Geschichtswerkstatt

Eintracht Frankfurt engagiert sich in vielen sozialen Projekten: von der Beschäftigung von Jugendlichen im Zivildienst und im Freiwilligen sozialen Jahr (FSJ), über Schulprojekte bis hin zum wichtigen Kampf gegen Rassismus.

Das Eintracht Frankfurt Museum unterstützte in Form einer Kooperation mit dem Sportkreis Frankfurt die Geschichtswerkstatt „Schlappeschneider – Schlappekicker“, in der die 10a der Frankfurter Falkschule die ereignisreiche Geschichte des ehemals weltgrößten Hausschuhherstellers "J. & C.A. Schneider" und dessen Verbindungen zu Eintracht Frankfurt untersuchten. Prämiert wurde dieses Projekt von der Deutschen Fußball Akademie mit dem Deutschen Fußballkultur Preis "Lernanstoß".

Über das Projekt

Panoramafoto der Ausstellung

In der Geschichtswerkstatt setzte sich die 10a der Falkschule aus dem Frankfurter Gallus mit der jüdischen und ehemals weltgrößten Hausschuhfirma "J. & C.A. Schneider" auseinander. Schwerpunkte der Woche, die von einem Projektteam um Studenten, Auszubildenden und einer Sozialarbeiterin durchgeführt wurde, waren zum einen die Zeit im Nationalsozialismus, in der die Firma von den Nationalsozialisten „arisiert" wurde, sowie die Verbindungen zur Eintracht. Grundlagen für den zweiten Schwerpunkt waren die Recherchen von Matthias Thoma, Direktor des Eintracht Museums, für sein Buch "Wir waren die Juddebube" über die Eintracht in der NS-Zeit.

AusstellungstafelDer "Schlappeschneider", wie der Betrieb in Frankfurt genannt wurde, war vor dem Zweiten Weltkrieg Sponsor der Eintracht und unterstützte den Verein auf vielen Ebenen. So stellte die Firma den Fußballern der Eintracht Arbeitsplätze zur Verfügung, die sie brauchten, um nach außen hin ihren Amateurstatus zu unterstreichen. Nicht selten blieben die Schreibtische unbesucht. Walter Neumann, Miteigentümer der Firma, unterstützte die Eintracht als Mäzen. Rudi Gramlich war Chefledereinkäufer des Betriebs. Durch diese engmaschige Verbindung kam die Eintracht auch zu ihrem Spitznamen, der heute noch vielen bekannt ist: "Schlappekicker". In diesem Kontext erfuhren die Schülerinnen und Schüler auch einiges über die Geschichte ihres Stadtteils, in dem die Firma beheimatet war, über die Entstehung und die Entwicklung des Fußballs in Deutschland bis zum Zweiten Weltkrieg, sowie über jüdische Verdrängung in Sportvereinen. Besonders interessant und einschneidend war für die Schüler die Tatsache, dass die "ganzen Sachen vor unserer Tür passierten", so Calogero, Schüler der Falkschule. In der Woche recherchierten die Schülerinnen und Schülern in Archiven wie dem Institut für Stadtgeschichte oder im Eintracht Museum zur Thematik. Darüber hinaus führte die Klasse angeregte Zeitzeugeninterviews.

Ziel während der Woche war die Entwicklung einer Ausstellung, die die gesammelten Ergebnisse angemessen präsentieren sollte. Zur Ausstellungseröffnung Anfang Juni versammelten sich ca. 100 interessierte Gäste im Saalbau Gallus. Darunter auch der Verwaltungsratsvorsitzende der Frankfurter Eintracht Hans-Peter Griesheimer, Matthias Thoma, der Vorstandsvorsitzende des Sportkreises Frankfurt Roland Frischkorn und der Bundestagsabgeordnete Gregor Amann. Lukas Wycioslok, Teilnehmer der Projektwoche, erklärte den Zuhörern in seiner Rede, was ihn am Projekt am meisten bewegt hat: "Auf dem Schulweg komme ich in der Mainzer Landstraße bei der Commerzbank und dem Deutschen Fachverlag vorbei, dort, wo früher die Werksgebäude standen. Diese Standorte sehe ich jetzt mit anderen Augen." Für die Schüler war die Projektwoche auch eine willkommene Abwechslung zum Schulunterricht. In lockerer Atmosphäre lernten die Schülerinnen und Schüler für sie neue Dinge über ihren Stadtteil und um den „Schlappeschneider". Alma und Marie sind sich einig: "In dieser Woche haben wir mehr gelernt als in einem Jahr in Geschichte!"

Deutscher Fußball Kultur Preis "Lernanstoß"

Der Kulturpreis "Lernanstoß" der deutschen Fußball Akademie richtet sich an innovative pädagogische Projekte für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre, in denen der Fußball erfolgreich als Mittel der Bildungsarbeit eingesetzt wird. Gegen 42 weitere Projekte setzten sich die "Schlappekicker" durch und verwies die namhafte Konkurrenz aus Schalke, St. Pauli, Hannover oder Bremen auf die Plätze. Das Preisgeld von 5.000 € wird für weiterführende Projekte um den Fußball in Frankfurt verwendet.

 

Zur Website der Deutschen Fußball Akademie


 

Kontakt

Matthias Thoma
Museumsdirektor

Commerzbank Arena
Mörfelder Landstr. 362
60528 Frankfurt am Main

Tel.: +49 69 95 503-275
Fax: +49 69 95 503-279
thoma(at)eintracht-frankfurt.de