Eintrachts Futsaler holen souverän den fünften Titel
Montag, 01. Februar 2010, 08:03
Zwei Neuigkeiten hat diese Saison in Hessen schon vor ihrem letzten Spieltag gebracht: Die Liga rückt näher zusammen und der Play-Off-Modus bringt weitere Teams dazu, den Titelkampf zu beeinflussen – kurz, die Liga wird spannender und vielseitiger, und das kann dem Futsal in Hessen nur gut tun!
So trafen denn auch am Samstag in Nieder-Eschbach die beiden diszipliniertesten Teams dieser Saison zum vorgezogenen Finale aufeinander: Titelverteidiger Eintracht Frankfurt traf auf den Liganeuling aus Petersberg, eine Mannschaft erfahrener Fußballer, die nach ihrem Überraschungssieg in der Vorwoche gegen America Latina – ein Sieg, der den Titelkampf zugunsten der Eintracht entschieden zu haben schien – nun ihrerseits die Chance hatte, mit einem Sieg den Adlerträgern die Meisterschaft streitig zu machen.
Beide Teams waren leicht dezimiert angereist – die zweite Grippewelle sandte ihre Vorboten auch in die Umkleidekabinen der Futsaler – aber kamen auf dem Parkett gleich zur Sache: Der erste richtige Angriff der Eintracht, mit Özbek und El Merhani über rechts, Pass auf Lovchev in der Mitte, Doppelpass mit El Merhani, Lovchev findet Radan am langen Pfosten, 1:0 – und noch keine Minute gespielt. Damit hatten die Petersberger nicht gerechnet. Und der Druck hielt an. Konzentriert erarbeiteten sich die Frankfurter in aller Ruhe neue Chancen, ließen aber ihrerseits den Nordhessen keinen Raum zur Entfaltung. Ein Eckball in der dritten Minute hätte fast den zweiten Treffer gebracht, aber der gute Torwart des RSV wehrt Lovchevs Schuss ab und kann auch Radan im Nachfassen entscheidend behindern.
Jetzt pendelt sich das Spiel auf gutem taktischen Niveau ein – die Zuschauer sehen Futsal in einer anspruchsvolleren Variante: fair, ballsicher, technisch gut, vor allem aber geordnet, schnell und variantenreich. Dann findet Petersberg eine kleine Lücke – Kniller lässt für einen Moment den Mann in seinem Rücken ziehen, diesem reichen die 1,5 Meter um einen gefährlichen Pass in den Strafraum zu spielen, Zerouali setzt nach, der Gegner kann den Ball nicht ganz kontrollieren, zieht nach außen und kreuzt Zeroualis Weg, der versucht noch auszuweichen, aber der Gegner fädelt ein, beide straucheln, der Petersberger geht zu Boden – die Schiedsrichter entscheiden auf Strafstoß!
So einen Strafstoß muss man nicht geben, aber Beschwerden dagegen gab es von Frankfurter Seite auch nicht. Vor dem Tor ist Petersberg meist sicher, so auch hier: 1:1 nach acht Minuten. Eine Stärke der Eintracht in dieser Saison ist jedoch, auf Rückschläge gute Antworten zu geben, und das schnell: Zerouali über links auf Radan, dessen Schuss wird geblockt aber Kniller nimmt den Abpraller auf und trifft zum 2:1 (9.). Dann Ecke für Petersberg, abgefangen und ein Konter über Lovchev, aber der Torwart der Petersberger kann den wuchtigen Schuss entschärfen.
Jetzt erhöhen die Adler die Schlagzahl. Ein scharfer Schuss von Radan aus 12 Metern bringt den Keeper der Nordhessen in arge Bedrängnis (15.), beim nächsten Angriff der Frankfurter wird die Abwehr der Gegner nach allen Regeln der Kunst zurecht gelegt und aufgerissen, doch El Merhanis Schuss verfehlt knapp das Tor (16.). Jetzt versuchen die Petersberger sich aus dem Dauerdruck der Frankfurter zu lösen und eröffnen damit Räume, die Zerouali zu einem Doppelschlag in der 17. Minute nutzt: Ein schneller Antritt über links und ein sauberer Abschluss ins lange Eck zum 3:1 und gleich danach ein Konter, in dem er seine Stärke im eins gegen eins ausspielt, 4:1.
Es folgt eine unglückliche Situation: Ein langer hoher Ball der Petersberger in den Strafraum, Torhüter Koch wird von einem Gegner angegangen, aber der Pfiff unterbleibt, im Nachfassen dann eine Ungeschicklichkeit des Frankfurter Keepers, der den Gegenspieler zu Boden bringt und selber stolpert – auch hier unterbleibt der Pfiff, denn die Petersberger bleiben in Ballbesitz erzielen über den liegenden Torwart hinweg das 4:2 (18.). Glück im Unglück: Koch hatte zuvor schon gelb gesehen und hätte bei dieser Aktion sowohl zunächst einen Freistoß für sich, danach aber auch eine gelb-rote Karte gegen sich erhalten können – so blieb es bei dem Gegentor und dem 4:2 Halbzeitstand.
Auch die zweite Hälfte beginnt die Eintracht druckvoll: Eine Ecke bringt Lovchev in Position, der knapp den Ball verpasst (24.), dann setzt Taboui zu einem Solo an, aber erst Lovchev und dann El Merhani scheitern trotz der guten Vorarbeit. Ein Spieler der Nordhessen verletzt sich ohne Einwirkung eines Gegners, das Spiel bleibt einige Minuten unterbrochen. Dann wird die Partie fortgesetzt und das Spiel beider Mannschaften wird aufgeregter, nervöser und fehlerhafter: Lovchev und El Merhani kontern, aber Lovchev verpasst den richtigen Zeitpunkt um abzuspielen und sein Schuss ist dann nur noch ein Alibi-Abschluss, im Gegenzug erzielt der RSV den 4:3 Anschlusstreffer (28.) – Petersberg ist wieder da, der Kampf um die Meisterschaft noch nicht entschieden.
Dann umspielt Frankfurt einmal das komplette gegnerische Team und der letzte Pass von El Merhani findet Lovchev, der das 5:3 markiert (32.). Gleich in der nächsten Szene fehlt dann jedoch Lovchev der letzte Biss und er läuft nur neben seinem Gegenspieler her, der die Einladung annimmt, Torhüter Koch auf dem falschen Fuß erwischt und aus elf Metern das 5:4 erzielt (3.) – das Spiel ist noch nicht gelaufen.
Doch jetzt besinnen sich die Hallenadler wieder auf ihre Abwehrarbeit und lassen keine Chancen mehr zu. Der Gegner versucht den Druck aufrecht zu erhalten und die Frankfurter verschaffen sich mit ihren Kontern zwar Luft, werden aber jedes Mal noch rechtzeitig vor dem Tor abgefangen. Und dann, in der 36. Minute die entscheidende Szene: Balleroberung der Eintracht, Taboui leitet den Konter ein, Kniller zieht über rechts davon und Radan steht einmal mehr am Ende der Verwertungskette und lässt sich diesmal nicht bitten – 6:4 und der Meistertitel ist gewonnen! Frankfurt spielt nun die letzten Minuten routiniert herunter.
Das nächste Spiel am kommenden Samstag gegen America Latina in der Wintersporthalle an der Commerzbank-Arena (Anstoß 15.30 Uhr) – das Dauerderby der Hessenliga – ist damit, zum ersten Mal seit langem, kein Endspiel um den Titel mehr, sondern ein letztes Highlight zum Saisonabschluss der Hessenliga. Aber wer die sportliche Rivalität der beiden Teams kennt, der weiß, dass sich die Anreise lohnt: Das Aufeinandertreffen der technisch besten Teams in Hessen ist immer auch eine Frage des Prestiges – und es war und ist traditionell das spannendste und aufregendste Ereignis, das der Futsal in Hessen zu bieten hat.
Von: Felix Haag