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Kraaz: „Der doppelte Pokalsieg hat die Saison schön abgerundet“

Freitag, 30. Juni 2017, 18:44

Alle Jugendteams befinden sich aktuell in der Sommerpause. Zeit also, ein Resümee zu ziehen. Traditionell sprechen wir mit Armin Kraaz, unserem Leiter des Nachwuchsleistungszentrums. Wie zufrieden ist er mit der Saison 2016/17? Welche Veränderungen gibt es und was erwartet uns in der kommenden Spielzeit?

Bei unserer U19 war die Liga in diesem Jahr – wie vor der Saison erwartet – extrem ausgeglichen.  Bis zum vorletzten Spieltag musste unsere U19 noch zittern, behielt dann aber ausgerechnet gegen die Zweitplatzierten Lauterer (5:3) sowie Staffelmeister FC Bayern München (3:0) die Nerven und gewann ihre Spiele souverän. Damit sprangen die Riederwälder noch vom zehnten Tabellenrang auf dem sechsten Platz – eine zufriedenstellende Platzierung?
Mit der Platzierung sind wir sehr zufrieden. Diese hätten wir vor der Saison sofort so unterschrieben. Schließlich waren wir uns bewusst, wie eng die Liga werden wird. Die Aufsteiger Augsburg und Kaiserslautern haben bis zum letzten Spieltag vorne mitgespielt und waren erstaunlich starke Aufsteiger. Womit wir allerdings nicht zufrieden sein können, ist, dass wir den Klassenerhalt erst am vorletzten Spieltag geschafft haben. Dass wir innerhalb der letzten zwei Partien noch von Rang zehn auf Platz sechs gesprungen sind, zeigt wie eng die Teams beisammen waren. Zusammenfassend ist die Platzierung also gut, mit dem Saisonverlauf sind wir nicht ganz zufrieden.

Unsere U19 hatte mit zahlreichen Ausfällen und Verletzungen zu kämpfen, zum Teil über Monate. Ist der Erfolg vor diesem Hintergrund umso höher zu bewerten?
Viele Vereine hatten solche Ausfälle zu beklagen. So etwas passiert einfach und wir haben uns deswegen in der Winterpause auch deutlich verstärkt. Wer aber natürlich gefehlt hat, war Aymen Barkok, der selbst bei den Profis 19 Pflichtspiele absolviert hat. Ich glaube, mit ihm hätten wir sicherlich noch mehr Punkte geholt.

In der Winterpause gelang es, Renat Dadashov zurückzuholen und mit Jan Ostrowski, Deji Beyreuther und Mahato Takahashi weitere Spieler zu verpflichten. Allesamt gute Verstärkungen, oder?
Mit Dadashov, Beyreuther, Ostrowski und Takahashi haben wir in der Winterpause extern reagiert – drei davon haben direkt eingeschlagen. Takahashi hatte sich leider zweimal verletzt und konnte somit nur vier Spiele in der Rückrunde absolvieren. Die anderen haben das Team sofort verstärkt: Ostrowski hat nun sogar ein A-Nationalspiel für Luxemburg bestritten. Beyreuther, der vom FSV kam, saß bei den Profis in der Rückrunde auch schon auf der Bank und beim Pokalfinale war er fast im Kader. Und Dadashov hat in der Rückrunde gezeigt, dass er ein gefährlicher Stürmer ist.

Weiterhin erfreulich ist, dass nach Furkan Zorba und Aymen Barkok, auch Renat Dadashov, und Noel Knothe einen Profivertrag erhalten haben sowie weitere Nachwuchsspieler sich in den Fokus der Profis gespielt haben und regelmäßig ins Training eingeladen werden. Man kann sagen, die Durchlässigkeit hat sich weiter verbessert?
Auf alle Fälle – das sieht man schon bei der Trainingspräsenz unserer zahlreichen Nachwuchsspielern bei den Profis. Aymen Barkok mit seinen rund 20 Pflichtspielen bei den Profis ist natürlich der Vorzeigespieler hierfür. Eine tolle Performance, die für uns alle sehr motivierend ist.

Mit Murad Mahmudov ist ein weiteres hoffnungsvolles Talent für die kommende Saison an den Riederwald zurückgekehrt. Es konnten alle Spieler gehalten werden. Die gute Zusammenarbeit zwischen dem NLZ und den Profis scheint sich auch nach außen hin herumzusprechen?
Wenn man sich unsere Neuzugänge anschaut, dann gibt es bei den einzelnen Spielern ganz unterschiedliche Motivationen. Nehmen wir Murad Mahmudov: Er hatte in Leipzig zwei gute Jahre, hätte es in der A-Jugend jetzt aber schwer gehabt, da die Konkurrenz dort sehr groß ist. Murad hat sich entschieden wieder zu seiner Familie nach Frankfurt zurückzukehren und da sind wir natürlich die erste Anlaufstelle und haben ihn gerne wieder aufgenommen. Carmelo Quatruccio hingegen kommt von den Stuttgarter Kickers, also einem Viertligisten. Ich glaube wenn dann ein Erstligist anruft ist es für ihn eine klare Entscheidung. Wir trauen ihm diesen Schritt zu und glauben daran, dass er bei uns gut Fuß fassen wird. Es hilft aber natürlich auch, wenn man sieht, dass junge Spieler bei Eintracht Frankfurt auch bei den Profis eine Chance haben. Aber wie gesagt, jede Motivation ist eine andere.

Kommen wir zur U17: Mit Platz 5 und 44 Punkten haben wir die beste Platzierung seit der Saison 2011/12 erreicht. Und dennoch hatte man sich mehr erhofft?  
Wir waren nie in Abstiegsgefahr, aber das war mit diesem Kader auch nicht zu erwarten. Wir und auch das Trainerteam hatten uns erhofft, dass wir mit dieser Mannschaft weiter vorne landen und vielleicht sogar um die Spitze mitspielen. Dass der neue Deutsche Meister Bayern München auch einen starken Jahrgang hat, war klar und wir sind in beiden Spielen gegen die Bayern zu Recht als Verlierer vom Platz gegangen. Bei Turnieren – egal ob in Katar oder auch in Amerika – hat man aber das große Potential gesehen, das in der Mannschaft steckte. Das konnte sie leider nicht über die komplette Saison hinweg auf den Platz bringen. Sie hat größtenteils unter ihrem Wert gespielt. Die Punkteausbeute war nicht optimal und ich glaube, die Mannschaft hätte mehr aus sich rausholen können. Positiv ist aber auch, dass wir mit Sahverdi Cetin, Nils Stendera, den Kabuya-Zwillingen und anderen wirklich gute Talente haben, die sich weiterentwickelt haben.

Unsere U16 hat ihre Saison traditionell auf Platz 3 in der Hessenliga abgeschlossen. Besonders im Mai und in ihrem letzten Saisonspiel im Juni präsentierte sie sich noch einmal richtig in Trefferlaune. Sage und schreibe 28 Mal schoss sie in das gegnerische Gehäuse. Insgesamt 74  Mal mussten gegnerische Torhüter hinter sich greifen. Wie lautet das Fazit?
Es war eine wunderbare und überzeugende Saison der U16. Das Team und die Trainer haben eine tolle Leistung gezeigt. Und das, obwohl Spieler wie Patrick Finger oder David Siebert bereits in der U17 gespielt haben und auch andere in der Rückrunde zum Teil nicht im Team waren. Mit dieser Leistung können wir sehr zufrieden sein.

Neben den Ligaspielen sind sowohl die U19 als auch die U16 im Hessenpokal an den Start gegangen. Beide Teams holten sich in tollen Finals in Limburg den Hessenpokal. Welchen Stellenwert haben diese Spiele?
Der Gewinn des Hessenpokals bei den B-Junioren hat keine Konsequenz, bei der U19 dagegen nimmt der Sieger in der folgenden Saison am DFB-Junioren-Vereinspokal teil und hat so die Chance, nach Berlin zum Pokalendspiel zu kommen. Die U19 ist mit dem jüngeren Jahrgang angetreten, da das Hessenpokal-Endspiel über fünf Wochen nach Saisonende stattfand. Der ältere 98er-Jahrgang muss sich zu diesem Zeitpunkt um wichtige Dinge wie beispielsweise einen Vereinswechsel kümmern. Der jüngere Jahrgang hat selbst noch etwas davon, wenn sie den Pokal gewinnen. Der Kader wurde mit U17-Spielern aufgefüllt, sodass wir uns entschlossen haben, mit der zukünftigen A-Jugend anzutreten. Natürlich aber noch ohne die Neuzugänge. Entsprechend sind wir erstmals beim Hessenpokal der B-Junioren auch mit dem jüngeren Jahrgang angetreten.

Insbesondere unsere U16 hat mit ihrer Art und Weise wie sie gegen die U17 des OFC aufgetreten ist, Eindruck hinterlassen. Dank einer großartigen kämpferischen Leistung bei den heißen Temperaturen gelang ihr in letzter Minute der Ausgleich mit Verlängerung und anschließendem Elfmeterschießen zur Folge.
Der unbändige Jubel nach dem entscheidenden Elfmeter hat gezeigt,, dass unsere U16 den Pokal unbedingt gewinnen wollte. Die Jungs haben bei 40 Grad alles gegeben. Im Finale dann noch gegen eine letztjährige Bundesligamannschaft zu gewinnen ist eine tolle Leistung. Sie haben bis zur letzten Minute gekämpft – und das hat sich ausgezahlt.

Während die U16 noch voll im Training war, merkte man unserer U19 die Pause etwas an und es war eher Erleichterung nach dem Sieg zu spüren....
Das stimmt. Unsere U19 hatte zuvor zweieinhalb Wochen Urlaub und vorab nur zwei Mal trainiert. Hinzu kam, dass sie erstmals mit den U17-Spielern zusammengespielt hat. Das war alles Stückwerk und keine eine einfache Situation. Insgesamt war es ein toller und erfolgreicher Tag in Limburg, der die Saison schön abgerundet hat. Und ein doppelter Pokalsieg – das gab es schon länger nicht mehr. Eine tolle Leistung!

Unsere U15 belegte wie schon in den vergangenen Jahren wieder einen Platz in der oberen Tabellenhälfte (4.). Wie lautet dazu das Fazit?
Vor der Saison waren wir Verantwortlichen alle der Meinung, dass wir zwar einen guten Jahrgang haben, aber nicht mehr als Platz drei oder vier drin sein wird. Bayern und Stuttgart sind in der C-Jugend wie auch in den vergangenen Jahren die großen Konkurrenten gewesen. Unsere U15 hat dann eine überraschend starke Vorrunde gespielt und Top-Mannschaften wie Hoffenheim, Bayern und Stuttgart allesamt aus dem Stadion geschossen. Gegen vermeintlich leichtere Gegner haben wir allerdings Punkte gelassen. Zur Winterpause standen wir dennoch auf Platz zwei – und das auch noch mit einigen Zählern Vorsprung. In der Rückrunde konnte unsere Mannschaft dieses Niveau nicht immer halten und hatte einige Einbrüche. Am letzten Spieltag wurde die Vizemeisterschaft leider noch hergegeben und es sprang Rang vier am Ende heraus. Nachdem die U15 hinter der Übermannschaft Stuttgart auf Rang zwei überwinterte war man begeistert. Man hat es dann leider nicht ganz über die Ziellinie gebracht, aber es war trotzdem insgesamt eine gute Saison, die eigentlich im Rahmen der Erwartungen war. Auch nach außen hin, wie beispielsweise beim Dallas Cup in Amerika, haben die Jungs wieder rundherum einen guten Eindruck hinterlassen. Dort ist man erst im Halbfinale gegen den späteren Turniersieger gescheitert.

Mit welchen Neuverpflichtungen werden die Leistungsteams verstärkt?
Unsere U19 wurde für die kommende Saison mit fünf externen Spielern verstärkt. Für die Abwehr kommen Laurin Stich vom Karlsruher SC und Noah Schmitt vom FSV Frankfurt, Carmelo Quartuccio und Giuseppe Signorelli sollen in der Offensive für Tore sorgen. Außerdem freuen wir uns über die Rückkehr von Murad Mahmudov, der in den vergangenen zwei Jahren für RB Leipzig gespielt hat. Für die U17 haben wir mit Alexander Stubben, der aus Amerika kommt, und Max Hinke vom SV Elversberg zwei Spieler für die Torhüterposition geholt. Außerdem wechselt Stürmer Florian Zorn  vom FSV Frankfurt.

Wie sieht die Zielsetzung für die Leistungsteams in der kommenden Saison aus?
Wir wollen mit allen Teams besser als in der abgelaufenen Saison abschneiden. Bei der U17 und U19 ist diese Zielsetzung ganz klar. Gerade bei der U19 scheinen die Aufsteiger Heidenheim, Wehen Wiesbaden und Unterhaching schwächer als Kaiserslautern und Augsburg im vergangenen Jahr zu sein. Wir haben außerdem einen guten Jahrgang. Wir haben zu Saisonende schon mit acht bis neun Spielern aus dem jüngeren Jahrgang gespielt. Ich glaube auch, dass nicht so viele Spieler für die Profis abgestellt werden müssen, auch wenn es normal ist, dass immer mal ein Spieler fehlen wird. Wir haben dennoch einen hochkarätiger Kader, der auch in der Breite sehr gut besetzt ist. Wichtig ist aber vor allem die Art und Weise wie wir spielen und auftreten. Bei der U16 wäre der dritte Platz ein tolles Ergebnis. Auch bei der U15 möchten wir nächstes Jahr wieder eine bessere Platzierung als den vierten Rang. Hier wird es durch die neue Ligeneinteilung in der Regionalliga Veränderungen geben.

Auch die Mannschaften im Nachwuchsbereich bringen erfreuliche Ergebnisse bei Turnieren und haben in ihren jeweiligen Ligen feste Platzierungen im oberen Tabellendrittel. Um den Nachwuchs braucht man sich also nicht zu sorgen?
Es war eine tolle Rückrunde von allen Mannschaften im Nachwuchsbereich. Besonders die U11, die im letzten Sommer komplett neu zusammengestellt wurde, muss man samt Trainerteam sehr loben. Auch Tuncay Bayram, der die Teams zusammenstellt, hat eine tolle Arbeit geleistet. Es hat kurz gedauert, aber spätestens in der Rückrunde hatte sich das Team gefunden. Mit sechs Turniersiegen und einem zweiten Platz bei den letzten sieben Turnieren haben sie eine sagenhafte Bilanz. Das freut mich sehr für Trainer Giovanni Brandi, der mit der Mannschaft zusammenbleibt. Er kann die Früchte seiner einjährigen Aufbauarbeit ernten und das Team als U12 so weiter fortführen. Karl Rotter hatte mit seiner U13 ebenso wieder große Turniererfolge. Sowohl mit der Spielerentwicklung als auch mit der Außendarstellung kann man mit dem Nachwuchsbereich sehr zufrieden sein.

Welche Veränderungen und Pläne gibt es, auch im Hinblick auf die Zusammenarbeit mit der Fußball AG?
Die Zusammenarbeit mit der AG wächst immer weiter und ist bereits sehr gut: Das Athletik- und Rehatraining hat ein etabliertes Konzept, das von unserer U15 bis hoch zu den Profis gleich aufgebaut und gehandhabt wird. Unser Athletik- und Rehatrainer Thomas Pitzke ist in Zusammenarbeit mit Martin Spohrer und Klaus Luisser von der Fußball AG für dieses in sich schlüssige Konzept verantwortlich. Unsere U19 wird seit nun schon einem Jahr bei Dr. Christoph Seeger, Mannschaftsarzt der Profis, behandelt. Auch unser Videoanalyst Marco Schuster hat sich mit der Profiabteilung kurzgeschlossen. Wir haben folglich die Hardware bei uns am Riederwald angepasst. Ich  selbst stehe regelmäßig im Austausch mit Sportvorstand Fredi Bobic. Nahezu alle Ebenen wurden mittlerweile miteinander verzahnt, ich bin gespannt und freue mich darauf, wie sich das in Zukunft noch weiterentwickelt.

Von: Nina Bickel

 

 


 

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Armin Kraaz
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