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Frank Leicht: Geschlossenheit ist Trumpf

Freitag, 11. August 2017, 13:39

Der Mann steht für eine erfolgreiche Zeit mit der Eintracht. 2007 führte Frank Leicht die U19 bis Dezember auf Platz zwei, ehe er die U23 übernahm, die 2009 Rang drei eroberte. Nach Engagements beim SV Sandhausen und RB Leipzig kehrte der Fußballlehrer in diesem Sommer an den Riederwald zurück. Vor dem Saisonstart gegen Heidenheim (12. August, 10.30 Uhr, Sportzentrum Niedergründauer Str. 44, Langenselbold) stellte sich unser neuer U17-Coach den Fragen der Eintracht-Redaktion.

Frank Leicht, willkommen zurück! Erkennen Sie den Riederwald im Vergleich zu 2010 noch wieder?
Ich denke schon. Man hat im wahrsten Sinne des Wortes einige Steine umgedreht. Ich kannte noch den Container, der auch seinen Charme hatte. Wir haben damals bereits gezeigt, dass man mit weniger Mitteln sportlichen Erfolg haben kann. Jetzt haben die Bedingungen nochmal eine andere Dimension angenommen, was einen Trainer natürlich freut. Wir werden versuchen, an die damaligen Ergebnisse und Erfolge anzuknüpfen. Es ist schön, dass der Verein es geschafft hat, eine so tolle Einrichtung auf die Beine zu stellen. Neben der Infrastruktur hat sich auch personell einiges geändert. Zwischen 2006 und 2010 war das Trainerteam nicht ganz so groß. Nun habe ich mit Jan Fießer einen voll ausgelasteten Co-Trainer, wir haben mit Thommy (Thomas Pitzke; d. Red.) einen Athletiktrainer und mit Marco (Schuster; d. Red.) einen Videoanalysten, die einem einiges an Arbeit abnehmen. Ich halte das für sinnvoll und zeitgemäß. Rund um das Leistungszentrum hat sich in den vergangenen Jahren einiges Positives entwickelt.

Sieben Jahre sind – gerade im Fußball – eine lange Zeit. Im Gedächtnis sind Sie trotzdem geblieben. Wie kam es zur Rückkehr?
In den vergangenen Jahren ist der Kontakt nie abgerissen. Meine Tochter lebt noch hier, das eine oder andere Spiel habe ich mir natürlich auch immer wieder angesehen oder Holger Müller (Nachwuchskoordinator; d. Red.) beispielsweise habe ich immer wieder auf Sichtungen getroffen. Da tauscht man sich automatisch aus. Man verliert sich, erst recht im Fußball, nie so wirklich aus den Augen. So trifft das Sprichwort „Im Fußball sieht man sich immer zweimal“ in diesem Fall erneut zu. Es freut mich einfach, dass der Kontakt zur Eintracht wieder zustande kam.

Mit dem früheren Jungadler Jan Fießer steht Ihnen ein weiteres bekanntes Gesicht als Co-Trainer zu Verfügung. Was erhoffen Sie sich von der Zusammenarbeit?
Schon als Jugendtrainer beim VfB Stuttgart (u. a. Deutscher U17-Meister 2004; d. Red.) gab es mit der Eintracht heiße Duelle, wo mir Jan als Kapitän in Erinnerung geblieben ist. Dann haben wir uns 2010 beim SV Sandhausen wieder getroffen. Dass es hier jetzt ein Wiedersehen gibt, freut mich natürlich. Jan hat eine gute Mentalität und passt sehr gut zu unserer Philosophie. Er ist ein fleißiger, junger Trainer, der nun die ersten Schritte in die Branche wagt und ich bin mir sicher, dass er eine gute Perspektive hat.

Ungewollte Abgänge gab es nicht zu beklagen. Dafür kamen gleich zwei neue Torhüter und ein Angreifer aus der Region. Wie bewerten Sie die Neuzugänge?
Es war tatsächlich zum ersten Mal so, dass wir trotz mancher Anfragen alle Spieler halten konnten, die wir wollten. Wir haben nicht das Selbstverständnis, Spieler abzugeben, sondern möchten mit unseren Topspielern die nächsten zwei bis drei Jahre gezielt arbeiten und nach Möglichkeit in den Profibereich übergeben. Auf der Torhüterposition hatten wir allerdings keinen Akteur, weshalb wir Max Hinke von der SV Elversberg verpflichtet haben, der uns bei der Saarlandauswahl aufgefallen ist. Dazu Alexander Stubben, der aus Amerika zurückgekehrt ist. Damit sehe ich uns auf dieser Position für einen gesunden Konkurrenzkampf gut aufgestellt. Florian Zorn hatten wir schon längere Zeit im Auge und sind froh, dass er nun den Weg vom FSV Frankfurt zur Eintracht gefunden hat.

Kommen wir zum Tagesgeschäft. Wo lagen in der Vorbereitung die Schwerpunkte?
Generell möchten wir den Jungs eine komplett neue Spielphilosophie beibringen: Aggressiveres Verteidigen, noch schnelleres Umschalten in die Offensive, schwerpunktmäßig das Spiel gegen den Ball. Das war für viele schon etwas neu. Damit einhergehend haben wir zusätzlich an der physischen Leistungsfähigkeit gearbeitet, die wir für unser Spiel benötigen. Wobei ich im Jugendbereich die Vorbereitungszeit nicht über sechs Wochen betrachte. Ein Spieler hat von der U17 bis zur U19 36 Monate Vorbereitungszeit auf die Profikarriere. Für unseren Ausbildungsauftrag kommt es nicht darauf an, ob ein Spieler zwei oder drei Wochen später in Form kommt.

Trotzdem sind 16 von 26 Spielen noch im Jahr 2017. Erhöht das den sofortigen Ergebnisdruck?
Erfahrungsgemäß ist es schon so, dass die Mannschaften, gerade wenn es eine neue Philosophie gibt, in der Rückrunde besser eingespielt sind. Dennoch sehe ich darin jetzt keinen großen Nachteil. Wir haben Woche für Woche ein Match, was ich eher positiv finde, weil wir gleich in einen Rhythmus kommen. Im April, Mai gibt es aufgrund von Turnieren und Lehrgängen immer große Pausen, was oftmals schwierig ist. Es ist wichtig, uns ab sofort Woche für Woche zu entwickeln. Wir schauen von Spiel zu Spiel. Ziel muss einfach sein, uns im gesicherten Bereich aufzuhalten, mindestens in der oberen Hälfte zu bleiben. Wenn wir dann noch etwas klettern und den einen oder anderen der Favoriten ärgern können, würde uns das natürlich freuen.

Welchen Stellenwert messen Sie den Resultaten in der Vorbereitung bei (s. Übersicht)?
Bei beiden Turnieren hatten wir es ausnahmslos mit Bundesligisten zu tun, in Öhringen sogar mit den absoluten Topteams wie Schalke, Dortmund, Stuttgart, Hoffenheim oder Leipzig. Das werden auch die Mannschaften sein, die am Ende um die Deutsche Meisterschaft mitspielen. Auf diesem Level sehe ich uns derzeit nicht. Vielleicht kam das Turnier auch etwas zu früh. Dazu wollten wir gegen die Regionalligisten spielen, um unsere Philosophie unter geringerem Druck durchzubringen. Da haben es die Jungs wirklich gut gemacht. Wo wir am Ende des Tages stehen, werden wir vermutlich nach den ersten fünf, sechs Spielen sehen. Generell bin ich zuversichtlich, dass wir eine vernünftige Rolle spielen werden.

Sie hatten die neue Spielausrichtung angesprochen. Was bringt diese konkret mit sich?
Wir legen grundsätzlich ein verstärktes Augenmerk auf das Spiel gegen den Ball und versuchen, den Gegner möglichst im kompletten Verlauf des Spiels frühzeitig mit einer aggressiven Vorwärtsverteidigung unter Druck zu setzen. Nach der Balleroberung möchten wir dann mit geradlinigem, schnellen Spiel zum Torerfolg kommen. Tempo und Spielwitz sind dabei ganz wichtige Faktoren und werden immer Bestandteil des Trainings sein. Die Spieler setzen das Woche für Woche besser um, aber sowas sitzt nicht in drei, vier Wochen und kann auch mehrere Monate in Anspruch nehmen. Spätestens im Mai sollten wir dann eine deutliche Veränderung des Spielstils erkennen.

Welches Bild konnten Sie sich von der neuen Staffel machen?
Während der Vorbereitung konnten wir schon acht von 13 Mannschaften beobachten. Ich denke, dass es eine kleine Spitzengruppe mit Stuttgart, Hoffenheim, den Bayern und Mainz geben wird. Aber auch diese Teams müssen erstmal in die Saison starten. Wir werden versuchen, über Geschlossenheit und taktische Disziplin den einen oder anderen großen Gegner vor Probleme zu stellen und den Abstand so gering wie möglich zu halten.

Sie kennen von der B-Jugend bis zu den Herren alle Bereiche. Inwiefern hilft das im Amt des U17-Trainers?
Prinzipiell sollte ein Spieler ab der U17 so fokussiert sein, dass er weiß, wo er mit seinem Talent hin will. Es ist ein unglaublicher Aufwand, den die Jungs unter der Woche leisten. Sie gehen nämlich quasi zwei Berufen nach: Schüler und Fußballer. Das ist eine sehr große Herausforderung, der sich die Spieler stellen müssen. Unsere Aufgabe ist es, die Spieler dahingehend vorzubereiten, dass sie Schritt für Schritt den Profi vorleben und am Ende physisch, taktisch und technisch mithalten können. Deshalb finde ich schon, dass es hilfreich ist zu wissen, welche Anforderungen auf einen Spieler in der U19 und im Profibereich warten.

Welche Ziele sind für die kommende Spielzeit realistisch?
Wir wissen, dass wir nicht zur absoluten Spitze zählen, was aber nicht heißt, dass wir uns nicht zu einer sehr guten Mannschaft entwickeln können. Ich würde mir wünschen, dass dies unser Trumpf wird. In diesem Zusammenhang möchten wir die Spieler individuell weiterbringen. Entscheidend ist, dass sich die Mannschaft im Laufe der Saison steigert. Dann bin ich sicher, dass sich das auch auf die Tabelle auswirken wird.

Die Ergebnisse der U17 im Überblick:
Süd-West Masters, Langen (15. Juli 2017)
Eintracht Frankfurt – Karlsruher SC 1:1 (Vorrunde)
1. FC Nürnberg – Eintracht Frankfurt 3:1 (Vorrunde)
Eintracht Frankfurt – SpVgg Greuther Fürth 4:0 (Spiel um Platz 5)

Bundesliga-Cup, Öhringen (22. – 23. Juli 2017)
Eintracht Frankfurt – Borussia Dortmund 2:5 (Vorrunde)
Eintracht Frankfurt – TSG 1899 Hoffenheim 0:2 (Vorrunde)
FC Schalke 04 – Eintracht Frankfurt 2:0 (Vorrunde)
Eintracht Frankfurt – FC Bayern München 2:0 (Spiel um Platz 7)

Testspiele:
29. Juli 2017 FSV Hollenbach – Eintracht Frankfurt 0:14
 2. August 2017 Eintracht Frankfurt – SV Gonsenheim 14:0
 5. August 2017 Eintracht Frankfurt – FC Viktoria Köln 5:2

 

Von: Daniel Grawe

 

 


 

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