Aktuelles vom Curling

4. Platz für Deutsches Rollstuhl-Curling Nationalteam

Freitag, 18. November 2011, 13:42

Das Deutsche Rollstuhl-Curling Nationalteam hat bei der WM-Qualifikation in Lohja, Finnland den vierten Platz  belegt.

Die Teams aus der Slowakei und Italien sicherten sich mit den Plätzen 1 und 2 ihre Tickets zur WM in Südkorea im Februar 2012.

Der 4. Platz von 9 teilnehmenden Teams, 5 Siege und 5 Niederlagen und eine kontinuierliche Leistungssteigerung - das ist die Bilanz für das Deutsche Rollstuhl-Curling Nationalteam um den erfahrenen Cheftrainer Bernd Weißer.

Die deutsche Mannschaft trat in folgender Besetzung an: Skip Jens Jäger, Caren Totzauer, Martin Schlitt, Uwe Raschke und Heike Melchior. Physiotherapeutin Marion Jakob und Teambetreuerin Petra Schlitt komplettierten das Team und sorgten mit ihrem Einsatz dafür, dass sich die Spieler ganz auf ihre Aufgabe konzentrieren konnten.

Freitag, 4.11.11

Bilderbuchwetter mit Sonnenschein und blauem Himmel begrüßte die Mannschaft in Helsinki. Die einstündige Fahrt nach Lohja vorbei an Kiefern- und Birkenwäldern und Seen vermittelte einen ersten Eindruck von Finnland. Allen Befürchtungen zum Trotz lag noch kein Schnee und die Temperaturen lagen mit  5-10Grad doch um einiges höher als erwartet.

Das Sportzentrum Kisakallio liegt umgeben von Birkenwäldern an einem See und bietet vielfältige Sportmöglichkeiten für finnische Sportler. Von Sport-Gymnastik über Rudern bis zu Rollhockey, Tennis und Fußball. Die Unterkünfte, das Restaurant und die Sporthalle sind alle auf dem Gelände angesiedelt und bieten so die besten Wettkampf-Bedingungen.

Samstag, 5.11.11

Beim Frühstück gab es eine große Begrüßungs-Runde der Teams, von denen einige schon öfter gegeneinander angetreten sind. Neun Teams traten an, um sich für einen der zwei Plätze für die WM in Südkorea zu qualifizieren: Dänemark, Deutschland, Finnland, Italien, Japan, Lettland, Schweiz, Slowakei und Tschechische Republik

Nach dem offiziellen Begrüßungsmeeting, geleitet von Kate Caithness, der Präsidentin der  World Curling Federation bemühte sich der erfahrene Skip Jens Jäger, etwas Ruhe in die aufgeregte Vorfreude seines Teams zu bringen. Beim ersten Training auf dem vom dänischen Eismeister Jürgen Larsen perfekt präparierten Eis legte sich die Aufregung ein wenig

Am Nachmittag startet das deutsche Team dann gegen die Tschechische Republik in das Turnier.

Skip Jäger gelang es, das Haus immer „sauber“ zu halten und mit einigen perfekt gespielten Schluß-Steinen gab er Skip Radek Musilek keine Chance. So konnte Cheftrainer Bernd Weißer sehr zufrieden mit dem 7:4 Sieg seiner Mannschaft sein, was er auch im anschließenden Interview meinte: „Das Team freut sich sehr über den Sieg. Wenn wir es schaffen, dieses Spiel-Niveau beizubehalten, dann haben wir eine gute Chance, morgen gegen Lettland zu gewinnen.“

Und beim späteren Eröffnungsdinner gab es vom internationale Wettkampfdirektor Keith Wendorf noch ein Kompliment für Skip Jäger: „Nice shot, Jens!“

Das Essen blieb übrigens die ganze Woche durch hervorragend mit viel frischem Fisch und Gemüse.

Sonntag, 6.11.11

Im ersten Spiel des Tages trafen die Deutschen auf das Team aus Lettland, das erst seit letztem Jahr bei internationalen Turnieren mit dabei ist. Diesmal mit Heike Melchior als Lead.

Mit einem von Caren Totzauer direkt auf den Dolly gespielten Drawshot startete das deutsche Team ins Spiel. Und trotz ein wenig Stress wegen des zur Verfügung stehenden Zeitlimits spielte das Team konzentriert und gewann mit 9:5.

Dem nächsten Gegner Japan sah das Team mit großem Respekt entgegen. In der Kabine gab Trainer Weißer mit seiner ruhigen Art noch einmal letzte Anweisungen mit aufs Eis.

In diesem Spiel sorgte vor allem Skip Jäger mit seiner ausgefeilten Taktik und den genau gespielten Schluß-Steinen für das beeindruckende Endergebnis - die Japaner gaben nach dem 6. End beim Stand von 12:0 auf.

Nach diesem Sieg meinte Doris Huguenin, Technische Direktorin für das Schweizer Curling Team: „Jetzt müssen wir nur noch Deutschland schlagen, dann sind wir dabei!“

Beim abendlichen Würfelspiel zeigte sich das deutsche Team in bester Laune und voller Vorfreude auf die nächsten Partien.

Montag, 7.11.11

Gegen die perfekt spielenden finnischen Gastgeber startete das deutsche Team mit drei verlorenen Ends. Die anschließende Aufholjagd reichte leider nicht aus und so konnte Finnland das Spiel mit 6:4 für sich entscheiden.

Am Nachmittag startete das deutsche Team gegen Italien, das gerade zuvor gegen die starke Schweiz gewonnen hatte. Caren Totzauer platzierte den Drawshot so genau auf dem Dolly, dass Chef-Schiedsrichter Ian Archer fast nichts zu messen hatte.

Der italienische Skip Andrea Tabanelli und sein Team waren in absoluter Top-Form und spielten so gut wie fehlerlos, so dass das deutsche Team nach dem 6. End mit 1:11 aufgab.

Trotz der beiden verlorenen Spiele blieb die Stimmung im Team gut und jeder sprach dem anderen Mut zu.

Dienstag, 8.11.11

Den spielfreien Vormittag nutzte das Team mit einigen Erkundungen in der Umgebung und der Konzentration auf das Spiel gegen die Dänen mit Coach Per Christensen.

Trotz des Hammers im ersten Spiel wollte diesmal nichts gelingen. Jede Menge Fehlsteine auf der deutschen Seite führten dazu, dass Jens Jäger und sein Team erst im 5. End zum ersten Mal punkten konnte. Allerdings reichte das nicht aus, und so trennten sich die Teams mit dem Endergebnis von 4:9 Punkten.

Trainer, Betreuerin und Physiotherapeutin bemühten sich, die geknickten Spieler wieder etwas aufzurichten. Und beim gemeinsamen „Azzurro“ singen mit den Italienern schauten die Athleten wieder hoffnungsvoll auf das nächste Spiel gegen die Schweiz.

Mittwoch, 9.11.11

Diesmal klingelte der Wecker schon um 6:00. Trotz der frühen Stunde und der nebligen Dämmerung war das deutsche Team voll gespannter Vorfreude auf das Spiel gegen die starken Schweizer, die sich seit einem Jahr mit sehr viel Energie auf dieses Turnier vorbereitet hatten. Sogar der Schweizer Pausensnack von Physiotherapeut Franco mit Bündner Fleisch und Schweizer Käse sollte helfen, die Motivation zu steigern.

Beide Teams mussten gewinnen, um sich noch eine Chance auf die WM-Teilnahme zu sichern. Und sie lieferten sich ein packendes Duell, in dem um jeden Stein gekämpft wurde.

In den letzten Ends kam das Schweizer Uhrwerk allerdings ins Stocken. Beim Gleichstand von 3:3 zeigte Skip Manfred „Mänfi“ Bolliger zunehmend Nerven und konnte seinen letzten Stein nicht ins Haus bringen. Entstand für Deutschland mit 6:3!

Bernd Weißer zeigte sich mit dem bisher besten Spiel seines Teams sehr zufrieden.

Nach einer kurzen Mittagspause in der Sonne ging es zum entscheidenden Spiel gegen die Slowakei.

Skip Jäger und sein Team konnte mit den Slowaken gut mithalten. Beim Stand von 5:5 im 8. End hatten die Slowaken allerdings das Glück auf ihrer Seite und konnten mit 7:5 gewinnen.

Während vor die Halle bereits die erste Turnierbilanz gezogen wurde, rechneten die Wettkampfleiter noch einmal genau nach und kamen zu dem Ergebnis: „Es gibt ein Stechen um die Plätze 3 und 4 zwischen Dänemark und Deutschland und zwischen Finnland und der Schweiz. Die Gewinner der beiden Spiele spielen morgen um Platz drei und haben noch immer eine Chance, sich zu qualifizieren.“

Nach kurzer Pause startete das deutsche Team dann gegen die Dänen, die eigentlich noch dabei waren, ihre knappe 5:6 Niederlage gegen Japan zu verkraften.

Beim Stand von 6:3 im 7. End kam für Skip Jens Jäger dann das Aus. Ein abprallender Stein traf so unglücklich auf seinen Besen, dass er sich an der Hand verletzte.

Die deutsche Physiotherapeutin war zusammen mit ihrem Schweizer Kollegen zur Stelle und verarztete den Skip, der noch einen Abspielversuch machte, bevor er dann abbrechen musste.  Coach Weißer musste schnell die Mannschaft neu aufstellen: Caren Totzauer übernahm die Rolle des Skip, Martin Schlitt rückte zum Vize-Skip auf, Uwe Raschke spielte als Second und Heike Melchior startete ins Spiel. Frisch eingewechselt platzierte sie ihren zweiten Stein so genial hinter einer Guard auf dem Dolly, dass die Dänen sich bis zum Ende die Zähne daran ausbissen und sich mit 5:7 aus dem Turnier verabschiedeten.

Jens Jäger wurde von der Physiotherapeutin versorgt und mit ins Krankenhaus begleitet. Die Röntgenaufnahme ergab eine Verletzung des Daumengelenks, aber zum Glück keinen Knochenbruch.

Am Abend holte sich das deutsche Team noch Anregungen und Zuspruch vom ausgeschiedenen Schweizer Team gegen den kommenden Gegner aus Finnland.

Donnerstag, 10.11.11

Gegen die Finnen schwor sich das deutsche Team gemeinsam ein und wollte vor allem für den verletzten Skip Jens Jäger spielen, der sich gemeinsam mit Coach Weißer das Spiel von der Tribüne aus ansah. Skip Caren Totzauer konnte mit ihrem Team den starken und gefühlvoll spielenden Finnen in den ersten drei Ends noch sehr gut stand halten. Erst die 6 Steine im vierten End besiegelten das Schicksal der Deutschen, die nach dem 6. End mit 13:2 aufgaben.

Der anerkennende und aufmunternde Applaus der zuschauenden Teams zeigte, dass sich das deutsche Team viele Sympathien erworben hatte. Skip Jäger sagte anschließend: „Ich bin sehr stolz auf mein Team. Jeder ist für den anderen eingetreten und hat sein bestes gegeben. Das ist der wahre Spirit of Curling!“

Im anschließenden Spiel um Platz 1 gewann die Slowakei gegen Italien und stand als erster WM-Teilnehmer fest. Die Italiener um Skip Andrea Tabanelli mussten ihren zweiten Platz  jetzt noch einmal gegen Gastgeber Finnland verteidigen. Erinnerungen an letztes Jahr wurden wach, als die Italiener die sicher geglaubte Qualifikation nicht schafften.

Beide Teams lieferten sich ein dramatisches Finale auf spielerisch sehr hohem Niveau. Im Zusatzend behielt Tabanelli die Nerven, platzierte seinen letzten Stein im Haus und sichert sich mit seinem Team das Ticket zur WM nach Südkorea.

Beim Abschluß-Dinner am Abend hatten sich die Finnen schon wieder gefasst und freuten sich auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr. Denn Keith Wendorf teilte mit, dass die nächste WM-Qualifikation wieder in Lohja stattfinden wird – vom  3.-8. November 2012. Team Deutschland hat jetzt ein Jahr Zeit, um sich darauf vorzubereiten – der Teamgeist und das Potenzial dafür sind vorhanden.

Endergebnis

  1. Slowakei
  2. Italien
  3. Finnland
  4. Deutschland
  5. Dänemark
  6. Schweiz
  7. Tschechische Republik
  8. Japan
  9. Lettland

Von: Petra Schlitt

 

 

 


 

Abteilung Eissport / Curling

Manfred Hübner
E-Mail an Manfred Hübner

 

Termine