Geschehen hat sich Lovchev verletzt und muss das Spiel auf der Bank beenden – der Eintracht fehlen zwei ihrer erfolgreichsten Torschützen und es sind noch 10 Minuten auf der Uhr.

In der nächsten Szene steht die Abwehr der Frankfurter wieder, Radan erobert den Ball, zieht über links davon und wird erneut gehalten – in dieser Halbzeit fallen die knappen Entscheidungen der Schiedsrichter immer zu Gunsten von Latina aus, denn auch hier wird nicht auf Foul erkannt. Im Futsal können diese Kleinigkeiten, insbesondere die kummulierten Fouls, entscheidend sein! Radan macht sich frei, aber sein Schuss landet im Außennetz (30’). Dann kommt Özbek zum Schuss, der Torwart von America Latina kann nur abklatschen und Kniller staubt ab: 4:3 in der turbulenten 30. Minute.

Dann begeht Crespo sein zweites Foul des Tages – und es ist das 5. gegen Frankfurt. Jedes weitere Foul bedeutet einen Doppelten Penalty gegen die Eintracht! Kurz darauf spielen sich die Adler durch, Crespo will Knillers Querpass ins Tor schieben, da wird er von hinten getackelt – ein klares Foul im Strafraum, aber auch hier schweigen die Pfeifen der Schiedsrichter. Als nächstes verzettelt sich ein Latino beim Dribbling aus der eigenen Abwehr, verfolgt von Beyazal sieht er sich plötzlich Crespo gegenüber, bleibt abrupt stehen, Beyazal mit einer leichten Berührung von hinten und der theatralische Sturz vor Crespos Füße – Doppelter Penalty für Latina, der dankend angenommen wird: Da Silva trifft zum 4:4 Ausgleich (34’). Kurz darauf findet sich Radan allein vor dem gegnerischen Torwart, aber bekommt den Ball nicht im Tor unter. Und schließlich, ein weiteres Foul der Latinos weiter, kommen auch die offiziellen bei 5. kummulierten Fouls für America an (36’) – nun müssen beide Teams aufpassen!

Die Adler wollen dieses Spiel gewinnen und drücken aufs Tempo, erarbeiten sich weiter Chancen. Erst trifft Radan nur den Pfosten und dann kracht auch bei Özbeks Nachschuss der Ball ans Holz, beim Versuch den Gegenzug zu unterbinden begeht Kniller das nächste Foul. Wieder Doppelter Penalty, wieder da Silva, wieder Tor: 4:5 (38’) Latina führt und drückt auf die Entscheidung, Frankfurt kontert, aber Kniller vergibt (39’) und jetzt wird das Spiel vollends dramatisch: Ein hoher Ball in die Spitze, Kopfballverlängerung auf Radan und der überköpfelt – Uwe Seeler lässt grüßen – rückwärts den gegnerischen Torhüter, 5:5 in der letzten Minute. Frankfurt mit dem nächsten Angriff, der Ball wird abgefangen, Crespo setzt nach, geht zum Ball, bekommt einen Schlag des Gegners ins Gesicht und geht neben dem Gegner zu Boden, dieser zieht mit dem Ball auf den verbleibenden Frankfurter Verteidiger zu und wird zurückgepfiffen – beschwert sich, bis er verwundert bemerkt, dass der Pfiff für und nicht gegen ihn ist – eine verständliche Verwunderung!

Aber so bekommt Latina Sekunden vor Schluss noch einen Doppelten Penalty, während Crespo zum zweiten Mal an diesem Tage als der Gefoulte leer ausgeht und Latina weiterhin nur 5 Fouls angerechnet bekommt. Sei’s drum: Doppelter Penalty für Latina, Schuss da Silva – Tor! 5:6 für Latina und noch eine halbe Minute auf der Uhr. Frankfurt hat noch Zeit für einen Angriff – der Ball kommt zu Radan, der legt raus zu Crespo, kurzer Pass zu Radan, der dreht sich im Strafraum, schießt und trifft, 6:6. Der Ausgleich und der Endstand in einem wieder mal bis zum Ende spannenden Spiel. Latina hat die Siegesserie der Frankfurter Eintracht in der Hessenliga beendet – seit dem Unentschieden gegen Croatia Frankfurt im Jahr 2007 hatte man nur noch gewonnen. Allerdings besteht eine Serie weiter fort: Die Adler sind seit der Niederlage gegen Latina, ebenfalls aus dem Jahre 2007, ungeschlagen und damit, und mit ihrem fünften Titel in Folge, bis auf weiteres das Maß der Dinge im hessischen Futsal. Eintracht Frankfurt bedankt sich bei allen Beteiligten und Verantwortlichen für diese Saison der Hessenliga – und nach diesem Spieltag noch einmal besonders beim Gegner für den tollen Sportsgeist und das gute Spiel!

Von: Felix Haag

 

 

 


 

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