Aus im Halbfinale
Mittwoch, 17. März 2010, 23:07
Die Enttäuschung sitzt tief, denn trotz einer guten Leistung verpassten die Futsaler beim diesjährigen Endturnier des Süddeutschen Fußball Verbands den Finaleinzug und damit die Qualifikation für das Viertelfinale des DFB-Cups. Man war mit großer Hoffnung nach Baden gereist und war bestens vorbereitet – soweit es der Modus der Veranstaltung eben zuließ: Als einzige Veranstaltung auf dem Weg zum DFB-Cup mussten die Frankfurter hier über eine reduzierte Spielzeit ohne das futsaltypische Anhalten der Uhr spielen. 20 Minuten brutto, das entspricht einem guten Drittel der Spielzeit eines normalen Futsalspiels. Aber unter diesem Modus leiden die „richtigen“ Futsalteams schon länger und endlich besteht Aussicht auf Besserung – aber halt erst im nächsten Jahr!
Der fünfmalige Hessenmeister begann seine folglich fünfte Südmeisterschaft konzentriert gegen den Titelträger von 2007, den MKFC aus Karlsruhe. Wie schon in der Liga – und wie für diesen Turniermodus sinnvoll – begannen die Frankfurter druckvoll und Radan markierte in der 1. Minute das 1:0. Die Mannschaft setzte die taktische Marschroute des Trainergespanns souverän um und ließ kaum Chancen zu. Einmal musste Torwart Koch ernsthaft eingreifen (4.) aber ansonsten kontrollierten die Adler Ball und Gegner. Ein Schuss von El Mrhanni trifft nur den Pfosten, aber Beyazal ist zur Stelle und es steht 2:0 (6.). Doch praktisch im Gegenzug begeht Beyazal ein unnötiges Foul und der Gegner bekommt einen 6-Meter zugesprochen. Torwart Koch hat keine Chance, 2:1 (6.). Durch diesen Fehler scheint das Spiel in der Folge spannender als es ist, denn die Eintracht dominiert, erzielt jedoch keine weiteren Treffer. Karlsruhe kommt nicht richtig ins Spiel und der erste Schritt Richtung Halbfinale ist getan.
Im zweiten Gruppenspiel wartet der württembergische Vertreter, der SC Azzurri Mössingen. Für die Blauen geht es nach der Auftaktniederlage gegen Karlsruhe bereits um das Turnier, die Eintracht will sich den ersten Platz in der Gruppe sichern und Rechenspiele vermeiden. Und wieder zeigen die Adler eine runde und konzentrierte Leistung. Aus einer sicheren Defensive heraus ziehen sie ihr Passspiel auf. Schnellangriff über Crespo und Radan, der das 1:0 erzielt (2.). Dann zeigt Zerouali, der bisher durch gute Defensivarbeit aufgefallen ist, dass er auch gestalterisch an diesem Turnier teilnehmen will, gewinnt sein 1:1 Duell, doch der Schuss verfehlt knapp das Ziel (3.).
Als nächstes zieht Crespo drei Gegner auf sich, behauptet den Ball und findet Zerouali, der legt ab in die Mitte auf Radan, Schuss, Tor, 2:0 nach vier Minuten und das Halbfinale ist gesichert. Ein Ballverlust von El Mrhanni bringt den Azzurri eine ihrer wenigen Möglichkeiten, und die Frankfurter beschließen daraufhin, ernst zu machen und sich einzuschießen: Der an diesem Tag völlig indisponierte Özbek bringt eine Ecke zu Kniller, 3:0 (12.). Dann eine Gemeinschaftsproduktion, Beyazal mit der Balleroberung, Jung treibt den Ball über das Feld und spielt Radan in der Mitte an, der legt ab auf Crespo 4:0 (13.).
Die Azzurri sind jetzt überfordert. Ein Einkick wird schnell ausgeführt, Ablage zu Crespo und der trifft von rechts aus spitzem Winkel (5:0, 16.). Nun hat Torwart Koch endlich wieder etwas zu tun, die Mannschaft verweigert die Rückwärtsbewegung und die Azzurri erzielen den Ehrentreffer zum 5:1 in der vorletzten Minute. Dadurch werden sie übermütig und wollen mehr. Es folgt ein Abwurf von Koch auf Lovchev, dessen druckvoller Lauf ist nicht aufzuhalten, ebenso wie sein gewaltiger Schuss aus ganz spitzem Winkel - 6:1 und Schluss.
Im Halbfinale trifft man nun auf die alten Bekannten von Portus Pforzheim, den zweiten badischen Vertreter, der nur durch Rückzug des diesjährigen badischen Meisters aus Ittersbach ins Turnier gerutscht ist. Der Süddeutsche Meister von 2008 geht das Spiel vorsichtig an, versucht, sich keine Blöße zu geben und lauert auf Konter. Die Eintracht spielt ihr Spiel, vergibt aber einige Chancen – so z. B. Zerouali nach einer Ecke, der frei vor dem Tor verpasst. In der 14. Minute macht Zerouali es besser, zieht von links nach innen und trifft mit einem satten Schuss. Die Zeichen stehen auf Sieg, Frankfurt führt, hat noch kein Foul begangen (Pforzheim hat schon vier) und bekommt nun Platz für seine Angriffe.
Portus muss kommen – und kommt. Aber mehr als zwei Distanzschüsse bringen die Pforzheimer nicht auf das Tor von Koch. Allerdings gelingt der Eintracht auch kein überzeugender Konter mehr, einige Bälle werden verloren, oder aber der letzte Pass kommt nicht an. In der Schlussphase gilt es nur noch die Uhr herunterzuspielen, aber die Frankfurter lassen sich einschnüren und verteidigen nur noch. Radan will einen spekulativen Pass der jetzt mit dem Mut der Verzweiflung anrennenden Pforzheimer abwehren, der Ball wird unglücklich von ihm abgelenkt, zu dem einzigen Portusspieler in Tornähe, Koch pariert den Schuss aber der abgewehrte Ball kommt wieder zu einem Pforzheimer, der, durch Torwart Koch und Kniller und Crespo, die die Linie bewachen hindurch, den Ball ins Frankfurter Tor bekommt. Ausgleich für Pforzheim und nur noch 47 Sekunden auf der Uhr. Frankfurt hat den Ball, nimmt eine Auszeit und will den einen letzten Angriff sicher ausspielen. Aber es passiert nichts mehr und das Halbfinale muss durch Penalty-Schießen entschieden werden. Frankfurt schießt zuerst. Lovchev läuft an, doch sein wuchtiger Schuss ist nicht platziert genug, trifft den Torwart und – das war es dann. Alle weiteren Schützen treffen.
Eintracht Frankfurt ist ausgeschieden, ohne ein einziges Spiel in dieser Saison in der regulären Spielzeit verloren zu haben. Für die in großen Teilen neu formierte Mannschaft ist dieses bittere Ausscheiden zwar keine Katastrophe, obgleich man die selbst gesetzten Saisonziele verpasst hat – aber in Anbetracht der eigenen Leistung und jener der Gegner sitzt der Schmerz tief: Eintracht Frankfurt war bei dieser Süddeutschen Meisterschaft von der Spielanlage, der Taktik und von der abgelieferten Leistung die beste und stärkste Mannschaft, diese Niederlage war mehr als unglücklich! Aber auch Glück kann verdient sein und Eintracht Frankfurt gratuliert dem diesmal sehr glücklichen Sieger Portus Pforzheim zum Titel und wünscht für den DFB-Cup in Cottbus alles Gute. Danke auch an die Ausrichter aus Karlsruhe und an die fairen Gegner.
Von: Felix Haag