Chronik

80 Jahre Tischtennis bei der Eintracht

Wie schreibt man eine Abteilungschronik? Welche Informationen aus der Vergangenheit sind wichtig, interessant, informativ? Worauf greift man zurück, wenn in der Regel kaum Zahlen- und Bildmaterial archiviert wurde? Wie umfangreich sollte eine aussagefähige Rückschau sein, wenn es nur aus manchen Jahren brauchbares Zeitungs- und Bildmaterial gibt und vor allem nur wenige ehemalige Spieler bereit waren, dieses dem Autor zur Verfügung zu stellen? Wie umgeht man es, den geneigten Leser nur mit trockenen Fakten zu langweilen?

Eine mögliche Antwort: Man versucht sich auf einige wenige Episoden und Höhepunkte der wirklich langen und interessanten Eintracht-Historie zu beschränken und das wirklich informativste auszuwählen. Mit der folgenden Aufarbeitung der einst glorreichen Vergangenheit versucht der Verfasser dieser Zeilen dem Leser einen Überblick aus den Anfängen zu verschaffen, sportliche Highlights und diverse Anekdoten aus der Blütezeit der Abteilung hervorzuheben und einen kurzweiligen Eindruck zu vermitteln, welch herausragende Bedeutung die Eintracht in den letzten Jahrzehnten im deutschen Tischtennisport hatte.

Für zahlreiche Fotos und Zeitungsartikel sei den ehemaligen Abteilungsleitern Karl-Heinz Killmann und Andreas Heinzel gedankt, dem langjährigen treuen Spieler Heinz Sommer und Frank Jäger aus Thüringen, der im Rahmen seines Werkes „40 Jahre TT-Bundesliga“ dem Autor manch wertvolles Zahlenmaterial zur Verfügung stellte.

Die Anfänge

Als „Jux“ und „Ausgleichssport“ für die Tennisabteilung während der Wintermonate empfahl Otto Abel seinen Mitgliedern und Mitspielern schon 1923 das damals gerade aufkommende Tischtennis. Gespielt wurde zuerst in einem Kolleg der Wirtschaft Jaé in der Berger Straße.

Das aber befriedigte die Eintrachtler schon bald nicht mehr. So gründete Otto Abel
im November 1924 mit Unterstützung des damaligen Vereinsvorsitzenden Graf von Beroldingen, aber ohne finanzielle Hilfe des Vereins, die Tischtennisabteilung. Das Ganze geschah sogar noch, bevor sich der Deutsche Tischtennisbund am 8.11.1925 in Berlin konstituierte und die Spielregeln festgelegt wurden. Innerhalb kurzer Zeit entwickelte sie sich zu einer leistungsfähigen Abteilung.



1927 wurde erstmals in einem Turnier, dem allgemeinen TT-Turnier in Darmstadt, mitgespielt. Aufwärts ging es, als das Training auf sechs aus eigenen Mitteln beschafften Tischen in der Helmholtzschule an der Habsburger Allee aufgenommen wurde.



Sehr schnell verdrängten die Ping-Pong-Spezialisten Karl Ziegler, Schimel und Karl Eckardt (der spätere leider viel zu früh verstorbene Präsident des Deutschen TT-Verbandes) und andere die Tennisspieler aus der ersten Mannschaft. Im Jahr 1930 richtete die Abteilung auf Anweisung des deutschen. Tischtennisverbandes sogar ein internationales Turnier mit ca. 300 Teilnehmern aus. Sieger wurden natürlich die damals konkurrenzlosen Weltmeister aus Ungarn. Die Eintracht schlug allerdings u.a. die damalige französische Nationalmannschaft.


Nach dieser erfolgreichen Vorgeschichte gab es leider Differenzen und Herr Abel trat im Jahre 1931 zurück. Nun wanderten auch die restlichen Spieler ab. Von da an wurden bis Kriegsende weder Verbandsspiele noch Klubkämpfe ausgetragen.




Nach 1945 trafen sich die Hockeyspieler und Handballspieler der Eintracht im Saal der Gaststätte Hescher und schwangen dort auf den zwei Platten von Helmut Erbacher die Ping-Pong-Schläger. Als der spätere TT-Abteilungsleiter Heinz Fuß dazu kam und weitere ehemalige Mitglieder des TTK 29 (zu diesem Zeitpunkt ältester bestehender Frankfurter Tischtennisclub), war die Tischtennisabteilung wiedergeboren! Sie hatte bald so viele Mitglieder, daß man sich nach einem größeren Spiellokal umsehen mußte. Aber das war im damaligen Frankfurt gar nicht so einfach. Die meisten Schulturnhallen lagen noch in Schutt und Asche, und die wenigen, die noch standen, dienten oft anderen Zwecken. Das Stadtsportamt gab dann den Tip, es in der Comenius-Schule zu versuchen.

Nachdem man die bis unters Dach mit Möbeln etc. vollgestopfte Halle ausgeräumt hatte, begann der kaum für möglich gehaltene Tischtennisbetrieb. Die Geschichte der Tischtennisabteilung wird für immer mit dem Namen der Comenius-Schule verbunden bleiben, denn in deren Turnhalle wurden die Grundlagen für die ersten stolzen Erfolge geschaffen.

Schon bald hatte man über 150 Mitglieder und es mußte eine Aufnahmesperre ausgesprochen werden, da die Anzahl der Platten nicht ausreichte, um alle Interessenten zu beschäftigen.

Die Damen zeigen Flagge

Insbesondere die Damen waren in Hessen bald eine Klasse für sich, zumal auch die spätere Deutsche Meisterin von 1951, Ilse Donath, von der SG Fechenheim den Weg zur Eintracht fand.

Erster richtiger Höhepunkt war 1948 die erste Deutsche Mannschaftsmeisterschaft für die Eintracht Damen Donath, Neuland, Häneli, Schimanski, Becker und Gustel Cranz.

Von da an wurde der Name „Eintracht Frankfurt“ zu einem festen Begriff im Deutschen Damentischtennis. Neue Namen kamen und so wurden die Eintrachtdamen für das Erringen der vierten Deutschen Meisterschaft sogar mit dem Silbernen Lorbeerblatt des Bundespräsidenten ausgezeichnet.






Es waren die ersten deutschen Tischtennisspielerinnen, die diese höchste Auszeichnung für deutsche Sportler in Empfang nehmen durften. Diese Ehre wurde zuteil: Hanne Schlaf, Hilde Bußmann, Ellen Hennemann, Marianne Blumenstein, Annemie Mann und Christel Bischof.





Bald kamen Lotti Franz und Erna Brell von der TG Bockenheim hinzu





und weitere talentierte Nachwuchsspielerinnen wie Marlies Berger und Christa Ambron.





















So wurden die Adlerträgerinnen in den Jahren 1948 bis 1959 nicht weniger als siebenmal Deutscher Meister und dominierten somit das Damentischtennis der fünfziger Jahre.








Hinzu kamen zahlreiche deutsche Einzelmeistertitel
durch Hanne Schlaf                                    und Erna Brell.





















Erfolge bei den Herren folgten

Die Herren der Schöpfung standen lange im Schatten der Damen, mischten aber Ende der Fünfziger Jahre im Kampf um den Titel ebenfalls gut mit. Beinahe hätte es in München auch zur deutschen Mannschaftsmeisterschaft gereicht. Greifbar nahe war man dem Titelgewinn, aber im Endspiel 1957 reichte es nur zu einem 8:8 gegen den ewigen Rivalen TTC Mörfelden. Da dieser im Satzverhältnis um ein geringes günstiger stand, hatten die Eintrachtler mit Werner Haupt einfach Pech und wurden nur Vizemeister. Trotzdem eine tolle Leistung.




1959 wurde Wolf Berger gemeinsam mit Hanne Schlaf Deutscher Meister im Mixed.



















1966 wurde dann endlich die TT-Bundesliga gegründet.
Bereits 1967 gehörte die Eintracht zum erlesenen Kreis der zehn besten Mannschaften Deutschlands. Ein weiterer Höhenflug begann. In ihrer ersten Saison in der Bundesliga belegten die Adlerträger in der Besetzung Köcher, Berger, Hochstuhl, Haupt, Giehsel, Reuter, Westphal, Vollrath mit 11:25 Punkten noch den achten Rang.






In den nächsten Jahren etablierte man sich aber als feste Größe in der deutschen Eliteliga und belegte einmal den siebten Platz, viermal den fünften Platz, zweimal wurde man Vierter und dreimal erreichte man sogar den dritten Platz. Dies zeigt, welch tragende Rolle die Mannen von der Eintracht im deutschen Tischtennis inne hatten.







Die goldenen Siebziger


Ende der Siebziger Jahre hatte die Eintracht eine weitere Glanzzeit in der Bundesliga. So belegte man zum Beispiel in der Saison 78/79 in der Besetzung Lammers, Day, Schmittinger, Sommer, Fischer, Tedjasukmana und Spohnheimer mit 18:18 Punkten den sechsten Platz.Das Doppel Lammers/Schmittinger errang den dritten Platz bei den Deutschen Meisterschaften und Fischer/Rebel (Heusenstamm) wurden deutsche Jugendmeister im Doppel.In der Saison 79/80 stand man nach der Vorrunde mit 11:7 Punkten sogar auf Platz drei und das mit einer Mannschaft, die fast nur aus deutschen Spielern bestand. Die Farben der Eintracht trugen in dieser Saison: Lammers, Schmittinger, Pütz (Luxemburgischer Meister), Sommer, Fischer, Geimer und Horsch.Als Saisonhöhepunkt könnte man den tollen Sieg über den Meister von 1977 SSV Reutlingen bezeichnen. In einem denkwürdigen Spiel schlug Heiner Lammersseinen langjährigen Kontrahenten Peter Stellwag in zwei Sätzen und Klaus Schmittingerrang ohne Training den schwedischen Spitzenspieler Ulf Thorsell nieder.






Die Eintracht und ihre asiatischen Freunde

Die Eintracht leistet schon seit Jahrzehnten einen nicht ganz uneigennützigen Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität vieler asiatischer Tischtennisspieler. Dies geht zurück bis ins Jahr 1979, als die Eintracht eine „sportliche Patenschaft“ übernahm und, mit Hilfe von Sponsoren, zwanzig vietnamesische ehemalige „Boat People“ von der Cap Anamur mit Spielkleidung und Spielutensilien ausstattete. Seit dieser Zeit bilden diese Ballkünstler eine wichtige Stütze der Abteilung, haben sich jederzeit als äußerst zuverlässige und angenehme Zeitgenossen erwiesen und sind aus dem Verein nicht mehr wegzudenken.





Wang, der erste Chinese in der Bundesliga

Die Bundesligasaison 1980/81 sollte als ein weiterer markanter Farbtupfer der Eintracht Historie in Erinnerung bleiben. Es war die Saison, in der es gelang, als erster deutscher Verein einen Zelluloidvirtuosen aus dem Reich der Mitte in einer Punktrunde einzusetzen.

Vorwegzunehmen ist, daß es sich abzeichnete, daß ein Verein, der in der Bundesliga den Titelgewinn anstreben wollte oder auch nur den Klassenverbleib gesichert sehen mochte, sich in einem (nicht immer vertretbaren) Maße finanziell engagieren mußte, wie dies in den Jahren zuvor niemals erforderlich schien.

Daß Abteilungen eines Großvereins nicht generell (wenn überhaupt) bevorteilt waren, davon konnte auch unsere Abteilung ein Lied singen. Seit Jahren schon stand der gleiche Etat zur Verfügung, unabhängig davon, ob die Fußballer nun erfolgreich waren (wie 1980, in dem bekanntlich der UEFA-Pokal gewonnen werden konnte) und der Zuschauerschnitt im Waldstadion ein Plus in der Kasse verhieß, oder nicht. Ein Namenssponsor durfte aufgrund der Satzung nicht mit ins Boot genommen werden, und nur durch Mitgliedsbeiträge war die Bundesligazugehörigkeit nicht mehr zu finanzieren.

So kam es auf den Einfallsreichtum und das Engagement des Abteilungsvorstandes an, denn schließlich galt es, den nach elfjähriger Zugehörigkeit zur Bundesliga-Mannschaft ausscheidenden Neu-Bundestrainer Klaus Schmittinger zu ersetzen. Wäre dies nicht gelungen, hätte man schon zu diesem Zeitpunkt mit einem Abgleiten in die Regionalliga Südwest rechnen müssen. Dabei kam die Mannschaft mit einem Etat aus, der in manchen Vereinen nicht einmal dazu ausgereicht hätte, auch nur die ersten beiden Spieler im vorderen Paarkreuz zu finanzieren. So faßte man einen mutigen aber auch finanziell cleveren Entschluß und wandte sich an mehrere Stellen in der VR China, mit der Bitte einen Spieler für einen bestimmten Zeitraum zu vermitteln, der auch über Erfahrungen als Trainer verfügen sollte. Glaubte man anfangs nicht so recht an der Erfolg dieser ungewöhnlichen Aktion, so lag doch nur zwei Monate später bereits eine Zusage des Chinesischen Tischtennis-Verbandes vor. Wang Jiang Quang, 25 Jahre, Dritter der Einzelmeisterschaften 1975, Meister im Herrendoppel 1977, sollte von nun an die Farben der Eintracht tragen.

Gleichzeitig nahm man noch eine Chance wahr, die sich durch den sich sicherlich immer noch in guter Erinnerung befindlichen koreanischen Sympathieträger der Fußballer Bum Kun Cha bot. So bemühte man sich um die Verpflichtung der Nr.1 von Südkorea, Park Lee Hee


und erlangte ebenso überraschend schnell eine Freigabe durch den Südkoreanischen Tischtennisverband. So sah man sich unmittelbar vor der beginnenden Saison 1980/81 in der unerwarteten Situation, für relativ wenig Geld zwei hochkarätige asiatische Spielertypen in den eigenen Reihen zu haben, die das Spiel mit dem kleinen Ball zelebrieren sollten.



So kam es am 06.09.1980 gleich zum Saisonauftakt vor der für Frankfurter Verhältnisse großen Kulisse von fast 600 Besuchern in der Enkheimer Ried-Sporthalle zum Treffen mit dem amtierenden Deutschen Meister PSV Borussia Düsseldorf. Für die Mannschaft in der Besetzung Wang, Lammers, Park, Horsch, Sommer und Fischer kam dieses Spiel noch zu früh, denn man unterlag deutlich mit 2:9. Aber welche Spielstärke Wang hatte, sah man in einem hochklassigen Spiel gegen die jahrelang die Tischtennisbundesliga dominierende „schwarze Perle“ Desmond Douglas, seines Zeichens englischer Nationalspieler. Der gebürtige Jamaikaner wirkte im Wang`schen Angriffswirbel manchmal wie ein tapsiger Bär, der von seinem Rivalen hin- und hergehetzt wurde. Die raffinierten Aufschläge, die unberechenbaren Schnittbälle und die knallharten Schmetterschläge des neuen Eintracht-Cracks bescherten ein auf diesem Niveau in der Bundesliga bis dahin noch nicht erlebtes Tischtennisfeuerwerk.
Auch Ex-Weltmeister Stellan Bengtsson aus Jülich mußte im weiteren Verlauf der Saison gegen Wang die Segel streichen.

Daß am Ende der Saison trotz der asiatischen Verstärkungen „nur“ ein fünfter Platz stand, lag letztendlich daran, daß Teams wie Borussia Düsseldorf, SSV Reutlingen, TTC Jülich oder der TTC Altena in der Breite der Mannschaft noch etwas besser besetzt waren, als die Eintracht. Trotzdem wird diese Episode des Vereins immer in schöner Erinnerung verbleiben.

In unschöner Erinnerung blieben aber die letzten Wochen der Saison als unabhängig vom sportlichem Erfolg ohne Vorankündigung der Hauptverein die Gelder für die Tischtennisabteilung um 25% kürzte. Mit diesem Etat war es nun offensichtlich nicht mehr möglich, ein konkurrenzfähiges Team für die Bundesliga auf die Beine zu stellen. Frustriert gab der langjährige Abteilungsleiter Karl-Heinz Killmann auf und gab zwischenzeitlich sogar seinen Rücktritt bekannt. Vorwürfe gegen Präsidium, Verwaltungsrat und Management der Eintracht wurden erhoben, Absprachen seien gebrochen worden. Klar war, daß letztendlich die Tischtennisabteilung für die Finanzpolitik des Fußballmanagements büßen mußte. So stand kurzfristig sogar der Rückzug der eigentlich erfolgreichen Bundesligamannschaft im Raum, nachdem auch der langjährige Sympathieträger der Eintracht, Heiner Lammers, aus sportlichen Gründen neben dem Koreaner Park nach Grenzau wechseln sollte. Einfach aufgeben wollte man die langjährige Bundesligazugehörigkeit dann allerdings doch nicht.

Der Abstieg 1981/82

Als es nach einigem Hin und Her gelang, für wenig Geld eine halbwegs schlagkräftige Mannschaft ohne spielerischen Hochkaräter auf die Beine zu stellen, ging man das Risiko ein. Nachdem es noch zwei, drei andere Mannschaften in der Liga gab, die vor ähnlichen Problemen standen, schien der Klassenerhalt gar nicht so abwegig.

So zeigte die Mannschaft in der Besetzung Busin (Schweizer Meister), Frank, Sommer, Wehrheim, Budzisz und Groß in den Spielen großen Kampfgeist und schaffte einige Achtungserfolge. Wie z.B. gegen den Geheimfavoriten TTC Jülich, als es Frank gelang, in einem mitreißendem Spiel den schwedischen Spitzenspieler Ulf Carlsson zu schlagen.

Leider verlor man gegen die unmittelbaren Konkurrenten gegen den Abstieg meist sehr knapp, so z.B. gegen den TTC Esslingen mit 7:9 und so stand am Ende der Saison 81/82 nach fünfzehnjähriger Bundesligazugehörigkeit, vom Hauptverein vergessen, von den Fans nie entdeckt (150 Zuschauer im Esslinger Spiel), doch der Abstieg. Die Eintracht hatte sich allerdings mit Anstand aus der höchsten deutschen Spielklasse verabschiedet.

Regionalliga und Wiederaufstieg

In der Saison 82/83 versuchte die Eintracht mit vier Jugendlichen und zwei erwachsenen, erfahrenen Spielern die zweite Bundesliga zu halten, doch die Truppe mit den Nachwuchsspielern Ralf Munser, Stefan Glinkemann, Roger Greunke und Claudio Malasomma war in dieser Liga deutlich überfordert und so folgte der nächste Abstieg in die Regionalliga.

Dort konsolidierte man sich dann ein weiteres Jahr und erreichte Platz 3, ehe völlig überraschend mit einer „Rentnertruppe“ (die Betreffenden mögen mir den Ausdruck verzeihen) bereits in der Saison 84/85 der Wiederaufstieg gelang. In der Besetzung Hans-Jürgen Hackenberg, Ralf Munser, Hinze, Bachmann, Jürgen Schindler und Wilfried Warnke kehrte die Eintracht nach zwei Jahren in die zweite Bundsliga zurück. Dort sollte sie dann bis zur Saison 90/91 mit bescheidenen finanziellen Mitteln verweilen.





Das Wunder hieß Wang

Einen weiteren Farbtupfer in der Eintracht-Historie stellte das zweite Gastspiel des chinesischen Sympathieträgers Wang in der Saison 88/89 dar. Nachdem mit der Übernahme des Abteilungsleiterpostens durch Andreas Heinzel in der Saison 86/87 ein kontinuierlicher Aufwärtstrend im Verein einher ging, bot sich erneut die Chance, den Spieler aus dem Reich der Mitte zu verpflichten. Über all die Jahre hatte noch ein lockerer Kontakt zu dem bescheidenen Chinesen bestanden und als Wang im Frühjahr 1988 brieflich nach Möglichkeiten fragte, wieder in Deutschland zu spielen, griff die Eintracht natürlich sofort zu. Dann sollte sich allerdings das unverhoffte Glück noch etwas hinziehen.

Die regionale Sportkommission in Kanton legte überraschend ihr Veto ein, und so mußte die Mannschaft die ersten 15 Spieltage ohne ihre nominelle Nummer 1 auskommen. Dies gelang mehr schlecht als recht und so fand sich die Rumpfmannschaft, die in jedem Spiel einen Ersatzspieler aus der zweiten Mannschaft einsetzen mußte, im Tabellenkeller wieder. Einziger Lichtblick war dabei der überraschende 9:7 Rückrundensieg beim TVB Nassau, ansonsten war man zumeist chancenlos. Aber dann kam Wang endlich, spielte und siegte in unnachahmlicher Manier. Gerade vier Tage in Frankfurt, stellte er im entscheidenden Spiel gegen den Mitkonkurrenten um den Abstieg, TFC Steinheim, unter Beweis, welche Klasse er mit seinen 34 Jahren immer noch besaß: Gewann er gegen die Nummer zwei der Gäste noch mühelos, forderte der Steinheimer Abwehrspezialist und Spitzenspieler Dietmar Kelkel den Chinesen hingegen ernsthaft. Wang gewann zwar den ersten Satz mit 21:18, lag dann aber im zweiten mit 11:19 im Rückstand. Relativ unbeeindruckt machte er die nächsten 10 Punkte in Serie und bedankte sich bei seinem völlig konsternierten Gegner für ein großartiges Spiel. Gleichsam schaffte er damit den Siegpunkt zum 9:2 Gesamtsieg für die Adlerträger und verabschiedete die Steinheimer anstelle der Eintracht aus der zweiten Bundesliga. Der Ruck, der mit Wang durch die gesamte Mannschaft ging, war an diesem Tag deutlich zu spüren. Die letzten Saisonspiele wurden noch deutlich gewonnen und der letztendlich rettende 9. Tabellenplatz erreicht. Somit zählte die Eintracht weiterhin zu den TOP 30 im deutschen Herrentischtennis.

Der fast versehentliche Wiederaufstieg in die Bundesliga

In der kommenden Saison 1989/90 wurden alle Prognosen der Konkurrenz völlig überraschend über den Haufen geworfen. Vor der Saison noch als Absteiger eingeschätzt, mußte man fast aufpassen, daß man nicht aus Versehen noch in die 1. Bundesliga aufsteigen würde. Nach der Vorrunde lag man nur zwei Punkte hinter dem haushohen Meisterschaftsfavoriten TSV Milbertshofen.


In der Besetzung Wang, Christian Dreher, Dr. Michael Wehrheim, Volker Stippich, Matthias Ruppert und Haward Speer lehrte man die Konkurrenz das Fürchten und erreichte ein wahrlich vortreffliches Resultat.


Betrachtete man allerdings die Entwicklung in den ersten beiden Ligen (30 Vereine), wo zu diesem Zeitpunkt nicht weniger als 16 Asiaten eine Spielberechtigung besaßen, konnte man zweifellos von der stärksten nationalen Liga Europas sprechen. Als sich die Eintracht-Verantwortlichen daraufhin veranschaulichten, daß allein die Startgenehmigungs- und Meldegebühren für die 1. Bundesliga bereits knapp die Hälfte des gesamten Abteilungsetats schlucken würden, mußte man nahezu beten, daß Milbertshofen seiner Favoritenrolle gerecht werden würde. Letztendlich schaffte man es „den Favoriten vor sich zu lassen“ und belegte mit 28:8 Punkten einen hervorragenden zweiten Platz. Ein Minimaletat der vom Hauptverein noch als Gnadenbrot gewährt wurde, verbot es, an weitere Abenteuer in der ersten Bundesliga nur im entferntesten zu denken.
Nachdem in der Saison 1990/91 aufgrund der knappen Finanzdecke die Mannschaft weiter an sportlicher Qualität verlor, und mit 10:26 Punkten bzw. Platz 8 die zweite Liga gerade noch so gehalten werden konnte, konnte sich der Abteilungsvorstand in der Entscheidung des Vorjahres bestätigt fühlen.

Der Niedergang

Als im Rahmen diverser Skandale und finanziellem Umdenkens im Hauptverein das Geld vollkommen ausblieb, um eine schlagkräftige Mannschaft für die zweite Liga zu stellen, hatte man keine andere Wahl, das Team in der Saison 1991/92 in die 2. Verbandsliga Fft. zurückzuziehen. Selbst dies stellte sich als zu optimistisch heraus, so daß man innerhalb weniger Jahre mehrfach abstieg und sich erst in der Bezirksklasse stabilisieren konnte, welche bis zur Saison 2004/05 gespielt wurde.




















Erst vor einem Jahr kehrte die aktuelle Mannschaft wieder in die Bezirksliga zurück.











Dort gelang vor kurzem der sofortige Durchmarsch in die Bezirksoberliga.






Seit Mitte 1991 sind die Tischtennisspieler der Eintracht eine sich selbst tragende, reine Amateurabteilung, die vom Einsatz und Engagement ihrer Mitglieder lebt, finanziell unabhängig vom Hauptverein, aber ohne kostspielige Leistungsträger finanzieren zu müssen. Die Zukunft wird zeigen, ob der Zusammenhalt und der sportliche Ehrgeiz eines Tages dazu beitragen können, zumindest ansatzweise an frühere sportliche Erfolge anzuknüpfen. Mögen alle im Verein, die diese Zeilen lesen, sich Gedanken machen, inwieweit sie durch persönliches Engagement ihren Beitrag zu einer Fortsetzung des sportlichen Aufwärtstrends der letzten beiden Jahre der Tischtennisabteilung leisten könnten.

Ewige Bundesligatabelle

Wirft man einen Blick auf die „Ewige TT-Bundesligatabelle“ stehen die Eintracht Urgesteine Klaus Schmittinger/Günther Köcher im Doppel mit einer überragenden Bilanz von 117:20 auf Platz drei, knapp hinter Lieck/Nieswand (TTC Altena) und Douglas/Deutz (Borussia Düsseldorf). Mit seinem späteren Doppelpartner Heiner Lammers belegt Günther Köcher immerhin noch Platz 35 vor der Paarung Köcher/Hochstuhl, ebenfalls Eintracht Frankfurt. Auch beim einjährigen Gastspiel des späteren Bundestrainers Istvan Korpa stellte Günther Köcher seine Fähigkeiten als herausragender Doppelspieler unter Beweis.

Auch in der Kategorie „Die meisten Spiele“ stehen die Eintracht-Veteranen Heiner Lammers, Klaus Schmittinger und Günther Köcher weiterhin unter den Top 40 aller Bundesligaspieler. In der ewigen Bundesligatabelle (1966-2003) wird die Eintracht immer noch auf Platz 8 geführt. Knapp hinter so renommierten Teams wie ATSV Saarbrücken, TTF Ochsenhausen oder dem TTC Altena. Diese Zahlen belegen, welche wichtige Rolle unser Traditionsverein über lange Jahre hinweg in der Tischtennisszene gespielt hat.







Da an dieser Chronik noch weitergearbeitet werden soll, freuen wir uns über jeden Beitrag, der die langjährige Geschichte der Abteilung vervollständigen kann.

von Norbert Schneider


 

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